Fluchen auf Netflix Nicolas Cage feiert die Geschichte von Schimpfwörten

Schimpfen als Sprachkunst: Den Reichtum des englischen Fluch-Wortschatzes erkundet die neue Netflixserie "A History of Swear Words" mit US-Schauspieler Nicolas Cage. Verflucht gut, sagt Hendrik Heinze.

Von: Hendrik Heinze

Stand: 11.01.2021 | Archiv

nicolas cage im studierzimmer vor kamin mit buch. kulisse der serie a history of swear words | Bild: Courtesy of Netflix / 2020

Da steht also der Gentleman Nicolas Cage, diese phänomenale Fachkraft für sowohl Durchtriebenes als auch Übertriebenes und sagt: "Welcome bitches, to the history of swear words". Steht da in einem "Studier"-Zimmer, als habe soeben er mit seinem Federkiel den letzten Strich am Drehbuch getan, rückt den Herrenanzug zurecht, streicht sich über den schwarzgelackten Vollbart –  und holt tief Luft: "Fuuuuuck!"

Ja, das beginnt vielversprechend. Und geht heiter weiter. In sechs Zwanzigminütern präsentiert uns der durchtriebene Gentleman Cage seine Schimpfwörter, ihre Geschichte, ihre Verwendung. Die Folgen heißen "Fuck", "Shit", "Bitch", "Dick", "Pussy" und "Damn". Referenz-Universum: Die US-Popkultur. Die obligatorische Piepstaste, wenn irgendwo einer schimpft oder flucht. Die Warnsticker auf Musikalben, besonders bei schwarzen Künstlern. Denen hat man viel zu verdanken. Denn früher hieß es Scheiße und war tabu. Heute ist es oft: DER heiße Scheiß. Ein Sprachgebrauch, den es ohne Hip Hop, ohne black culture nicht gäbe, sagt Cage.

Und natürlich arbeitet sich diese schöne Serie auch ab an Hollywoods berühmter Schimpfwort-Kontrolle. Soll ein Film für 13-Jährige freigegeben sein, dann darf in ihm nur einmal "Fuck" gesagt werden. Ein Vorschlag der Schauspielerin Sarah Silverman bei den Dreharbeiten zur Musikkomödie "School of Rock". Das eine erlaubte "Fuck" könne man sich doch aufsparen und es dann am Ende mit allen zusammen brüllen. Damals leider abgelehnt.

Bekannte Machart zum schnellen Wegschauen

Erzählt wird all das in einer Dramaturgie, wie sie bei uns die Privatsender mögen. Die Produzenten haben sich eine Handvoll Comedians gesucht und eine zweite Handvoll Expertinnen, die nun immer abwechselnd und aufeinander geschnitten erzählen, was ihnen so einfällt. Anekdote, Erklärtext, guter Witz, Erklärtext, mittelguter Witz, Einspielfilmchen, Nicolas Cage, und das Ganze wieder von vorn. Das lässt sich wunderbar wegschauen, die Lexikografin erklärt die Wortherkunft, der Kulturkritiker ordnet ein, die Comedians kümmern sich um die Gags.

Comedians aus dem Netflix-Kosmos

"Fuck" ist für Nikki Glaser z.B. der Tom Hanks der Schimpfwörter. Glaser flucht und lacht in der Serie so engagiert mit wie Sarah Silverman, DeRay Davis oder Jim Jefferies, allesamt Comedians aus dem Netflix-Kosmos. Auch bei einem Experiment machen sie mit. Wer flucht, ist stärker, heißt es, hält Schmerzen besser aus. Und da stehen sie also mit einer Hand im Eiswasser und einer Stoppuhr und schimpfen vor sich hin.

Shit Shit Shit, immer wieder Shit. Dazu Fuck, Damn – die Verwünschung, Bitch – die frauenfeindliche Beleidigung. Pussy und Dick. Ja, wir Deutschen fluchen anders, aber darum geht’s hier nicht – oder halt, doch: Einmal ganz kurz. Isiah Whitlock hält das Schmipfwort "Arschgeige" für besonders kultiviert. Typisch deutsch eben.

Verfickt fröhliche Oberfläche

"The History of Swear Words", das ist der verfickt fröhliche Bootsausflug an der Oberfläche und nicht der Tauchgang in der Tiefsee. Was nicht heißen soll, dass man hier nichts für sich findet, überhaupt nicht. Den ein oder anderen dieser fröhlichen Comedians will man sich dann doch mal später anschauen. Und die schwarze Bluessängerin Lucille Bogan, die schon vor fast 100 Jahren so freiherzige Lieder wie "Till the cows come home" sang, die merkt man sich auch.

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Nicolas Cage’s Favorite Swear Word Is Someone’s Name | History of Swear Words | Bild: Netflix Is A Joke (via YouTube)

Nicolas Cage’s Favorite Swear Word Is Someone’s Name | History of Swear Words