Streamingtipps 5 Empfehlungen für die Hofer Filmtage

Die Hofer Filmtage sind die wichtigste Plattform für deutsche Nachwuchstalente. Vom 20. bis 25. Oktober steht in Bayern ganz oben wieder das "Home of Films" im Fokus. In diesem Jahr kann das komplette Programm, neben den Kino-Vorführungen vor Ort, auch gestreamt werden. Diese 5 Empfehlungen hat BR-Filmexperte Moritz Holfelder für uns zusammengestellt.

Von: Moritz Holfelder

Stand: 20.10.2020 | Archiv

Hof will seinem Ruf als wichtiger Filmfestival-Standort auch 2020 treu bleiben. Ab heute erleben 125 Spiel- und Dokumentarfilme ihre Deutschland-Premiere bei den 54. Internationalen Hofer Filmtagen. Und das Ganze corona-gerecht.    | Bild: picture-alliance/dpa

TOPRAK

Die in München lebende Nachwuchsregisseurin Sevgi Hirschhäuser hat bereits in vielen filmischen Bereichen gearbeitet und sich vor allem mit dem Schnitt beschäftigt. Irgendwann begann sie, eigene Geschichten zu schreiben. In Hof präsentiert sie ihr Spielfilmdebüt, das von dem Waisenjungen Burak erzählt, der in einer ärmlichen Gegend der Türkei bei seinem Onkel und seiner Großmutter aufwächst. Zusammen verdienen sie ihren Lebensunterhalt mit dem Ernten und Verkaufen von Obst. Die türkischstämmige Filmemacherin findet atmosphärisch berührende Bilder für ein archaisches Leben auf dem Land, und kontrastiert das mit Buraks Traum eines Studiums in der Stadt.

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TOPRAK   Soil Feature Film Official Trailer | Bild: Sevgi Hirschhäuser (via YouTube)

TOPRAK Soil Feature Film Official Trailer

ALTÖTTING

"Wissen Sie, als ich ein Junge war, habe ich mich in die Jungfrau Maria verliebt. Es geschah in einer kleinen bayerischen Stadt namens Altötting". Mit diesen Worten beginnt der neue, nur 11-minütige Animationsfilm des 1968 in Altötting geborenen Andreas Hykade. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen die Musikvideos "Zehn kleine Jägermeister" und "Wahlkampf" für die Band "Die Toten Hosen". Seit 2015 leitet er das Animationsinstitut der Filmakademie Baden-Württemberg. Hykade begeistert mit musikalisch fließend komponierten Bildern und ist weltweit immer wieder auf den großen Trickfilmfestivals vertreten. Zum ersten Mal zeigt der vielfach ausgezeichnete Animationsfilmer, der auch schon vom MoMA in New York eingeladen wurde, einen seiner Filme in Hof. "Altötting" muss man gesehen haben.

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ALTÖTTING de Andreas Hykade (2020) - trailer | Bild: Jorge Leitão Ramos (via YouTube)

ALTÖTTING de Andreas Hykade (2020) - trailer

PASTA IMPERIALE

Der Münchner Regisseur Peter Heller bezeichnet sich gerne als "Dinosaurier des Dokumentarfilms". Letztes Jahr hat ihm die Stadt unter dem Titel "Lust auf Wirklichkeit" eine Retrospektive gewidmet. Seit rund 50 Jahren ist der HFF-Absolvent mit seiner Kamera in den unterschiedlichsten Ecken der Welt unterwegs – für "Plattln in Umtata" (2007) reiste er mit der Biermösl Blosn nach Südafrika. Mit unbeugsamer Leidenschaft spürt Heller den Widersprüchen unserer Welt nach, beschäftigt sich genauso mit der deutschen Kolonialzeit wie mit aktuellen Migrationsbewegungen, hinterfragt Globalisierung, Identität und Heimat. In seinem neuen Film erkundet er, wie die ersten italienischen Gastarbeiter in München zu Entwicklungshelfern der italienischen Küche in Bayern wurden. Die Landeshauptstadt zählt heute rund 1.000 italienische Restaurants. Heller spricht von einer "Gaumeninvasion".

WAS GESCHAH MIT BUS 670?

Es gab schon einige Filme über das tragische Leben in Mexiko – über Drogenkartelle, Bandenkriege, Morde und die Versuche vieler Menschen, ihrer Heimat zu entkommen. Doch kaum einer ist so ungewöhnlich wie das Spielfilmdebüt der Mexikanerin Fernanda Valadez, die das gewaltvolle Thema von Armut und Elend mit faszinierender Poesie inszeniert. Von den ersten Bildern an entwickelt sich ein Sog, dem man sich als Zuschauer nicht entziehen kann. In Hof feiert "Was geschah mit Bus 670?", der gerade beim Zürich Film Festival mit dem Goldenen Auge als bester Spielfilm ausgezeichnet wurde, seine Deutschlandpremiere. Im Mittelpunkt steht der Teenager Jesús, der sich mit dem Bus 670 in Richtung der US-Grenze aufmacht und von dem dann jegliches Lebenszeichen fehlt. Die Mutter begibt sich auf die Suche nach ihm und der Wahrheit eines Verschwindens.

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WAS GESCHAH MIT BUS 670? l Deutscher Trailer | Bild: MFA+Filmdistribution (via YouTube)

WAS GESCHAH MIT BUS 670? l Deutscher Trailer

TAGEBUCH EINER BIENE

Was macht eigentlich eine Biene den ganzen Tag? Oder besser noch: ihr ganzes Leben? Der Dokumentarfilmer Dennis Wells erzählt die rund sechswöchige Biographie einer einzelnen Biene konsequent aus ihrer Perspektive, von der Geburt im Bienenstaat bis zum Tod. Inszeniert hat er das wie einen Spielfilm, ohne dabei biologisch fiktiv zu werden. Seiner Biene hat er eine Erzählerstimme gegeben und folgt neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen, nach denen Bienenvölker nicht einfach nur ein faszinierend funktionierendes Kollektiv darstellen, sondern voller unterschiedlicher Individuen sind – mit sehr ausgeprägten Fähigkeiten und Vorlieben. Auch unter Bienen, sagt der Regisseur, gebe es mutige, feige und arbeitsscheue Existenzen. Kann nicht sein? Doch, man glaubt es, wenn man diesen Film gesehen hat.

Tickets für die Präsenz-Vorstellungen im Kino erhält man online über die Website der Hofer Filmtage zum Preis von 7 Euro pro Vorstellung. Begleitend zu den Kinovorstellungen werden alle Festivalfilme online bei HoF On Demand im Netz gezeigt. Die Filme können als Einzelabruf (VoD) nach der Premiere im Kino gesehen werden. Ausgewählte Filmpremieren werden per Live-Stream aus dem Kino angeboten. Die Nutzung von HoF On Demand ist nur innerhalb Deutschlands möglich. Je nach Film kann es Höchstgrenzen für die maximale Anzahl der Abrufe als auch für den online verfügbaren Zeitraum geben.