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Digitale Museen "Raffael 500" für Zuhause

Inzwischen nutzen immer mehr deutsche Museen die Corona-Schließtage für eine Online-Offensive. Auch der 500. Todestag von Raffael wird mit Sonderaktionen bedacht. Drei Empfehlungen von Kunstexperte Stefan Mekiska.

Von: Stefan Mekiska

Stand: 15.04.2020

Museumsbesucher mit Handy vor der Sixtinischen Madonna | Bild: picture alliance/Matthias Rietschel/dpa-Zentralbild/ZB

Am 6. April vor 500 Jahren ist der bedeutende Renaissancemaler Raffael (eigentlich Raffaello Santi) genau an seinem 37. Geburtstag, der auch noch ein Karfreitag war, gestorben. Bis zum 19. Jahrhundert galt Raffael als der wichtigste Maler der Kunstgeschichte überhaupt. Damals moderne Künstlergruppen wie die deutschen „Nazarener“ oder die englischen „Pre-Raphaeliten“ orientierten sich am Stil des „sterblichen Gottes“ (so Künstlerbiograph Giorgio Vasari). Heute finden wir den Intellektuellen Leonardo da Vinci oder den kraftstrotzenden Michelangelo eigentlich interessanter. Der sanfte Raffael-Stil mit den allzu hübschen Madonnen wirkt auf viele inzwischen etwas süßlich. Trotzdem lassen sich die deutschen Museen während der Corona-Schließung natürlich nicht lumpen, Raffael digital zu ehren.

Gerahmte Verehrung in Berlin

Glück hat, wer seit Mitte Dezember in der Gemäldegalerie Berlin bereits die Ausstellung „Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie“ (eigentlich bis 26. April) gesehen hat. Jetzt ist sie wegen Corona geschlossen. Dafür steht der komplette Katalog im Netz zum kostenlosen Download bereit. Gebunden kostet er dagegen neun Euro. Und: Die Madonnen, vier aus Berlin und eine Leihgabe aus London, erweisen sich wirklich als sanft und zuckersüß. Haben Sie auch den üppigen goldenen Rahmen entdeckt, den der große Architekt Friedrich Schinkel im 19. Jahrhundert extra für die „Madonna Colonna“ entworfen hat? So sehr kann Verehrung glänzen.

Engel mit Weltruhm in Dresden

Dass Lieblichkeit aber auch den Erfolg eines Kunstwerkes auf Dauer sichern kann, beweist das bedeutendste Werk Raffaels in Deutschland: die „Sixtinische Madonna“ in der Staatlichen Gemäldegalerie im Semperbau in Dresden. Die zwei Engelchen zu Füßen der schwebenden Madonna machten schon Werbung für Kaffee, Schokolade oder Hygieneartikel. Sie zierten Briefmarken und Tassen. Die Mehrheit der Menschen auf Erden werden die Engel vermutlich kennen, wenn sie auch nicht immer wissen, dass sie von Raffael stammen. Die „Sixtinische Madonna“ Raffaels hat bereits 2012 ihren 500. Jahrestag gefeiert. Damals haben ihr die Staatsgemäldesammlungen Dresden einen neuen Rahmen und eine Ausstellung gestiftet. In einem Film kann man zum Beispiel sehen, wie es funktionieren kann, so eine Kostbarkeit über ein Treppenhaus in die Werkstätten zu transportieren. Bernhard Maaz, heute in München, war vor acht Jahren noch Alte-Meister-Direktor in Dresden – und gibt im Film Auskunft.

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Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500 | Bild: Staatliche Kunstsammlungen Dresden (via YouTube)

Die Sixtinische Madonna. Raffaels Kultbild wird 500

 Originale und Nachahmer in München

Natürlich führte die Kunstsammelwut des bayerischen Königsgeschlechts der Wittelsbacher auch dazu, dass man sich im 19. Jahrhundert sehr um eine repräsentative Raffael-Sammlung bemühte. Heute verfügt man unter den Suchworten „Raphael/ Raffael“ immerhin über zwölf Werke. Aber nur drei – zwei Madonnen, eine Heilige Familie – sind wirkliche Originale. Der Rest: Nachahmer, Kopien, Reproduktionen. Eine dieser Kopien, ein „Erzengel Michael“, wurde 1807 durch den bayerischen König Max I. Josef höchstpersönlich angekauft. Wahrscheinlich in dem festen Glauben, dass es sich um ein Original handelt. Im 19. Jahrhundert konnten solche „Missverständnisse“ leicht geschehen – es gab noch keine Fotografien, kaum Kunstbücher, keine Werkverzeichnisse, von einem Internet ganz zu schweigen. Heute werden solche zweitrangigen Gemälde aus der „Raffael Schule“, von Nachahmern oder Kopisten im Depot verwahrt und natürlich nicht ausgestellt. Das bedeutendste Raffael-Werk in Münchner Besitz ist „Die Heilige Familie aus dem Hause Canigiani“. Nur echt mit der „pyramidalen Komposition“. Unfassbar: An diesem Bild wurden die Engelchen rechts und links oben im 18. Jahrhundert übermalt und erst 1983 wieder freigelegt. So wurde eine Raffael-Engelchen-Weltkarriere mutwillig verhindert!


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