Exklusive Lesung Paul Maar und sein neues Buch "Das Sams und der blaue Drache"

Das Sams gehört zu den bekanntesten Figuren in der deutschsprachigen Kinderliteratur. Es ist selbstbewusst, frech und voller Witz. Und es kann Wünsche erfüllen. So auch den, dass sein Erfinder Paul Maar auf der Kulturbühne liest.

Von: Niels Beintker

Stand: 12.08.2020 | Archiv

Porträtaufnahme von Autor und "Sams"-Erfinder Paul Maar | Bild: Sonja Och

Paul Maars neues Buch "Das Sams und der blaue Drache" führt zurück in die Zeit der ersten beiden Romane um das phantastische Wesen mit den feuerroten Haaren und der Nase, die einer Steckdose gleicht. Herr Taschenbier, der allzu schüchterne Büroangestellte, der das Sams an einem Samstag auf der Straße findet, hat entdeckt: Es kann Wünsche erfüllen. Zuerst mittels blauer Wunschpunkte im Gesicht. Als die zur Neige gehen, wünscht sich Herr Taschenbier eine Wunschmaschine.

Und die wird auch schwer in Anspruch genommen, unter anderem für einen denkwürdigen Besuch in einem edlen Restaurant. Schließlich geht sie wegen Überforderung kaputt. Doch was, so fragte sich Paul Maar immer wieder mal, hätten sich Herr Taschenbier und das Sams noch alles wünschen können? Zum Beispiel einen blauen Drachen! Diese "Wunschmaschinen-Phantasie" kann man nun im neuen Sams-Buch lesen. Der Drache, der dabei gewünscht wird, ist freilich keiner aus Stoff oder Papier.

Frech und fröhlich den Schwachen zur Seite

Auch als Film ein Hit: Christine Urspruch und Ulrich Noethen als Das Sams und Bruno Taschenbier

Das Sams ist die bekannteste Figur im literarischen Kosmos von Paul Maar. Der erste Roman – "Eine Woche voller Samstage" – erschien 1973. Sechs weitere folgten, eine ganze Familiengeschichte entstand. Das Sams mischt nicht nur den unspektakulären Alltag von Herrn Taschenbier gehörig auf. Es steht später auch dessen Sohn Martin Taschenbier zur Seite, etwa in der Auseinandersetzung mit gemeinen Klassenkameraden und fiesen Sportlehrern. Es macht die Schwachen – frech und fröhlich – stark.

Zur Erfindung der Figur wurde Paul Maar, geboren 1937 in Schweinfurt, durch einen Angestellten in der Baufirma seines Vaters inspiriert. Der war schüchtern und still, nur gegenüber Kindern konnte er sich öffnen. Beständig wurde er vom Chef für Dinge gemaßregelt, für die er gar nichts konnte. Er wurde zur Vorlage für Herrn Taschenbier. Und der wiederum bekam ein Wesen zur Seite, das all die Charakterzüge besitzt, die ihm selbst fehlten. Aus einer Liste mit entsprechenden Eigenschaften entstand das Sams.

Sieben Sams-Romane sind keineswegs genug

Die Figur – eine von ganz vielen im Werk von Paul Maar – wurde ein Held in zahlreichen Kinderzimmern, nicht nur in Deutschland. Und ist es bis heute geblieben. Das Sams stellt die angeblich vernünftige Welt der Erwachsenen mit Witz und Ironie in Frage. So sehr, dass es, in der Realität, durchaus Pädagogen und Erzieher gibt, die in dieser phantastischen Figur eine Zumutung erblicken. Was wiederum ganz und gar nicht das Problem der Sams-Romane ist.

Nach sieben Sams-Büchern wollte Paul Maar seine Reihe eigentlich beenden. Keine weitere Geschichte, erklärte er gerne in Interviews. Doch es gab und gibt noch so viel zu erzählen. So kam eine Weihnachtsgeschichte und eine Erzählung über ein doppeltes Sams, in der es – hinter der witzigen Oberfläche – um die bisweilen heftige Rivalität unter Geschwistern geht. Und nun ein neues Abenteuer: "Das Sams und der blaue Drache", erschienen wie alle Bücher im Hamburger Oetinger-Verlag und illustriert von Paul Maar.

Lesung für die Sommerferien

An einem schönen Sommertag hat Paul Maar eine Episode aus dem neuen Sams-Buch gelesen, im Garten seines Hauses in Franken. Die exklusive Lesung für die Kulturbühne – entstanden in Kooperation mit dem Oetinger-Verlag – ist zugleich ein kleines Geschenk für die Sommerferien, die in diesem Jahr ja vielfach ganz anders sind als sonst.

Für den Herbst sind einige Lesungen von Paul Maar in Bayern geplant, unter anderem wird er bei der Münchner Bücherschau im November seine neue Sams-Geschichte vorstellen. Am 15. September wird der Schriftsteller und Illustrator im Kulturmagazin Capriccio porträtiert.