Lage der Filmbranche in Bayern "Ein enormer Kraftakt, der von vielen gestemmt wird"

Das Festival in Cannes findet als Placebo statt und in Italien müssen die Kinos schon schließen. Wie sieht die Lage bei uns aus? Ein Gespräch mit Dorothee Erpenstein vom FilmFernsehFonds Bayern (FFF).

Von: Markus Aicher

Stand: 27.10.2020 | Archiv

Einzelne Sitzplätze in einem Kinosaal vom Kino Astor Grand Cinema sind mit Zetteln mit aufgedrucktem angedeuteten Virus-Symbol abgesperrt | Bild: Julian Stratenschulte/dpa

Markus Aicher: Frau Erpenstein, Sie verantworten ein stattliches Portfolio von über 40 Millionen Euro. Darunter fällt die Filmförderung, die Gamesförderung, die Unterstützung von Kinos in Bayern und die gesamte Festivalförderung in Bayern. Wie geht es Ihnen und Ihrem Team mit der derzeitigen Situation?

Dorothee Erpenstein Unserem gesamten FFF-Team geht es erfreulicherweise gut. Wir sind alle sehr stark im Einsatz, um diese wirklich anspruchsvolle Aufgabe in diesem Jahr hier gemeinsam zu bewerkstelligen. Filmförderung, Festivalförderung, Gamesförderung, das ist in normalen Zeiten schon eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Und jetzt, durch die vielen zusätzlichen Herausforderungen für die Branche, sind wir auch in besonderem Maße gefordert.

Am Sonntagabend sind die 54. Hofer Filmtage zu Ende gegangen. In Corona-Zeiten kämpfen die Festivals mit Auflagen, Hygiene-Konzepten, Wege-Regelungen. In Hof wurde wegen des steigenden Inzidenzwerts eine Masken-Pflicht im Kino eingeführt. Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Festivals?

Durch den Lockdown und dann auch durch die Einschränkungen des öffentlichen Lebens nach dem Lockdown standen gerade die Festivals natürlich vor einer sehr großen Herausforderung. Einige konnten nicht mehr umplanen und mussten absagen. Etliche haben aber auch neue Formate gefunden und haben Onlineangebote geschaffen. Manche Festivals bieten hybride Angebote an, indem sie teilweise Online- und teilweise Präsenzveranstaltungen durchführen. Das ist ein schöner Erfolg dieser Umstellung. Aber das ist auch ein enormer Kraftakt, der von vielen gestemmt wird – oft auch mit sehr viel ehrenamtlichem Engagement.

Auch die Kinos sind gebeutelt durch den Lockdown und die Abstandsregelungen. Blockbuster wie James Bond werden immer wieder verschoben oder, wie im Fall von Disneys Mulan, gleich zu den Streaming-Diensten verlegt. Einziger Lichtblick für die bayerischen Kinos ist der Starttermin von "Kaiserschmarrndrama" am 12. November. Der FFF unterstützt auch die bayerischen Kinos mit Prämien für ein gutes Programm. Wie ist die Lage dort?

Die Kinos sind natürlich auch in einer sehr schwierigen Lage. Das betrifft sowohl die großen Häuser als auch die kleineren Betriebe. Letztere sind oftmals inhabergeführt und es steht nur ein kleines Team dahinter. Die Großen tätigen oft hohe Aufwendungen, die erst einmal refinanziert werden müssen. Das Wegbrechen der Einnahmen hat also für viele wirklich eine einschneidende Bedeutung. Die Besucherzahlen sind eingeschränkt und es können nicht die Umsätze erzielt werden, die notwendig wären. Auch, weil derzeit keine Events und Zusatzangebote angeboten werden können.

Von Bundesseite wurde über die Kulturstaatsministerin Monika Grütters 2,8 Millionen Euro an Verleiher ausgeschüttet. Viele, vor allem kleinere Verleiher, bekommen aber nichts davon ab. Gibt es in diesem Bereich auch Pläne des FFF, die Verleiher zu unterstützen?

Unser Ziel ist es, dass wir die Bedingungen in den Kinos möglichst zügig wieder so gestalten können, dass Filme wirtschaftlich gestartet werden können. Das ist natürlich von vielen Faktoren abhängig. Angesichts der aktuellen Zahlen ist es natürlich schwierig, eine Lockerung der Regelungen zu diskutieren. Sobald sich hier die Lage stabilisiert, gehört das Thema natürlich aber ganz vorne auf die Tagesordnung.

Und wie blicken Sie mit Ihrem Team auf die kommenden Monate?

Mit Optimismus. Allerdings wissen wir auch, dass man immer nur kurzfristig planen kann. Ich denke, dass wir alle auch lernen, mit dieser Sondersituation umzugehen und uns daran anpassen. Im Sommer hat man beispielsweise gesehen, dass Open-Air-Kinos und Autokinos verstärkt Filme angeboten haben. Hier sind sehr viele kreative Menschen damit beschäftigt, die Möglichkeiten für die kommenden Monate auszuloten und ich denke, das wird uns gemeinsam gelingen.

Hier können Sie das Gespräch nachhören.