Meinung Die Kinos brauchen klare Zielsetzungen

Während in Frankreich nach den harten Schließungen die Kinos zum 15. Dezember wieder öffnen dürfen, sieht es hierzulande eher nicht danach aus, dass rasch wieder mit den Öffnungen der Filmtheater zu rechnen ist. Wie geht es weiter mit den Kinos in Corona-Zeiten?

Von: Markus Aicher

Stand: 27.11.2020

Foto: Marijan Murat/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Marijan Murat

Momentan gilt erstmal: mindestens zu bis 20. Dezember, vermutlich länger. Und zwar bundesweit. Wenn man aber Kinobetreiber von größeren Ketten und Arthauskinos quer durch die Republik befragt, ob es denn einen ihnen bekannten Plan gebe, wann und wie es weitergehen soll – erntet man Kopfschütteln. Während die Berliner Filmfestspiele schon optimistisch ihre Akkreditierungsformulare für die Berlinale Mitte Februar kommenden Jahres versenden, ist man bei den Betreibern mehrheitlich zurückhaltend und skeptisch. Derzeit gibt es keine Pläne mit Vorlauf – so wird moniert, man steuere ohne Konzept weiter und die 30 Millionen wären ja auch nicht der letzte Schluss, da sie mehrheitlich Großbetreibern zu Gute kämen und dazu noch mit den November- und Überbrückungshilfen verrechnet würden.

Viele Kinos bevorzugen einen harten Cut bis Mitte Januar und dann eine gesteuerte Eröffnung unter koordinierter Absprache mit den Verleihfirmen, als ein Auf-Zu–Auf-Szenario, bei dem dann mancherorts auch noch das Kurzarbeitergeld auf der Strecke bliebe. Und mit geänderten Abstandsregeln unterhalb der 1,5 Meter, die in der Praxis eines Kinosaals eher zwei Metern entsprechen! Vor dem erneuten Shutdown operierten die Kinos mit rund 20 % der Platzkapazität – damit ist kein Betrieb längerfristig sinnvoll. Auch wenn der Flächenstaat Bayern mit seinen derzeitigen Hilfen für die Kinos bundesweit nicht schlecht abschneidet, braucht es klare und einheitliche Zielsetzungen, bei denen alle, die Kinoverbände, die Verleiher, der Bund und die Kultusministerkonferenz an einem Strang ziehen.

Kinos als regionale Kulturorte fördern?

Wie wäre es damit? Abhängig von der aktuellen Viruslage und den Inzidenzahlen im Januar strebte man bundesweit eine Eröffnung zum Februar an. Verlegte vielleicht noch die Berlinale als möglichen Spreading-Event für ein paar Wochen nach hinten. Und nutzte die Zeit "zwischen den Jahren" zum Nachdenken. Wenn jüngere Publikumsschichten sowieso schon vermehrt zu Netflix, Amazon und Co. abwandern und in den USA mit dem Kinostart samt gleichzeitiger Streaming-Auswertung des Blockbusters "Wonder Woman" bereits ein Paradigmenwechsel eingeläutet wird, sollte man auch in Deutschland über neue Konzepte nachdenken.

Wie kann man den Kinos in der Fläche – und das trifft vor allem auf Bayern zu – eine stabilere Zukunft als wichtige regionale unverzichtbare Kulturorte vor allem im Arthaus-Bereich garantieren? Welche Rolle können Schulen beim Besuch der Filmtheater im Bereich der kulturellen Bildung spielen, um den Erlebnisort Kino wieder attraktiv zu machen? Zukunftsprogramme klingen schön, wenn sie aber statt konkreter Schritte nur aus Zahlen und Maßnahmepaketen bestehen und keine echten Visionen enthalten, bleiben sie trockenes politisches Schwarzbrot im Tagesgeschäft. Ach ja, "Weihnachten im Zaubereulenwald", so der Titel eines Familienfilms, wird von seinem Verleih schon mal prophylaktisch auf November 2021 verlegt. Schöne Aussichten!