Münchner Musiksommer 2020 Diese Konzerte finden trotz Pandemie statt

Abstandsregeln, Dokumentationspflicht, beschränkte Besucherzahlen: Trotzdem geht wieder was in Sachen Livemusik in München. Es entstehen neue Partyareale und im Sommer locken kostenlose Open Airs – aber nur, wenn man schnell ist.

Von: Bernhard Jugel

Stand: 30.07.2020

Der Samstag beim PULS Open Air 2018 | Bild: BR

Hans-Georg Stocker, Betreiber des Münchner Clubareals Backstage, steht vor einem schmucklosen Asphaltareal zwischen Bahngleisen und einer Lagerhalle. Er beschreibt, wo der neue Eventbereich entstehen soll, die Arena Süd: eine knapp 900 Quadratmeter große Fläche auf einem ehemaligen Ladehof. Ein Zeltdach steht schon, Seitenwände gibt es nicht. Konzerte in geschlossenen Räumen lohnen sich für ihn im Moment nicht, wegen der limitierten Besucherzahl in geschlossenen Räumen, sagt er: "Hier hat man halt so eine Mischung von drinnen und draußen, eine bespielbare Freifläche für derzeit 400 Leute, wo Konzerte, Kabarett, Kleinkunst stattfinden kann."

Am Programm für seine neue Arena Süd arbeitet Stocker grade – er will sie aber nicht allein betreiben, sondern auch andere Münchner Veranstalter mit ins Boot holen. Er ist sich sicher: Der Bedarf an Musikveranstaltungen ist da. Und wer zum Beispiel an der Isar junge Leute fragt, was ihnen kulturell in den letzten Monaten am meisten gefehlt hat, bekommt als Antwort: Konzerte, Kino, Club-Besuche und immer wieder Festivals, Festivals, Festivals.

Es gibt wieder Live-Konzerte in München

Helge Schneider - immer eine gute Wahl.

Zwar sind Festivals bis auf weiteres untersagt, aber die Musik kehrt jetzt wieder zurück in die Stadt. Till Hoffmann von Eulenspiegel Concerts war der erste, der sich mit dem Innenhof des Deutschen Museums einen idealen Veranstaltungsort ausgeguckt hat und schon seit Anfang Juli und noch bis Mitte September Kabarettabende und Konzerte veranstaltet – präsentiert von Bayern2. Im Programm gibt es mit Helge Schneider, Willy Michl, der Spider Murphy Gang und dem Nino aus Wien viele musikalische Highlights.

Auch die Theresienwiese wird demnächst live beschallt. Unter dem Motto Kunst im Quadrat gibt es in der ersten Augusthälfte auf einer Fläche von 50 mal 50 Metern ein buntes Musikprogramm. Umsonst und draußen werden sich dabei Pop und HipHop, Klassik und Elektronik, Liedermacher und Blasmusik abwechseln. Dahinter steckt ein Zusammenschluss Münchner Kulturinitiativen.

"Sommer in der Stadt" – Musik umsonst und draußen

Und nicht zuletzt sind auch bei dem vom Kulturreferat München ausgerufenen "Sommer in der Stadt" viele Konzerte geplant. Stattfinden sollen sie auf einer Wanderbühne, die von Stadtteil zu Stadtteil zieht, außerdem auf fest installierten Bühnen am Gasteig und im Innenhof des Deutschen Teaters und – der prominenteste Standort – im Olympiastadion. Dort kuratieren Dani Kufler und Christian Kiesler vom Verband der Münchner Kulturveranstalter das Programm. "Wir werden beim Eingang Nord im Olympiastadion, also oben im Umlauf, beim überdachten Teil, eine Bühne stehen haben und mit 400 Personen bestuhlt mit den entsprechenden Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen ab dem 01. August jeden Abend Livekonzerte veranstalten", erklärt Dani Kufler. Und Christian Kiesler ergänzt: “Wir standen da heute, und es ist eine unglaubliche Kulisse. Für mich als Veranstalter ist das tatsächlich ein Gänsehautmoment gewesen - und ich glaube, das wird ganz vielen Münchner Künstlern auch so gehen."

So nah wird das Publikum der Schlachhofbronx nicht kommen dürfen - aber die Stimmung dürfte ähnliches Eskalationspotenzial erreichen.

Pam Pam Ida, Django 3000, Bernadette La Hengst, Zugezogen Maskulin, FSK, G.Rag y los Hermanos Pachekos oder Schlachthofbronx gehören zu den Künstlern, die auf der Sommerbühne im Olympiastadion auftreten werden. Der Eintritt ist frei, aber die Veranstaltung versteht sich dennoch als Unterstützung der notleidenden Kulturszene, betont Marek Wiechers, Stellvertreter des Münchner Kulturreferenten: "Bei der Gestaltung des Programms, bei der Beantragung der Mittel und der Kalkulation war es uns außerordentlich wichtig, dass diejenigen, die dort Technik aufbauen, die Beleuchtung machen, den Ton machen, und natürlich auch die Künstlerinnen und Künstler, die auftreten, ein auskömmliches Honorar erhalten. Das ist im Budget vorgesehen und das ist auch gerechtfertigt, aus kulturpolitischer und auch sonst in jeder Hinsicht."

Trotz des freien Eintritts sollen sich Zuschauer aber vorm Konzert eine Eintrittskarte besorgen, empfiehlt Kurator Christian Kiesler. Wegen der mit den Hygieneregeln verbundenen Dokumentationspflicht wickle man das über München Ticket ab. Wer sich vorher ein Ticket besorge, könne außerdem sicher sein, auch reinzukommen ins Olympiastadion. Denn für die ersten Veranstaltungen sind die 400 Karten pro Konzert schon weg.