Re-Start Kultur Öffnungsperspektiven der Museen in Bayern

Geht es bald wieder los oder kommt die dritte Welle? Wie sich die bayerischen Museen gerade auf eine Wiedereröffnung vorbereiten und wie sie die Zwischenzeit genutzt haben.

Von: Stefan Mekiska

Stand: 25.02.2021

Lenbachhaus; | Bild: BR/Christine Meder

Noch geht es bei den angekündigten Öffnungen nur um Haare, Fingernägel und Blumenkästen. Doch in München, einer Stadt mit inzwischen wieder leicht steigenden Inzidenzwerten, blickt Matthias Mühling, der Direktor des Lenbachhauses, sehnsüchtig auf den sonnigen Vorplatz des Museums.

"Unsere Gefühlslage ändert sich von Tag zu Tag, das heißt, wir schauen von Tag zu Tag auf die neuesten Zahlen, auf die Dashboards, die das Robert-Koch-Institut anbietet", sagt Mühling. "Und das erste Mal gibt es Klarheit." Er wisse, wenn die Inzidenz unter 35 sinkt und der Handel öffnen darf, dann seien Galerien und die Museen auch mit dabei.

Museum 2.0 hat zwei Seiten

So hatte das die Bundeskulturstaatsministerin Monika Grütters am vergangenen Wochenende sinngemäß angekündigt. Für Matthias Mühling und das Münchner Lenbachhaus ginge mit der möglichen Wiedereröffnung im März eine eher merkwürdige Lockdown-Zeit zu Ende.

Matthias Mühling hofft auf baldige Öffnung

"Wir bieten zum Beispiel im Moment Online-Führungen an. Und da stellen wir fest, dass die Menschen, die an den Führungen teilnehmen, in Frankfurt sitzen, in Paris, in Südtirol", sagt Mühling. Es sei ein Erfolg, dass man für diese Führungen, nicht mehr ins Museum kommen müsse. Schließlich erreiche man damit auch Menschen, die schlecht oder gar nicht mehr laufen könnten. "Aber dennoch zeigen wir da digitale Bilder am Bildschirm. Und eigentlich sind das große, schillernde, glänzende Objekte, die sogar ein bisschen riechen. Und es ist schade, dass das nicht stattfindet."

Hygienekonzept steht

Matthias Mühling hat während des Lockdowns für das Lenbachhaus große schwarze, quaderförmige Geräte anschaffen lassen: Diese hochprofessionellen Viren-Raumluftfilter sollen bei der Wiedereröffnung genauso für einwandfreie hygienische Zustände sorgen wie eine Klimaanlage, die die Luft in bestimmten Zeiträumen komplett austauscht, dazu Handdesinfektionssprayer und so weiter. In Augsburg sieht Direktor Christof Trepesch das Schaezlerpalais und das Maximilianmuseum genauso gut aufgestellt.

"Wir haben in allen Häusern natürlich Desinfektionsspender angebracht, Beschilderungen verändert, die Aufsichtskräfte natürlich auch geschult, dass sie auch wissen, welche Regeln gelten", erklärt Mühling. Einbahnstraßenregelung in den Museen stellten zudem sicher, dass Besucher nicht durcheinander, sondern nach bestimmten Wegen nacheinander das Museum durchstreiften. Auch bei den Reinigungskapazitäten habe man nachgerüstet.

Ausstellungen verlängern

Die Augsburger Museen haben im Corona-Jahr ihre Präsenz in den Sozialen Medien und damit bei der Jugend enorm verbessert. Bei Daniel Hess im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg konnten alle Ausstellungen so geschickt verlängert werden, dass bisher keine für das Vor-Ort-Publikum komplett verloren gegangen ist. Denn das wäre die schlechteste Entwicklung: Dass mühsam zusammengestellte Expositionen komplett in den Lockdown fallen und – weil Leihverträge enden oder weitere Stationen zwingend folgen – dann ungesehen ausfallen.

"Wir haben zwei Sonderausstellungen, die sich mit aktuellen Fragen beschäftigen. Zum einen, wie wir die Zukunft deuten können, eine internationale Kooperation mit Taiwan. Und zum zweiten Europa auf Kur, eine Kooperation mit dem Kirchner-Museum in Davos in der Schweiz, die eine medizinische Krise, die Tuberkulose, mit der Literatur, mit der Kunst, mit Sport verbindet. Aktueller könnte es nicht sein zu Corona-Zeiten. Und diese Ausstellungen haben wir ganz bewusst in der Lockdown-Zeit fertig aufgebaut und die könnten wir morgen eröffnen."

Wiedereröffnung auch kurzfristig möglich?

Ja, überhaupt die Frage: Wie schnell wären die Museen bereit, nach grünem Licht aus der Politik, wieder Publikum reinzulassen? Daniel Hess vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg: "Wir brauchen da keinen Vorlauf und wir haben Gott sei Dank eigenes Aufsichtspersonal. Wir sind da jetzt auch nicht auf Zeitarbeitsfirmen angewiesen. Wir müssten das jetzt ein bisschen organisatorisch vorbereiten, weil wir die Sammlungen zur Digitalisierung genutzt haben, aber eigentlich können wir binnen einer Woche alles aufmachen."

Auch Christof Trepesch von den Sammlungen in Augsburg befindet sich in Startposition: "Wir passen natürlich unsere Hygienekonzepte an. Wir müssen natürlich schauen, wie sind die Vorgaben seitens des bayerischen Staates." Darüber hinaus hätten sie aktuellen Ausstellungen dementsprechend gestaltet, dass man jederzeit loslegen könnte.

Und Matthias Mühling im Lenbachhaus München verweist auf die große Neupräsentation des Blauen Reiters, die ab dem 21. März mit vielen internationalen Leihgaben zu sehen sein soll: "Wenn wir aufmachen dürfen, machen wir auf, egal wie kurzfristig wir das bekommen. Und wenn wir keine Aufsichten hätten und keine Kassenkräfte, dann stellen wir uns selber dahin."