Schwarze Adler Rassismus im Fussball

Der deutsche Fußball ist schon lange nicht mehr weiß. Der Dokumentarfilm "Schwarze Adler" erzählt die Geschichte der PoC-Kicker - und die ihrer Diskriminierung.

Von: Christoph Leibold

Stand: 15.04.2021

Schwarze Adler | Bild: Broadview Pictures

Gut ein Jahrzehnt ist es her, dass der Deutsche Fußballbund bei Sommermärchen-Regisseur Sönke Wortmann einen Image-Spot in Auftrag gab, der die Herkunftsvielfalt der Nationalelf feierte. Zu sehen waren Menschen aus aller Welt versammelt um einen Grill mit Bratwürsten neben Shish Kebab, dazu Kartoffelsalat und Couscous – die Eltern der Spieler mit dem Adler auf der Trikot-Brust. Wenig später wurde das DFB-Team Weltmeister. Der türkischstämmige Mezut Özil spielte seine tödlichen Pässe. Im Mittelfeld rackerte Sami Khedira, dessen Vater Tunesier ist. Und im Finale sicherte Jérôme Boateng, Sohn eines Ghanaers, als bester Mann auf dem Platz Deutschland mit sensationeller Abwehrleistung den Titel. Eine colorblind gecastete Kickertruppe verzückte die Nation. Der Fußball als Vorbild für die Gesellschaft, ja vielleicht sogar als deren Spiegel? Schön wär’s. Und klar, es hat sich ja auch was verändert. Dreieinhalb Jahrzehnte vorher sah das ganz anders aus, als Erwin Kostedde im Dezember 1974 sein Länderspieldebüt gab.

Hass und Anfeindungen im Stadion

Erwin Kostedde konnte in der Nationalmannschaft angesichts der unverhohlenen Feindseligkeit vieler Fans nie an seine Vereinsleistungen anknüpfen. Er brachte es auf nur drei DFB-Einsätze; Jimmy Hartwig, auch er Sohn eines GIs, ein paar Jahre später sogar nur auf zwei, obwohl einer der besten Mittelfeldspieler seiner Zeit. Und es dauerte bis 2001, ehe mit dem in Ghana geborenen Gerald Asamoah endlich ein dunkelhäutiger Spieler eine Karriere in der Nationalelf startete, die sich auch als solche bezeichnen lässt. Doch sogar als Teil des gefeierten Sommermärchen-Teams von 2006 blieb Asamoah nie von rassistischen Beschimpfungen im Liga-Alltag verschont.

Gerald Asamoah, Erwin Kostedde, Jimmy Hartwig und viele mehr – sie alle kommen in der Doku von Torsten Körner zu Wort – und für die Frauen Weltmeisterin Steffi Jones oder die Jamaikanerin Beverly Ranger, die 1975 das Tor des Monats schoss. Regisseur Körner verschneidet Interview-Töne mit Archivmaterial und verkneift sich Kommentare aus dem Off. Die vermisst man auch gar nicht. Die Fülle der verstörenden Erfahrungen in der Vielstimmigkeit der "Schwarzen Adler", die hier zu Wort kommen, spricht für sich. Es ist ein ernüchterndes Bild, das sich zusammensetzt und über das weder der bullerbüh-romantische "Más Integración!"-Spot des DFB noch der WM-Erfolg von 2014 hinwegtäuschen können. Keine zwei Jahre nach dem Endspiel von Rio etwa sagte der AfD-Politiker Alexander Gauland über Finalheld Boateng, die Leute fänden ihn als Fußballspieler gut, aber sie wollten einen Boateng nicht als Nachbarn haben.

Rassismus kein Problem?

Körner thematisiert nämlich vor allem den erschreckenden offensichtlichen Rassismus, der in unserer Gesellschaft wie im Fußball noch immer präsent ist. Einem Großteil des Publikums dürfte es leichtfallen, sich davon zu distanzieren. Nur gelegentlich kommt die Doku auf den strukturellen Rassismus zu sprechen, über den allzu gern hinweggesehen wird, wie ihn aber etwa der Deutsch-Ghanaer Otto Addo nach wie vor beobachtet. Menschenverachtenden Ausfälle auf der Tribüne sind nur die Spitze des gesellschaftlichen Eisberges.

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SCHWARZE ADLER | Trailer Deutsch German | Amazon Prime | #Rassismus | Bild: Filmlounge (via YouTube)

SCHWARZE ADLER | Trailer Deutsch German | Amazon Prime | #Rassismus

In "Schwarze Adler" sind es einmal mehr People of Colour, die die weiße Dominanzgesellschaft daran erinnern, dass Rassismus kein Problem von gestern ist, sondern ein tiefsitzendes, noch immer gegenwärtiges. Dass derlei Aufklärung immer noch vonnöten ist, untermauert die Wichtigkeit dieses Films. Sollte nur ja niemand glauben, es beträfe ihn nicht, nur weil er nicht bei den Hooligans in der Fankurve steht, die dunkelhäutige Spieler mit Affenlauten verhöhnen oder Bananen bewerfen.

"Schwarze Adler" ist jetzt auf Amazon Prime abrufbar und ab dem 15. Juni in der ZDF Mediathek.