Romantische Tree Hugger So viel Natur steckt in der Musik von Dreiviertelblut

Er ist ein romantischer "tree hugger", sagt Sebastian Horn von Dreiviertelblut. Wie die bayerische Band sich von Bäumen, Wiesen und Bienen inspirieren lässt, zeigt die Doku "Weltraumtouristen" von Marcus H. Rosenmüller.

Von: Agnes Popp

Stand: 24.07.2020

Dreiviertelblut | Bild: Eulenspiegel Concerts

"Ich bin fest davon überzeugt, dass jegliche Kunst schon existiert, irgendwo. Man muss das nur ‚absaugen‘ und je nachdem, wie gut dein Radio eingestellt ist, umso besser kannst du’s empfangen."

In der Vorstellung von Dreiviertelblut-Sänger Sebastian Horn funktioniert das Gehirn wie ein Radioempfänger: anstelle von Funksignalen empfängt es kreative Impulse. In der Doku "Weltraumtouristen" von Marcus H. Rosenmüller treffen sich der philosophierende Sebastian Horn und sein Bandkollege Gerd Baumann tief im Wald, in einem abgelegenen Stadl, und treiben ihren Handel mit der Vergänglichkeit. Die Musik-Doku, gefilmt in Schwarz-Weiß, kombiniert Naturaufnahmen mit hintersinnigen Gesprächen und Live-Eindrücken eines Dreiviertelblut-Konzertes mit den Münchner Symphonikern.

Dreiviertelblut, das sind vor allem ihre beiden Gründer: Sänger Sebastian Horn (Bananafishbones) und Gerd Baumann, der die Songs für die Band komponiert. Zwei Musiker, die ihr urbayerisches Lebensgefühl mit dem universellen Ganzen verweben. Die Lieder sind in bayerischem Dialekt geschrieben. "Mia san ned nur mia": Dieser Songtitel bringt ihr musikalisches und menschliches Selbstverständnis auf den Punkt.

Vom "Kunst-Absaugen" und Bäume-Umarmen

Die Idee zum Dokumentarfilm über die bayerische Band hatte Marcus H. Rosenmüller schon vor rund fünf Jahren. Damals fingen er und Co-Regisseur und Kameramann Johannes Kaltenhauser an, die Band mit der Kamera zu begleiten. Rosenmüller oder "der Rosi", wie Sebastian Horn den Filmemacher nennt, habe sich über das Projekt besonders gefreut. Denn im Gegensatz zu seinen kommerzielleren Filmen sei er dabei "an nichts gebunden gewesen außer an seine Liebe zum Projekt."

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Trailer zur Doku "Dreiviertelblut-Weltraumtouristen"

Ähnlich sind auch die Musiker von Dreiviertelblut von Leidenschaft angetrieben. Der Name der Band leitet sich angeblich davon ab, dass sie ihre Lieder mit Herzblut schreiben und den Dreivierteltakt bevorzugen. Die besten Ideen kommen Sebastian Horn, dem "Kunst-Absauger", in der Natur. Er bezeichnet sich selbst als "romantischen tree hugger": "Wenn ich einen fetten Ahornbaum seh – ich kenn ja meine Bäume hier – dann bleib ich schon mal stehen und umarm den herzlichst und lehn meinen Kopf dagegen."

"Geht's raus! Es reicht schon 'ne Wiese, in die man sich setzt."

In der Doku wie in den Liedern von Dreiviertelblut geht es auch um nichts weniger als den Schutz unseres Planeten vor der Zerstörung durch den Menschen. Die Musiker von Dreiviertelblut sehen sich selbst, wie schon der Titel des Film andeutet, als "Weltraum-Touristen". Das passt deshalb so gut, findet Sebastian Horn, weil: "Bei ganz vielen Liedern von uns geht es darum, den Blick auf unseren Planeten von außen, also aus dem Weltenraum, hinzuwenden. Und dann zu merken: ‚So eine Einzigartigkeit, so eine Schönheit!'"

Eigentlich stecke in allen Songs, die sich "gegen den Krieg, gegen die Zerstörung" richten, auch ein wenig der Spirit der Love-and-Peace-Bewegung, verrät Horn. "Wir sind so eine Grufti-Hippie-Band." Gerade in diesen Zeiten, in denen das Leben eingeschränkt ist, sei die Natur umso wichtiger. "Ich kann nur allen empfehlen in dieser corona-verpesteten Zeit: Geht’s raus! Es reicht schon ‘ne Wiese, in die man sich setzt, und guckt: Was krabbelt da, was blüht da, was ist da."

Der Film startet am 6. August im Open Air Kino „Am Stoa“ in Wasserburg am Inn.