Cemile Sahin: "Taxi" Residenztheater startet Podcast-Lesereihe

Ziemlich raffiniert: In "Taxi" von Cemile Sahin macht eine Mutter den im Krieg gefallenen Sohn durch eine TV-Staffel wieder lebendig. Das Residenztheater hat das gefeierte Romandebüt als Podcast-Reihe inszeniert, mit glänzender Besetzung.

Von: Andrea Mühlberger

Stand: 12.04.2021

Porträt einer jungen Frau  | Bild: Korbinian Verlag / Paul Niedermayer

Eine Mutter, die ihren Sohn im Krieg verliert. Bei einer Bombenexplosion, im kaukasischen Grenzgebiet, heißt es. Aber ist Polat Kaplan wirklich tot? Seine Leiche wird nie gefunden, was die Hinterbliebene Rosa Kaplan veranlasst, den sinnlosen Tod ihres Sohnes in Frage zu stellen, trotz Begräbnis mit militärischen Ehren – die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Frei nach diesem Motto beginnt Rosa Kaplan in Cemile Sahins hoch gelobtem Debüt-Roman "Taxi" an der Realität zu schrauben.

Drehbuch für ein besseres Leben

Inspiriert von amerikanischen Serien-Formaten schreibt sie das Drehbuch ihres Lebens kurzerhand um, lässt ihren verschollenen Sohn in zwei Staffeln und zwölf Episoden wiederauferstehen. Die verzweifelte Mutter engagiert sogar einen Laiendarsteller, der in der Serie den Kriegsheimkehrer spielt, von Polat Kaplans Erlebnissen berichtet und von seinen Schwierigkeiten, als Ex-Soldat wieder im Alltag anzukommen. Die andere Hauptrolle in ihrem Drehbuch zu ihrem besseren und general sanierten Leben übernimmt Mutter Kaplan gleich selbst. Bis das ganze Serienkonstrukt aus dem Ruder läuft...

"Ich habe die Geschichte nicht akzeptiert, doch leide ich unter der Reihenfolge der Dinge, die passiert sind. Denn die Zukunft verändert die Reihenfolge nicht. Ich kann sie nur verändern, wenn ich die Geschichte aus der Vergangenheit heraus neu erzähle."

Autorin Cemile Sahin

In "Taxi" jongliert die deutsch-kurdische Autorin, Filmemacherin und Künstlerin Cemile Sahin (geb.1990) kunstvoll-verwirrend und oft auch amüsant mit Erzählebenen, Perspektiven und Mitteln der Seriendramaturgie. Und ihr gefeiertes Debüt funktioniert nicht nur als Roman. Es bietet sich geradezu an für eine Umsetzung als mehrteiliger Podcast.

Mit den bekannten Stimmen von Cathrin Störmer und Robert Dölle

Das Münchner Residenztheater bringt "Taxi" von Cemile Sahin jetzt als 16-teilige Reihe heraus, mit den bekannten Stimmen von Cathrin Störmer (als Rosa Kaplan) und Robert Dölle (als Kriegsheimkehrer Polat Kaplan) in den Hauptrollen. Von Dienstag, 13. April, an kommt täglich um 18.30 Uhr eine neue Folge heraus – kostenlos abspielbar auf der Internetseite des Residenztheaters.