Kammerspiele – Theater des Jahres Diese Orte wird Matthias Lilienthal vermissen

Fünf Jahre war Matthias Lilienthal ein erst umstrittener und dann gefeierter Intendant der Kammerspiele. Jetzt wurde das Münchner Theater zum zweiten Mal zum Theater des Jahres hintereinander gekürt. Wir haben mit dem scheidenden Erneuerer drei Orte besucht, die ihm in München ans Herz gewachsen sind.

Von: Stephanie Metzger

Stand: 27.08.2020 | Archiv

Nach fünf Jahren an der Spitze der Münchner Kammerspiele verlässt Matthias Lilienthal das Haus – ein Résumé. | Bild: Peter Kneffel/dpa

München und Matthias Lilienthal, das ist eine besondere Beziehung. Die Stadt hat es dem Intendanten der Kammerspiele nicht immer leicht gemacht. Erst fühlte sich ein Teil des Publikums (und der Presse) verprellt. Denn Lilienthal wagte ein Experiment, indem er versuchte, die Strukturen und ästhetischen Standards der Bühne durch Kooperation mit freien Gruppen aufzubrechen. Einige warfen ihm vor, damit die Tradition der Kammerspiele aufs Spiel zu setzen. Dann vergälte die CSU Lilienthal die Lust auf eine weitere Spielzeit, als sie den Kammerspielen als öffentlich gefördertem Haus untersagte, zu Demonstrationen gegen die Flüchtlingspolitik der Partei aufzurufen. Lilienthal verzichtete auf eine Vertragsverlängerung, wohl auch, weil die im Kulturausschuss wegen der CSU ohnehin nicht durchgekommen wäre. Die Fachkritik zog eine andere Bilanz. 44 Kritiker*innen kürten in der Zeitschrift "Theater heute" 2019 und 2020 die Kammerspiele zum Theater des Jahres.

Schade, denken jetzt nicht wenige, denn spätestens mit dem Publikumsrenner "Dionysos Stadt" von Christopher Rüping war Lilienthals Theatervision in der Stadt und beim Publikum angekommen. Die Münchner*innen haben die explizit politischen und kontroversen Projekte zu schätzen gelernt. Und auch Matthias Lilienthal hat seine Lieblingsorte in München gefunden. Drei haben wir mit ihm besucht: