GEMEINSAM LAUTER: Altes Spital Viechtach "Seit September sitze ich wieder im Winterschlaf"

Stand: 24.02.2021 | Archiv

Wenn einem nach und nach das Programm des Jahres wegbricht, ist das für Menschen in der Musik- und Veranstaltungsbranche extrem hart. Die Münchner Band Ströme und der Betreiber des Alten Spitals in Viechtach Olli Zilk können dem Lockdown trotzdem etwas abgewinnen.

Die Ströme im Alten Spital in Viechtach | Bild: BR

Clubs on hold Altes Spital in Viechtach

Es ist nun wahrlich nicht typisch für Bayern, dass ein gottgeweihter Ort dem einem so weltlichen Vergnügen wie Livemusik und Drinks überlassen wird. Im niederbayerischen Viechtach jedoch ist es möglich. In der ehemaligen Kapelle eines historischen Spitals blicken die Marienbilder gütig auf die Gäste, die sich Abend für Abend im Alten Spital treffen. Also, normalerweise. Seit März 2020 schweift der wohlwollende Blick der Madonnen  nur noch durch einen leeren Raum. Club geht ja gerade nicht. Für Betreiber Olli Zilk war das erst mal ein Schock: "Wie geht es finanziell weiter, wie geht es mit dem Club weiter, was passiert mit der Kultur?"

Mir wurden sehr viele Orte für Veranstaltungen angeboten

Die anfängliche Unsicherheit wich bei Olli Zilk einem ungebremsten Tatendrang. Kultur drinnen geht nicht? Bitteschön, dann ziehen wir eben raus. Wozu haben wir den Bayerischen Wald? "Das hat hier im Wald super geklappt. Mir wurden sehr viele Orte für Veranstaltungen angeboten, teilweise von Privatpersonen, die mir ihren historischen Bauernhof für Konzerte angeboten haben. Man kommt in wunderschöne, atmosphärische Orte wie die Freilichtbühne in Bad Kötzing oder die Burgruine in Runding. Da finden zwar keine Konzerte mit gigantischen Lichtanlagen statt, dafür ist es gemütlich und hat Wohnzimmeratmosphäre im Freien."

Olli Zilk, Betreiber vom Alten Spital in Viechtach im Rahmen der GEMEINSAM LAUTER Initiative des BR | Bild: BR

Olli Zilke, Betreiber des Alten Spitals in Viechtach

Die vielen abgesagten Live-Auftritten haben auch Mario Schönhofer und Tobias Weber vom Elektronik-Duo Ströme hart getroffen: "Wir können unseren Beruf nicht so ausüben wie wir das gelernt haben. Das wäre so wie wenn man einem Schreiner sagen würde, du darfst nicht in die Werkstatt gehen" erzählt Tobias. Unter anderen Umständen spielen sie um die 100 Konzerte im Jahr. Da karren sie ihre riesigen Modulatoren an und bringen mit handgemachten Clubbeats hunderte von Leuten zum Tanzen. Ströme vermissen die Live-Auftritte, können den pandemiebedingten Hausarrest aber auch durchaus produktiv nutzen: "Viel Arbeit, die sonst immer liegen geblieben ist, die könne wir jetzt umsetzen, zum Beispiel schöne Studioprojekte mit verschiedenen Künstlern. Die Studioarbeit hat sich nicht verändert. Wir arbeiten zum Beispiel gerade mit LaBrassBanda zusammen oder an einem Ströme-Album" sagt Mario Schönhofer, dessen Sohn es im Moment sehr freut, seinen Papa am Wochenende nicht mit dem Konzertpublikum teilen zu müssen.

DJ-Sessions Ströme & Lea Achatz im Alten Spital, Viechtach

Ausblick Der Sommer macht Hoffnung

Ströme sind sich bewusst, dass sie sich in der privilegierten Situation befinden, finanziell nicht auf Live-Auftritte angewiesen zu sein und von der Erwerbstätigkeit in die richtigen Schablonen für staatliche Hilfe zu passen. Sie wissen, andere haben es da weitaus schwieriger.

Die Ströme im Alten Spital in Viechtach | Bild: BR

Die Ströme machen elektronische Live-Musik quasi handmade.

Auch Olli Zilk findet, ihn habe es als Veranstalter vergleichsweise gut getroffen. "Seit September sitze ich wieder im Winterschlaf", sagt er. Das heißt in seinem Fall allerdings alles andere als faules Rumlümmeln: "Ich habe meinen Club so aufrüsten können, dass wir mit einer Entlüftung auch unter Corona Konzerte veranstalten können." Der Blick auf den Sommer mache ihn außerdem Hoffnung: "Wenn man nur daheim ist, dann macht man eben, was man daheim machen kann und das ist Booken und das mache ich jetzt. Trotz der Unsicherheit."

Ein Blick auf die Facebook-Seite des alten Spitals verrät: da geht was! Ab Mai ist Programm in diversen Open-Air-Locations im Wald. Es kommen Künstlerinnen und Künstler aus dem Schwarzwald, aus Irland, Frankreich, Italien und den USA. Die Gäste können die Events jetzt schon buchen. Gegen eine Voranzahlung können sie jetzt schon anfangen, sich auf die ersten echten Konzerte 2021 zu freuen.

GEMEINSAM LAUTER WIR GEBEN BAYERNS MUSIKSZENE EINE STIMME

Keine Konzerte, keine Festivals, geschlossene Clubs: Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungsbranche besonders hart getroffen. Unzählige Beschäftigte in der Musik- und Kulturszene kämpfen seit Monaten um ihre Existenz.

Um auf die schwierige Situation während der Corona-Krise aufmerksam zu machen und der heimischen Kultur- und Musikszene eine Bühne zu bieten, schließen sich
PULS, BAYERN 3, Bayern 2 und die BR KulturBühne zur gemeinsamen Support-Initiative “GEMEINSAM LAUTER” zusammen.

Alle zwei Wochen präsentieren wir neue Künstler*innen, Live-Clubs, Betreiber*innen und Initiativen aus ganz Bayern in den BR Programmen. Lasst uns #GemeinsamLauter sein, damit es ohne die Kulturschaffenden nicht still wird!

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