Neues Volkstheater München eröffnet Jetzt geht's los!

Endlich ein eigenes Haus fürs Münchner Volkstheater! Nach Jahrzehnten in einer ehemaligen Turnhalle hat das beliebteste Theater in München nun ein angemessenes Zuhause. Ein Rundgang mit Intendant Christian Stückl.

Von: Simon Emmerlich

Stand: 15.10.2021

Ein Backsteinbau | Bild: dpa-Bildfunk/Peter Kneffel

Die Menschen in Münchner reiben sich die Augen, denn im Süden der Stadt ist gerade ein Wunder geschehen: Ein öffentliches Großprojekt ohne bodenlose Kostenexplosion. Und pünktlich fertig ist es auch. Die neuen Nachbarn sind Großmetzgereien und Messerschleifer. Das erdet, berichtet Volkstheater-Intendant Christian Stückl: "Der Geruch ist extrem. Man hat manchmal das Gefühl: Mach alle Fenster zu, ja nicht lüften, es ist Schlachtung und heute riecht man es total. Man merkt, man ist inmitten eines Viertels, wo viel Fleisch entsteht."

Kosten: schmale 130 Millionen

Gleich ist Abnahme mit der Protokollstelle des Oberbürgermeisters. Wer sitzt wo bei der Premiere? Stückl steht unter Strom. Aber er zeigt es uns natürlich schnell, sein neues Theater. Drei Bühnen mit Platz für 900 Gäste. Die Kosten sind vergleichsweise überschaubare 130 Millionen. Außen schlichter Backstein, innen "klassische" Leichtigkeit. Und viel Platz: "Wir haben manchmal fast zu wenig Leute für die großen Werkstätten, die wir jetzt haben. Ich entdecke immer nochmal noch einen Raum, einen Gang im Theater, wo ich sagen kann, wir haben dreihundert Räume. Meinen Lieblingsraum habe ich noch nicht gefunden."

Mit der Pandemie kamen Zweifel

Der Motor der Maschinerie. Stückl überzeugte den Stadtrat vom Neubau im Schlachthofviertel. Mitten in die Bauzeit platzte die Pandemie: Es folgten Spielverbote und Zweifel. Die politische Botschaft: Systemrelevant seid ihr nicht! "Es geht wahrscheinlich vieles ohne alles", sagt Stückl. "Wir brauchen keine Kirchen hat man gesehen. Wir brauchen keine Theater, hat man gesehen. Und wie langweilig wird dann das Leben.“

Das alte Volkstheater war permanente Improvisation. Räume von sieben verschiedenen Vermietern. Die Kulissen mussten täglich angeliefert werden aus Containerlagern außerhalb der Stadt. Jetzt ist alles ein bisschen größer: "Eines, was auffällig ist: wie viele Gänge das Haus hat.“

Talentschmiede der Stadt

Das Volkstheater war immer die Talentschmiede der Stadt. Mit großem Vertrauen in den Nachwuchs. Das soll auch so bleiben, wenn es nach Stückl geht: "Ich glaube, dass man als Intendant nicht alles total im Griff haben muss. Man muss es am Ende im Griff haben, aber es dürfen ganz eigene Sachen entstehen. Und ich kann es noch nicht einmal interpretieren, ich habe noch keine Probe gesehen."

Die Programmatik entsteht von selbst

Zur Eröffnung inszeniert der Chef Stückl "Edward II.". Ein schwuler König im englischen Mittelalter. Warum nicht!? "Ich bin schon hundertmal gefragt worden: Warum das Stück? Was ist da programmatisch am Anfang? Da habe ich gesagt, wir machen einfach Stücke, wo wir das Gefühl haben, wir sind nah an der Zeit dran. Und wir versuchen uns zu beschäftigen mit unserer Zeit, aber wir lassen uns keinen Druck machen, dass man sagt, das ist programmatisch, für dieses Haus müssen wir jetzt was ganz Neues entwickeln. Ich glaube, das entsteht von selber."

Die zweite Premiere: "Unser Fleisch, unser Blut", eine vielstimmige Recherche im Schlachthofviertel. Mit Veganern, Biobauern und Metzgern. "Es soll kein Abend gegen die Schlachter sein, sondern mit den Schlachtern. Aber wo es da genau hinläuft, das werde ich jetzt selber bei einer der Proben in den nächsten Tagen sehen." Um es im Stil eines gestandenen Passionsspielleiters zu sagen: “Kommt und seht!”

Das neue Volkstheater München eröffnet am Freitag 15. Oktober mit der Inszenierung "Edward II." und einem Konzert der Band "Granada". Mehr Informationen gibt es hier.