Twitter ade? Donald Trump gegen die sozialen Medien

Erst setzt Twitter Warnhinweise auf Trumps Tweets, dann will Snapchat seine Beiträge nicht mehr promoten. Jetzt rüstet Donald Trump zum Kampf gegen die sozialen Medien. Nur Facebook lässt den US-Präsidenten noch ungefiltert zu Wort kommen und riskiert damit den Haussegen.

Von: Marcus Schuler, ARD Silicon Valley

Stand: 08.06.2020

Der Twitter-Account von US-Präsident Donald J. Trump auf einem Handy vor einem Bildschirm mit einem Twitter-Logo.  | Bild: dpa/picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt

Das Weltbild des US-Präsidenten ist einfach: Die meisten Journalisten lügen, die Presse verbreite Falschnachrichten. Das sei der Grund, so Trump, weshalb er überhaupt ein Twitter-Konto besitze. Damit könne er die Berichterstattung umgehen. Am liebsten würde er ja seinen Twitter-Account löschen, behauptete Trump vor gut einer Woche. "Es gibt so viele Fake-News. Das ist schändlich", sagte der US-Präsident. "Gäbe es in diesem Land eine faire Presse, würde ich mein Twitter-Konto sofort löschen. Nichts wäre mir lieber. Aber wenn man alle Konten zusammennimmt, erreiche ich damit 186 Millionen Menschen."

Trump bringt Reichweite

Es wäre gelogen, zu behaupten, dass Twitter in der Vergangenheit nicht von Trump profitiert hat. Seit er Präsident ist, steht auch der Kurznachrichtendienst aus San Francisco viel häufiger im Mittelpunkt: Websites, TV- und Radiosender sowie Zeitungen zitieren ihn quasi ständig. Das bringt dem Unternehmen mediale Reichweite und vermutlich auch mehr Anzeigenkunden.

Gleichzeitig hat Twitter in den vergangenen Jahren seine Richtlinien, seine Hausordnung, wenn man so will, überarbeitet. In der ist geregelt, was auf der Plattform erlaubt ist und was nicht. Bislang hat man Trump eher mit Samthandschuhen angefasst.

Mike Isaac, Tech-Reporter bei der New York Times in San Francisco sagte im CBS Fernsehen: "In den vergangen Jahren hat Twitter seine Richtlinien überarbeitet. Und jetzt sind sie an einem Punkt angekommen, wo sie sagen, entweder wir setzen das jetzt um, was wir da erarbeitet haben oder nicht. Hinzu kommt: Vor einer Woche hat das Weiße Haus einen Twitter-Angestellten öffentlich angegriffen. Das hat viele Leute innerhalb des Unternehmens sehr geärgert. Zumindest hatte das einen mentalen Einfluss auf ihren Umgang mit der ganzen Geschichte."

Knickt Zuckerberg vor den Konservativen ein?

Nur wenige Kilometer südlich von der Twitter-Firmenzentrale in San Francisco befindet sich der Unternehmenssitz von Facebook. Der Konzern erreicht gut 2,9 Milliarden Menschen via Facebook, Instagram und WhatsApp. Eine gigantische Reichweite und eine gigantische Macht. Mark Zuckerberg hat sich entschieden, Trump auf seinen Plattformen gewähren zu lassen. Sein Argument: Facebook sei kein Medienunternehmen, man wolle sich nicht zum Richter aufspielen. Trump hatte bis vor wenigen Monaten Facebook noch vorgeworfen, es benachteilige konservative Stimmen. Stephen Levy vom Tech-Magazin "Wired" in San Francisco sagt: "In den vergangenen Jahren ist Zuckerberg vor den Konservativen eingeknickt: Jetzt wird er von allen kritisiert, weil es aussieht, als würde er ihnen nachgeben."

Ein Großteil der Facebook-Mitarbeitenden ist indes sauer auf Zuckerberg. Einige haben aus Protest sogar gekündigt. Der Facebook-Chef braucht die Politik und die Republikaner, weil er fürchtet, sein Unternehmen könnte aufgrund seiner Größe und Macht zerschlagen werden. Bei YouTube, das zu Google gehört, ist die Strategie klar: Augen zu und durch. Möglichst nicht auffallen, keine negativen Schlagzeilen produzieren. Wirklich wichtig ist Trump für YouTube nicht. Gerade mal 476.000 Abonnenten verzeichnet sein Kanal.

Twitter
Hier hat Trump die weitaus meisten Follower. Fast 82 Millionen sind es. Er belegt damit Platz 9 bei Twitter. Auf Platz 1 steht übrigens Barack Obama mit knapp 118 Millionen Followern. Twitter ist für den US-Präsidenten so etwas wie ein großer Kübel, in den er Gedanken, Provokationen und Verschwörungstheorien hineinkippt. Für Journalisten ist das Konto eine wichtige Informationsquelle.

YouTube
Ist zwar die wichtigste freie Videoplattform der Welt. Für Trump aber eher unbedeutend. Sein Kanal kommt da gerade mal auf 476 000 Abonnenten.

Snapchat
Der besonders unter Jugendlichen beliebte Messaging-Dienst hat Trump aus seiner Promi-Ecke verbannt. Man wolle sein Profil nicht weiter promoten, teilte Snapchat in Los Angeles mit. Trump kommt hier auf gut 1,5 Millionen Follower.

Instagram
Die Foto-Plattform Instagram ist schon wichtiger für den US-Präsidenten. Sie spricht vor allem seine Sprache: wenig Text, meist nur einzelne Worte, dafür aber große Bilder. So was gefällt Trump. Auf mehr als 20 Millionen Follower kommt er dort.

Facebook
Im Grund ist das die wichtigste Plattform für Trump. Er kommt dort auf fast 30 Millionen Follower. Das Trumpsche Konto spielt für sein Wahlkampfteam keine so große Rolle. Wichtiger ist Facebook als Werbeplattform. Hier lassen sich bestimme gesellschaftliche Gruppen ansprechen. Trump selbst muss dabei gar nicht Gegenstand der Werbebotschaft sein.