Raus aus dem Lockdown Museen werben mit Petition für umsichtige Öffnung

Die Museen sind seit Monaten geschlossen. Bei allem Verständnis für Corona-Maßnahmen, mucken die Musemsleiterinnen und Museumsleiter nun europaweit auf. In Deutschland hat der Leipziger Kreis, eine lockere Vereinigung der großen Museen, eine Petition an die Staatsministerin für Kultur, Monika Grütters, aufgesetzt. Ein Impuls für vorsichtige Öffnungen?

Von: Stefan Mekiska

Stand: 25.01.2021 | Archiv

Paar vor einem Bild in einer Kunstausstellung, Rückenansicht | Bild: picture alliance / Jürgen Schwenkenbecher | Jürgen Schwenkenbecher

Gedacht war an eine interne Meinungsäußerung, die jetzt allerdings durch die Süddeutsche Zeitung teilweise öffentlich geworden ist. Gegen den Willen der Verfasserinnen und Verfasser übrigens. Sie wollten, so heißt es im Text, für den Hunger auf Kultur ein Angebot machen, ohne die gesellschaftliche Solidarität in Frage zu stellen. Zu den Unterzeichnerinnen gehört auch Eva Kraus, die vom Neuen Museum Nürnberg kommend jetzt Direktorin der Bundeskunsthalle in Bonn ist. Als Orte der Kontemplation und Reflexion hält sie die Öffnung der Museen und Ausstellunghäuser für wichtig, gerade in Zeiten der Pandemie: "Ich wünsche mir natürlich, dass wir bald wieder öffnen können. Ich glaube für unsere Seele, für unser Wohlsein, für unsere Kultur ist es unbedingt wichtig, dass diese Häuser, dass diese Ausstellungen, dass diese vielen Angebote wiedergesehen werden können."

Erste Erfolge in Italien

In Italien ist man seit Donnerstag schon weiter. Eike Schmidt, der aus Deutschland stammende Direktor der weltberühmten Uffizien in Florenz, durfte am Donnerstag sein Museum mit Hauptwerken von Leonardo, Michelangelo, Botticelli, Tizian usw. nach insgesamt 77 Tagen Lockdown wieder aufsperren. Die Öffnung stieß hier auf großes Interesse, so seine Erfahrung: "Da waren auch alle ganz begeistert, wieder zurück zu sein, wieder im Museum zu sein und die Zahlen der Besucher bestätigen, dass wirklich eine große Sehnsucht der Bevölkerung nach dem Museum da war und da ist. Wir haben gleich am zweiten Öffnungstag über tausend Besucher gehabt. Natürlich mit sehr strengen Social Distancing Maßnahmen und Regelungen."

Eike Schmidt kann da auch konkret werden. Welche Wunderdinge werden also in den Uffizien zu Florenz vollbracht, dass das italienische Weltmuseum wieder öffnen konnte im Unterschied zu allen deutschen Einrichtungen? Welche Vorkehrungen wurden getroffen? "Temperaturkontrolle durch Thermoscanner am Eingang. Wir haben zudem über hundert Spender mit Gel zur Desinfizierung der Hände aufgestellt. Es gibt rigorose Social Distancing Maßnahmen. Die Besucher sind aufgefordert, mindestens einen Meter, aber im Idealfall sich 1,80 Meter von anderen Besuchern entfernt aufzuhalten, es sei denn, es sind Familien. Gruppenführungen sind nur in ganz kleinem Kreise erlaubt, und auch dort mit Menschen, die auch sonst zusammenleben. Und es besteht natürlich auch Maskenpflicht."

Platz, Erfahrung und kleine Gruppen

All das können deutsche Museen selbstverständlich auch anbieten. Hierzulande bleibt es eine Zwickmühle: Keinesfalls wollen die Museumsleute die Corona-Bekämpfung in Frage stellen. Wenn sie schüchtern auf die Sicherheit ihrer Räume verweisen, fragt die Politik allerdings sofort, wie denn die Menschen in die Museen kommen? Antwort: Viele mit öffentlichen Verkehrsmitteln – und das bleibt eben trotz FFP2-Masken ein Problem. Doch man will weiter zeitnah öffnen.

Eva Kraus von der Bundeskunsthalle Bonn zählt die Gegenargumente der Museumsleute auf: "Ich denke, dass wir als Museen, als Häuser, die viel Platz haben und die in den letzten Monaten viele Angebote, aber auch viele Sicherheitsmaßnahmen erprobt haben, Dinge zeigen können. Wir können Besucherinnen und Besucher empfangen. Wir können kein großes, aber ein kleines und auch ausgewähltes Publikum in unsere Häuser lassen. Die Museen sind doch wirklich die Oasen der Kultur und wir hoffen, dass wir uns auch wieder präsentieren können, sobald die Politik das zulässt."

Drohender Verlust der Zukunft

2020 sind die Besucherzahlen in den deutschen Museen und Ausstellungshäusern ersten Schätzungen zufolge um etwa 60 Prozent zurückgegangen. Bei vier Monaten Lockdown, einem Dritteljahr, hätten es eigentlich nur 33 Prozent sein dürfen. Da blieben also selbst Stammgäste aus lauter Angst vor Ansteckung weg. Trotz erfolgreicher Online-Seiten mit mehr Besuchern als je zuvor: Hier droht eine ganze Kultursparte ihre Zukunft zu verlieren. Eva Kraus von der Bundeskunsthalle in Bonn teilt die Bedenken:

"Ich habe große Sorge darum, weil die Angebote irgendwann in Vergessenheit geraten. Ich denke, am Anfang ist das Bedürfnis groß, aber irgendwann gewöhnt man sich daran, dass diese Dinge nicht mehr möglich sind. Das Reisen wird auf Dauer erstmal nicht möglich sein und deswegen wird es meines Erachtens auch keine großen Riesengruppen in den Museen und Ausstellungshäusern geben. Natürlich hoffe ich darauf, dass ich unrecht habe und dass viele Menschen uns sehnsüchtig wieder erwarten."

Das Schreiben des Leipziger Kreises wurde inzwischen von weit mehr als den 15 größten Museen in Deutschland unterschrieben und unterstützt. Die Rede ist von 60 Häusern. Jetzt liegt es an Kulturstaatsministerin Monika Grütters. Sie soll die Anliegen bald am Kabinettstisch in Berlin zur Sprache bringen.

Ein Beitrag in "Die Kultur" auf B5 aktuell vom 24.01. Den Podcast zur Sendung gibt es hier.