20 Stunden Livestream Igor Levit spielt Eric Saties "Vexations"

Aufmerksamkeit schaffen für die Lage von Kulturschaffenden, das will der Pianist Igor Levit. Der Titel des Stücks, das er sich dafür ausgesucht hat, sagt alles: "Vexations", französisch für "Quälereien".

Stand: 29.05.2020 | Archiv

Um auf die Notlage der Kulturschaffenden in aller Welt aufmerksam zu machen, wird der Pianist Igor Levit ein Konzert geben, das zeitliche und kontinentale Grenzen auflöst. Am Samstag, den 30. Mai 2020 wird er um 14 Uhr (CET) in Berlin eine der längsten Kompositionen der Musikgeschichte beginnen: Eric Saties etwa 20-stündiges Werk "Vexations".  

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Live from Berlin: Igor Levit performs Vexations by Erik Satie | Bild: Gilmore Festival (via YouTube)

Live from Berlin: Igor Levit performs Vexations by Erik Satie

Igor Levit: "Ich wollte schon immer die 'Vexations' von Eric Satie aufführen. Das Stück wurde Ende des 19. Jahrhunderts geschrieben. Die wenigen Noten – ein Thema und zwei Variationen – passen auf eine einzige Seite. Doch die 840 geforderten Wiederholungen greifen weit voraus in die Zukunft einer Ästhetik des Repetitiven. Es dauert etwa 20 Stunden, sie zu spielen. Diese Dauer macht die 'Vexations' für mich gerade nicht zu einem 'Ärgernis' oder einer 'Quälerei', wie der Titel suggeriert, sondern zu einem Exerzitium der Stille und der Demut. Sie sind ein einziges Standhalten. Auch deshalb fühlt es sich richtig an, die 'Vexations' jetzt zu spielen. Meine Welt und die meiner Kollegen ist seit vielen Wochen eine andere und wird es wohl auch noch lange bleiben. Die 'Vexations' sind für mich da wie ein stummer Schrei." 

Igor Levit finanziert das Projekt aus Mitteln des Gilmore-Artists-Awards, mit dem er im Januar 2018 ausgezeichnet worden ist. Der Gilmore-Artist-Award ist einer der bedeutendsten Musikpreise für Pianisten und wird alle vier Jahre vergeben.