Doku-Reihe zum Eichmann-Prozess Der Organisator des Holocaust

Am 11. April 1961 begann in Jerusalem der Prozess gegen Adolf Eichmann. Erstmals rückte damit der Völkermord an den Juden ins Zentrum – Zeugenberichte von Überlebenden eröffneten die ungeheure Dimension der Verbrechen. Eine dreiteilige Reihe widmet sich nun den Ereignissen vor 60 Jahren.

Stand: 06.04.2021 | Archiv

Adolf Eichmann: Prozess in Jerusalem beginnt am 11. 4. 1961
| Bild: BR/rbb/NDR

Am 11. April vor 60 Jahren blickte die ganze Welt auf Jerusalem, wo Adolf Eichmann der Prozess gemacht wurde – in einem eigens dafür neu errichteten Gerichtsgebäude. Das Medienecho war gigantisch, in allen Teilen der Welt wurde über das Verfahren berichtet. Chefankläger Gideon Hausner zeichnete im Prozess die Verfolgung der Juden in Europa von 1933 bis zur schrittweisen Ausgrenzung und millionenfachen Vernichtung nach, um die Dimension der Verbrechen Adolf Eichmanns deutlich zu machen. Als Zeugen vor Gericht kamen dabei erstmals Holocaustüberlebende zu Wort. Sie schilderten, was sie bislang meist verschwiegen hatten: den buchstäblich unglaublichen Terror in den Konzentrationslagern, massenhaften Mord, Folter und Totschlag.

Eichmann-Prozess auf ARD-alpha

Zum Jahrestag des Prozessbeginns rückt ARD Alpha an drei Tagen hintereinander in einer dreiteiligen Doku-Reihe den Eichmann-Prozess ins Zentrum: "Vor 60 Jahren: Eine Epoche vor Gericht".

Mit "Die Katastrophe vor Gericht" startet ARD-alpha Freitag 9. April , 20:15 Uhr die Dokumentation des Jahrhundertprozesses.

In einer dichten Verschränkung von historischem Bildmaterial, Berichten von Betroffenen und Zeitzeugen sowie dokumentarischen Spielszenen erzählt Samstag, 10. April 20:15 Uhr das Doku-Drama "Eichmanns Ende" die spektakuläre Geschichte von der Entdeckung und Ergreifung des Organisators der Massendeportationen europäischer Juden.

Die Erfassung und Entführung Eichmanns

Nach 1945 war es dem Cheforganisator der Judendeportationen, SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann gelungen, zunächst als Waldarbeiter in Deutschland unterzutauchen und Anfang der 1950er – wie viele andere Kriegsverbrecher – auf der sogenannten Rattenlinie nach Argentinien zu fliehen. Dort spürte ihn der israelische Geheimdienst auf, nicht zuletzt dank der Hinweise von Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, der 1963 in Frankfurt die Auschwitz Prozesse in Gang brachte. Im Mai 1960 kidnappte der Mossad den Kriegsverbrecher , 11 Monate später saß Eichmann in einem Glaskasten im Jerusalemer Bezirksgericht und versuchte sich vergeblich sich auf Befehlsgehorsam rauszureden: "Meine Schuld ist mein Gehorsam", beteuerte Eichmann noch vor der Urteilsverkündung. Tod durch Strang lautete am 15. Dezember 1961 das Urteil des Jerusalemer Gerichts. Vollstreckt wurde es 1962, in der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni.

Im "alpha-thema Gespräch: Der Eichmann-Prozess" am Sonntag, 11. April um 20.15 Uhr in ARD-alpha diskutiert Moderator Andreas Bönte mit der Historikerin Annette Weinke und dem Historiker und Publizisten Michael Wolffsohn über die Frage nach Legalität und Legitimität des spektakulären Gerichtsverfahrens, über seine Protagonisten, Berichterstatter und die Wirkung, die dieser Prozess bis heute noch hat.