Zum 80. Geburtstag Klaus Lemke, Chef des gezähmten Chaos

Er war einer der Stars des jungen deutschen Films: Klaus Lemke. Nach einem abgebrochenen Studium assistierte er am Theater, bevor er seine ersten Filme drehen konnte. Das BR Fernsehen zeigt seine Komödie "Amore".

Stand: 08.10.2020 | Archiv

Klaus Lemke | Bild: Alessandra Schellnegger/Süddeutsche Zeitung Photo

Eine schöne Frau, ein großes Auto und ein Grandhotel an der Côte  d’Azur - 1967 unternahm Klaus Lemke noch einmal einen Versuch, mit "Negresco – eine tödliche Affaire" ganz großes Kino zu machen. Damit stand er in Opposition zu Kluge oder Reitz, die sich eher an der Filmsprache großer europäischer Regisseure orientierten. Bald schon geriet Lemke auch mit der Filmförderung in Clinch, die er verächtlich "Staatsknete" nannte und die er für die Schwächung des deutschen Films verantwortlich machte. Seinen Darsteller*innen gibt er nur Szenen vor, lässt sie improvisieren und selbst ihren Text entwickeln. "Wir hatten nicht die geringste Ahnung, wie man Filme macht. Auch die Kameraleute hatten keine Ahnung. Wir wollten nicht mit Leuten drehten, die uns sagen, wie es geht. Wir wollten Filme so intuitiv und direkt machen wie die Rolling Stones”.  

"Man könnte den eigentlich mit dem Rattenfänger von Hameln vergleichen. Er hat was von einem Rattenfänger. Man folgt ihm ganz gern. Er braucht noch nicht mal auf seiner Flöte zu blasen."

  Wolfgang Fierek  

Seine Energie ist legendär, seine Sets auch: Cleo Kretschmer hat sie einmal als "gezähmtes Chaos" bezeichnet – bei ihr durchaus ein Lob. Lemke produziert fast jedes Jahr einen Film, immer low budget, gerne mit Laien oder Schauspielanfänger*innen. Er gilt als Entdecker von Cleo Kretschmer und Dolly Dollar. Seit Jahrzehnten wohnt er in einem winzigen Schwabinger Apartment ohne Bad. Und dreht und dreht... 

Am Samstag um 23:30 Uhr zeigt das BR Fernsehen die Liebeskomödie "Amore" mit Wolfgang Fierek, Pietro Giardini und Cleo Kretschmer