Lockdown-Fotografie Rom, verlassene Stadt

Leere Stufen der spanische Treppe. Kein Tourist vor dem Kolosseum. Die Bilder aus dem römischen Lockdown gingen um die Welt. Eine Online-Ausstellung zeigt nun die Fotos aus der Zeit und stellt die Frage, warum uns das so berührt.

Von: Maximilian Sippenauer

Stand: 24.02.2021 09:57 Uhr | Archiv

Spanische Treppe in Rom während Lockdown 2020. Kein Mensch zu sehen | Bild: Marcello Leotta

Rom wurde im März letzten Jahres zu einer anderen Stadt. Vermutlich nie in der über zweieinhalbtausendjährigen Geschichte der Stadt war es hier so still. Tauben allein regierten über die Plätze der Stadt und Ratten rannten über die Promenaden am Tiber. Der in Italien rigorose Lockdown – die Menschen durften auch nicht zum Sport oder Spazieren das Haus verlassen – machte eines der beliebtesten Reiseziele der Welt zur Geisterstadt.

Fotograf Marcello Leotta ist einer der wenigen, dem es damals gestattet ist, durch die Stadt zu streifen. Was er sieht, beginnt er in Fotografien festzuhalten. "Die städtische Landschaft nahm eine Form an, die niemand je hätte erahnen können", schreibt Leotta. Stundenlang durch die normalerweise chaotischen Straßen zu laufen, die plötzlich frei von Lärm und ohne Kontakt mit Fremden gewesen seien, hätten in ihm gegensätzliche Gefühle hervorgerufen: Unbehagen und Faszination.

Die entblösten Narben der Städte

Die Bibliotheca Hertziana hat in einer Online-Ausstellung nicht nur die eindrücklichen Bilder aus der Lockdown-Zeit aus Rom und Neapel zusammengetragen, sondern auch die Fotografen gebeten, sie mit Hilfe von kurzen Texten zu erklären. So erzählen die Fotografen Luciano, Marco und Matteo Pedicini, wie sie in Neapel von der visuellen Verschmutzung der Stadt schockiert gewesen seien. "Obwohl frei von dem verwirrenden Verkehr von Autos und Menschen, oder vielleicht gerade deshalb, stolperte unser Blick ständig über Reklametafeln, Straßenschilder und bunte Mülltonnen, die überall verstreut waren." Die Leere des Lockdowns, zeigt nicht nur die menschliche Verletzlichkeit, sondern legt auch die urbanistischen Narben dieser Metropolen frei. Vor allem die düsteren Panoramaaufnahmen aus Neapel, wo sich ein Gewitter über der toten Stadt zusammenbraut, zeigen: Auch Jahrtausende alte Städte sind verletzliche Orte und der Vergänglichkeit ausgesetzt.