Eva Karl-Faltermeier Grant, die {Substantiv, feminin}

Sie beherrscht das, was es im Kabarett kaum gibt: die weibliche Form des bayerischen Grants. Die Kabarettistin Eva Karl-Faltermeier aus der Oberpfalz grantelt mit großem Charme über das Eltern-Dasein, Klapphandys, Dosenravioli und das Leben an sich.

Von: Laura Beck

Stand: 09.02.2021 | Archiv

Außenreporterin Eva Karl Faltermeier. | Bild: Florian Hammerich

Eigentlich hätte sie ja ganz was Anderes machen wollen: Journalistin – Kriegberichterstatterin, um genau zu sein. "Ich hab mir dann vorgestellt, ich fahre mit einem Jeep durch die Tundra und interviewe Leute. Oder ich bin an einem Kriegsschauplatz und hinter mir explodiert es. Das hat mir gut gefallen." Zum Glück hat Eva Karl-Faltermeier dann doch noch irgendwann entdeckt, dass Kabarettistin durchaus auch ein eigener Beruf sein kann – auch wenn sie das als Kind lange nicht für möglich gehalten hat: "Wenn ich dann irgendeinen Polt-Sketch angeschaut habe, bin ich davon ausgegangen, dass der schon eine normale Arbeit hat."

Keine kriegsähnlichen Zustände in der Lokalpolitik

Was sie dann von der Kriegsberichterstattung wieder abgebracht hat? Die Lokalredaktion. "In der Regensburger Politik geht’s zwar echt wild zu, aber es hat keine kriegsähnlichen Zustände - nicht mehr." Eva Karl-Faltermeier ist lustig, authentisch – und sie beherrscht eine bayerische Spezialität, wie kaum sonst: den Grant – oder in diesem Fall vielleicht besser: die Grant. Die Kabarettistin interpretieren das bayerische Lebensgefühl der Grantigkeit zeitgemäß und mit großem Charme. Das gefällt natürlich nicht allen. Aber gefallen zu wollen, hat sie sich schon lange abgewöhnt.

"Wenn eine Frau grantig ist, also das passiert mir ja auch an sieben von fünf Tagen in der Woche, das ich mit dem falschen Fuß aufstehe. Dann heißt es: das ist generell eine hantige Frau, eine mit Haaren auf den Zähnen", beschreibt Karl-Faltermeier die landläufigen Rollenzuschreibungen, mit denen auch sie noch immer konfrontiert wird. "Heutzutage taten's wahrscheinlich auch noch sagen: Ist bestimmt eine Feministin oder so. Weil des ist ja sowas wie eine Krankheit." Bei einem Mann dagegen würde das anders ausgelegt, lieblicher gesehen: "Mei, der Sepp, hat er heut an schlechten Tag. Bist grantig, Sepp, komm, trink noch ein Bier."

Capriccio-Porträt: Eva Karl-Faltermeier

Karl-Faltermeier hat Politikwissenschaft studiert, in einer Politik-Redaktion und bei einem Wirtschaftsunternehmen gearbeitet. Aber Zuschauer (überwiegend die älteren Herren) zeigen sich immer wieder erstaunt, dass ihr Programm "so politisch" sei. Sie spricht über ihre Wut: auf die neuen Rechten, salonfähigen Rassismus und den Hass im Netz. Neben der Politik beschäftigt sie sich in ihren Programmen viel mit der Unordnung, dem Scheitern und ihrer realen Rolle als alleinerziehende Mutter – mitunter beim Bayern 2 Podcast "Eltern ohne Filter". Wenn sie zum Beispiel in irgendeinem Rückbildungskurs saß, wollte sie lieber neben den Müttern mit den Augenringen sitzen, als neben den perfekten Mamis. "Man muss nicht toujours jammern, aber man kann auch mal kurz sagen: Ich bin enttäuscht von der Gesamtsituation."

Die Momente, in denen das Leben nicht gradlinig verläuft zu entmystifizieren – das ist ihre Kunst:

"Die Leit auf Instagram, die gehn dreimal am Tag zum Essen und dann essen die nicht irgendein Graffel, so eine Butterbrezel vom Bäcker oder sowas. Nein, die essen so Schüsseln, so Bowls. So Pokébowls! Und wenn ich dann von der Arbeit heimkomme oder morgen in der Früh wieder aufstehe und fertig bin vom Auftritt, dann mach ich meinen Kindern vielleicht so ein saures Kartoffelgemüs' mit Zwiebel, Kartoffel und Wiener! Freilich, das schmeckt super, das schmeckt einwandfrei. Aber es ist halt nicht instagramable. Des liked dir doch keiner. Des schaut aus wie wenn's schon jemand gegessen hat."

Eva Karl-Faltermeier

So befreit sie sich und uns mit viel Humor von dem ermüdenden Streben nach Perfektion. Und das ist gerade in der aktuellen Situation sehr heilsam.