Klimakiller Eigenheim Vorstädte sind Dreckschleudern

Home sweet home – oder müsste es nicht eher heißen: Home sweet Klimakiller? Klimaökonom Gernot Wagner ist brennender Verfechter des Stadtlebens – der Umwelt zuliebe. Doch für einen Gesellschaftswandel braucht es dringend Unterstützung von ganz oben.

Von: Thorsten Mack

Stand: 07.05.2021 | Archiv

Überschwemmtes Haus in Kenia | Bild: BR

Für viele ist das Häuschen im Grünen das große und einzig wahre Glück. Die Stadt hingegen ist als dreckiger Moloch verschrien: Menschenmassen, Enge, Lärm und Abgase.

Klimaökonom Gernot Wagner sieht das anders. Der gebürtige Österreicher lebt in New York. So eine dicht besiedelte Stadt ist für ihn die Rettung der Welt, schreibt er in seinem Buch "Stadt Land Klima". Es geht ihm um einen ökologischeren, sinnvolleren Weg zu leben – fernab aller Werbeverheißungen: "Seit Jahrzehnten wurde uns eingetrichtert, dass ein Einfamilienhaus Erfolg bedeutet, dass man eben davon träumt, der Traum vom Eigenheim. Jede Fernsehwerbung sagt uns, dass Autos Freiheit bedeuten, und mehr Platz mit mehr Glück einhergeht. Die Fahrt zurück, die ist nicht irgendwie ein Muss, die ist Freiheit."

Idyll auf Kosten der Umwelt

Vorstädte sind Dreckschleudern. Durch Hausbau und Pendeln ist der CO2-Verbrauch doppelt so hoch wie auf dem Dorf oder in der Stadt. Die Freiheit, auf dem Weg zum Eigenheim draußen im Stau zu stehen und ungehemmt Ressourcen zu verbrauchen, ist ökologisch ein Desaster und wird durch Versiegelung, Pendlerpauschale und Baukindergeld von allen mitbezahlt, sagt Wagner: "Wir als Gesellschaft, ob das nun in Amerika ist oder Deutschland oder Europa, wir subventionieren das Leben in Einfamilienhäusern sehr stark. Das heißt, es kommt kaum jemand für seine vollen CO2-Kosten persönlich auf."

Leben in der Stadt bedeutet Raum- und Arbeitsteilung und kommt oft einem Kraftakt gleich. Deshalb sieht Wagner vehement die Politik gefordert, damit Stadt für alle schmackhaft und vor allem: erschwinglich wird.