Impfstreit: Australien annulliert endgültig Djokovics Visum Keine Sonderrechte für den Sport

Tennis-Star Novak Djokovic darf nicht an den Australian Open teilnehmen und muss Australian verlassen. Sein Einspruch dagegen bleibt ohne Erfolg, jetzt sitzt er im Flugzeug Richtung Dubai. Richtig so, sagt Martin Zeyn. Vor dem Gesetz sind alle gleich – auch die Supersportler.

Von: Martin Zeyn

Stand: 17.01.2022

Novak Djokovic bereitet sich in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate darauf vor, seinen Platz im Flugzeug nach Belgrad einzunehmen. | Bild: dpa-Bildfunk/Darko Bandic

11 Tage. So lang zog es sich hin, bis klar war: Novak Djokovic muss Australien verlassen und darf nicht bei den Australien Open spielen. Die Regierung des Landes hat deutlich gemacht: Die Gesetze gelten für alle. Auch für Spitzensportler. Eine zutiefst demokratische Entscheidung. Denn hier gilt: Alle Bürger sind gleich.

Dabei steht keine sportliche Frage im Vordergrund, sondern eine, wie die Pandemie am besten zu bekämpfen ist. Australien hat eine erfolgreiche No-Covid-Strategie. Ein Grundpfeiler: strikte Einreisebeschränkungen. Keine infizierten Personen sollen ins Land. Das gilt für alle – Ausländer wie Inländer. Auch für Sportlerinnen und Sportler. Und damit sollte Australien ein Vorbild für die Welt sein.

Australien behandelt alle gleich

Denn sonst nehmen sich viele Sportler und Funktionäre Sonderrechte heraus. Im Februar 2021 spielte der FC Bayern in Doha – während daheim ein strenger Lockdown herrschte. Und keineswegs ging die Mannschaft danach am Flughafen München in eine zweiwöchige Quarantäne. Während der EM setzte dann die UEFA durch, dass ihre Funktionäre auch ohne Quarantäne zu den Spielen nach London reisen durften.

Australien hingegen handelt nach einem urdemokratischen Grundsatz: Alle Menschen sind gleich. Einreisen darf jeder, der zweifach geimpft ist. Djokovic verweigerte eine Aussage darüber – bis zur Gerichtsverhandlung, da gab er an, umgeimpft zu sein. Sein Antrag auf eine Sondergenehmigung wurde im Vorfeld seiner Einreise geprüft – so wie bei allen anonym von einer Kommission. Und nachdem diese Sondergenehmigung erteilt worden war, kamen die Grenzbeamten bei der Einreise zum Ergebnis, dass er keine der Gründe für eine Ausnahmeregel erfüllt, also etwa eine Corona-Infektion in den letzten Monaten oder eine schwere Operation, die eine Impfung unmöglich machte.

Djokovics Anwälte hatten nachträglich Unterlagen über einen positiven PCR-Test vom 16. Dezember 2021 vorgelegt. Allerdings scheint sich der Tennisspieler dann keiner Quarantäne unterzogen zu haben, denn schon am 17. traf er sich mit jungen serbischen Tennisspielern – ohne eine Maske zu tragen. Ein Verhalten, das viele Fragen aufwirft – etwa, warum er diesen Test nicht schon bei der Einreise vorgelegt hat.

Rechte, aber auch Pflichten für alle, die Infektionen niedrig zu halten

Der Weltranglisten-Erste hat zweimal gegen die verweigerte Einreise geklagt. Das ist sein gutes Recht. Wie es das von Australien ist, darauf zu bestehen, dass es seine eigene Bevölkerung schützen will. Es gibt zwei effektive Maßnahmen, die Ausbreitung von Corona einzudämmen: eine Impfung und harte Kontaktbeschränkungen. Es steht jedem Menschen frei, sich gegen eine Impfung auszusprechen. Gute Gründe dafür gibt es allerdings nicht – wie alle relevanten Studien bestätigen. Trotzdem gilt in Demokratien das Recht auf die Unverletzlichkeit der Person. Aber eben nicht einseitig. Wer glaubt, sich durch eine Impfung zu gefährden, bekommt damit nicht das Recht, sich so zu verhalten wie ein Geimpfter. Er muss den Schutz der Mitmenschen anders umsetzen: durch eine konsequente Vermeidung sämtlicher Kontakte. Corona ist eine Infektionskrankheit – das heißt, man kann sie nicht durch das Leugnen bekämpfen. Und nicht durch das Einfordern von Sonderregeln.

Egoismus oder Gemeinschaft

Es steht Novak Djokovic frei, sich nicht impfen zu lassen. Aber dann muss er auch die Konsequenzen tragen und so wenig Kontakte wie möglich haben. D.h. nicht spielen und keine Hände schütteln, solange die Pandemie andauert. Nur weil er der Weltranglistenerste ist, entscheidet nicht er, ob er die Bedingungen der Einreise erfüllt. Es gelten Gesetze. Auch für Spitzensportler. Gleichbehandlung ist ein kultureller Kitt, nur mit ihm können wir als Gemeinschaft handeln – über Einzelinteressen hinweg. Dass Australien diesen zentralen Rechtsgrundsatz durchgesetzt hat, ist eine Sternstunde der Demokratie.