München ohne Oktoberfest Phantomschmerz oder klammheimliche Freude?

Normalerweise läge jetzt schon eine Mischung aus Zuckerwatte und Steckerlfisch-Duft in der Luft. Koa Wiesn in diesem Jahr – eine gute Gelegenheit für einen Blick zurück im Zorn.

Von: Martin Zeyn

Stand: 18.09.2020

Aus der Sendung "Zwischen Dorfplatz und Theresienwiese (Volksfeste in Bayern)" | Bild: BR/Natasha-I. Heuse

Das Oktoberfest fällt aus. Bei mir hält sich der Phantomschmerz in Grenzen. Warum? Na ja, weil das größte Volksfest der Welt mit Alkohol verbunden ist – und der bringt nicht immer die besten Seiten der Menschen hervor. Trotzdem, auch mir fehlt etwas. Am Eröffnungssamstag kurz vor 12.00 Uhr fand ich die Wiesn immer toll, draußen auf einer Bierbank, neben mir – noch nicht stockbesoffene – Neuseeländer und Spanier und eine Atmosphäre der Aufgeregtheit, wie ich sie sonst nur vor der weihnachtlichen Bescherung bei kleinen Kindern kenne.

Facebook-Vorschau - es werden keine Daten von Facebook geladen.

Capriccio

Was wir von der Wiesn lernen könnenEs ist wieder Wiesn-Zeit! Eine Sache können wir uns auf jeden Fall von ihr abschauen, meint unser Autor Martin Zeyn:Gepostet von Capriccio am Samstag, 22. September 2018

Aber nach einer Woche hat mich die Wiesn nur genervt. Kotze, keine Parkplätze, grölende Männerhorden mitten in der Nacht, sodass ich immer froh war, wenn meine in die Wiesn verliebten Töchter endlich nach Hause kamen. Mit meiner zwiespältigen Beziehung zur Wiesn stehe ich offenbar nicht allein – wie ein Tweet der Kolleg*innen von Quer zeigt:

Tweet-Vorschau - es werden keine Daten von Twitter geladen.

BR_quer 21.04.2020 | 09:11 Uhr 10 Dinge, die München diesen Herbst vermissen wird: 1. Kotze in der S-Bahn 2. Kotze in der U-Bahn 3. Kotze im Bus 4. Über 11 € für einen Liter Bier bezahlen 5. Besoffene nachts unter dem Balkon 6. Bierleichen auf diversen Hügeln (1/2) #Oktoberfest #Wiesn

Und kurze Erinnerung an all diejenigen, die der Wiesn hinterhertrauern: Zuviel Bier – 2018 wurde gerade mal eine Stunde nach dem Anstich die erste Bierleiche ins Krankenhaus gefahren – macht jedes Fest kaputt:

Facebook-Vorschau - es werden keine Daten von Facebook geladen.

Capriccio

Eine Zuagroaste im Wiesn-WahnsinnDas Oktoberfest aus Sicht eines Preißn-Madls: Ein Kommentar unserer Autorin Katja Engelhardt zu Dirndl-Unsinn und Kotzhügel.Gepostet von Capriccio am Sonntag, 30. September 2018

Und ja, natürlich habe ich schöne Wiesn-Erinnerungen. An schon fast sommerlich warme Abende, die wie von Zauberhand alle Aggressivität, um irgendwie noch irgendwo reinzukommen, verschwinden ließen. Plötzlich war es möglich, einfach über die Theresienwiese zu schlendern – und tausende von Besucher*innen machten genau das: sich einfach zu freuen, unter vielen Menschen zu sein. Oder der letzte Sonntag bei schlechtem Wetter – eine Abbruchstimmung und das wohltuende Gefühl, es auch dieses Jahr ohne Maßkrug auf dem Schädel überstanden zu haben. Da kam sogar bei mir ein Hauch von Wehmut auf, dass es schon wieder vorbei war, das große Fest, das München jedes Jahr umkrempelt.