KulturBühne LiveSession Alphorn-Electro von Loisach Marci

Alphorn, bairischer (Sprech-)Gesang, E-Gitarre und elektronische Beats: Loisach Marci kreieren einen Sound zwischen Bergwiesen und Kellerclub. Für die KulturBühne haben sie exklusives Konzert gespielt – geplant für das BR-Funkhausdach, wegen des unbeständigen Wetters in Studio 1 verlegt.

Von: Max Büch

Stand: 21.07.2020 | Archiv

Mit dem Wunsch, den Sound von Loisach Marci in eine Schublade zu stecken, mit Musikgenres und -sparten zu umschreiben, hat man schon verloren. Weil es ihnen genau darum nicht geht: "Bei Loisach Marci gibt's keine Grenzen. Wir haben miteinander keine Grenzen und es ist auch so, dass wir in der Musik keine Grenzen haben." So bringt es Marcel Engler auf den Punkt, was ihre Musik ausmacht: ausprobieren und schauen, was dabei rauskommt.

Marcel Engler, gebürtiger Partenkirchner, spielt Alphorn und 13 andere Instrumente, die alle hier und da mal zum Einsatz kommen: Mundharmonika, Trompete, Glocken, dazu bairischer Gesang oder Rap. Jens-Peter Abele, ursprünglich aus Büsum an der Nordsee, steuert die Gitarre in den unterschiedlichsten Klangvarianten bei. Das Ganze einmal quer durch Looper und Verzerrer gejagt, mit elektronischen Beats aus Drumcomputern unterlegt und fertig ist der Sound von Loisach Marci.

Alphorn-Techno könnte man vielleicht sagen, aber das klingt irgendwie nach Après-Ski-Alpen-Ballermann. Und genau da fangen die Probleme an. Nicht die von Marcel und Jens, sondern von den Menschen, die vorgefertigte Bilder im Kopf haben, wenn sie Marcel in Tracht mit Alphorn vor bayerischer Bergkulisse sehen und dazu Jens in Bikerjacke und Cap.

Exklusive LiveSession von Loisach Marci

Fremdzuschreibungen und Schubladendenken

Auf den ersten Blick könnte man Loisach Marci unter Mia-san-mia-Verdacht stellen. Dieses in ganz Bayern verbreitete Traditionsgehabe: nach außen hin abgrenzen und gleichzeitig alles Verwertbare bis aufs die letzten weiß-blauen Rauten durchkommerzialisieren. Alpen und Techno, der neuste Marketing-Streich? FC Bayern-Lederhosen-Alarm!

In Garmisch-Partenkirchen kommt der Alarm dagegen aus einer ganz anderen Richtung. Marci sei nachts am Telefon bedroht worden, weil er die "Tradition in den Dreck" ziehe: "Für die war das halt der Hammer, dass da einer von uns, also ein Garmischer in der original Werdenfelser Tracht daherkommt und Techno spielt. Da hat’s den Leuten den Zünder rausgehauen." Und weil wieder jemand anderes die Kombination aus Tracht und Motorrad-Lederjacke so gut fand, hat er das Duo für die Fashion Week in Berlin gebucht.

"Ich hab noch nie eine Jeans angehabt"

Dabei ist Marcel einfach nur er selbst. "Für mich ist das Alltag. Ich hab in meinem Leben noch nie eine Jeans angehabt. Ich hab ein ganz klares Verhältnis zur Tracht: Tracht kommt bei mir von tragen, das ist bei mir ein Lebensgefühl. Den Marci ohne Tracht, den gibt's ned, verstehst?"

Und ohne den Input von Stuttgart hätte es Loisach Marci in der jetzigen Form nie gegeben. Mit dem Umzug in die schwäbische Großstadt hatte Marcel erst große Probleme: hohe Häuser, viele Autos, keine Berge und keine Menschen in Lederhosen. Dafür aber Leute mit "irgendwelchen Elektrokisten" wie sich Marcel erinnert: "Da hat’s gequietscht, gepfeift, gemacht und gescheppert. Und ich hab mir gedacht: Oida, was macht der da, was ist des?" Das hat ihn angefixt. Und als er vom Papa zum 30. ein Alphorn geschenkt bekommen und mit den Drum-Computern kombiniert hat, wusste er: "Jetzt wird’s abgefahren und schräg.“

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LOISACHMARCI - Lärm am See | Bild: LOISACHMARCI (via YouTube)

LOISACHMARCI - Lärm am See

In Stuttgart kommt er als Musiker auch immer wieder ins Tonstudio von Jens-Peter Abele, mit der er schließlich auch den passenden Mitstreiter für seine Songideen und Klangexperimente findet.

Seit vier Jahren spielen die beiden nun schon zusammen. Den Blick nicht auf die Zukunft gerichtet, sondern eher auf ein Bauchgefühl, für das Jens ausgerechnet im Bairischen eine Entsprechung gefunden hat: "Der Marci hat mir einen Begriff beigebracht, den ich vorher nicht kannte: griebig. Ich wusste nicht, was das heißt. Genau dieses Urgefühl, dass du einfach morgens aufstehen willst ohne erkennbaren Grund tanzen willst, grinsen willst und diese Welt umarmen willst – dieses Gefühl wollen wir an einem bestimmten Moment des musikalischen Schaffens immer erreichen."