Coronabedingt "dahoam" Das Hörbacher Montagsbrettl wird 45

Die älteste aktive Kleinkunstbühne Bayerns, das legendäre "Hörbacher Montagsbrettl", war für viele Künstler*innen wie die Biermösl Blosn auch ein Sprung-Brettl. Für ihr 45-jähriges Jubiläum weicht die Bühne ins Netz aus.

Von: Christoph Leibold

Stand: 07.10.2020 | Archiv

Die Biermösl Blosn beim Hörbacher Montagsbrettl | Bild: Presse

Die "Hörbacher Montagsbrettl Story" hat Toni Drexler schon oft erzählt, unter anderem in einem gleichnamigen Buch zum Schnapszahl-Jubiläum mit dem Untertitel "33 Jahre gelebter Wahnsinn". Inzwischen sind weitere zwölf Jahre vergangen, das Montagsbrettl wird also 45 und darf sich mit Fug und Recht als älteste aktive Kleinkunstbühne Bayerns bezeichnen.

Es waren die wilde 1970er Jahre, da pilgerte Toni Drexler zusammen mit seinem jüngeren Bruder Jakob und dessen Schul-Spezl, einem gewissen Hans Well, regelmäßig aus dem kleinen Dorf Hörbach im westlichen Landkreis Fürstenfeldbruck nach München. In der Stadt, auf legendären Bühnen wie dem MUH ("Musikalisches Unterholz"), dem "Song Parnass" oder der "Liederbühne Robinson" lauschten sie den Darbietungen nicht minder legendärer Kleinkunst-Größen wie Arthur Loibl, Reiner Panitz (bekannt geworden mit den "Mehlprimeln") oder Fredl Fesl. Bis sich Toni Drexler die Frage stellte: Warum eigentlich immer nach München gondeln? Wieso nicht einfach die Künstler aufs Land locken?

Geburtshelfer der Biermösl Blosn

Fredl Fesl beim "Brettl" 1976

Am 20. Oktober 1975, einem Kirchweihmontag, setzte Drexler seine Idee erstmals in die Tat um. Haupt-Act beim ersten Hörbacher Montagsbrettl war kein geringerer als Fredl Fesl. Vier Mark kostete der Eintritt damals. Der Abend im Gasthof Sandmeir, bis heute Heimstatt des Montagsbrettls, war ein voller Erfolg. Von einem "kleinen Feuerwerk in Ton und Wort" berichtete die Regionalausgabe der Süddeutschen Zeitung.

In der Folge entwickelte sich Hörbach rasch zum florierenden Biotop, das tolle Blüten trieb. Hans Well, der anfangs noch allein mit der Klampfe auftrat, tat sich alsbald mit seinen Brüdern Michael und Stofferl zusammen. So wurde Toni Drexler mit seinem Montagsbrettl auch zum Geburtshelfer der Biermösl Blosn (das Titelbild zeigt sie 1978 im Garten von Toni Drexler vor der Hörbacher Kirche), und die wiederum zum Aushängeschild einer anarchisch-bayerischen Musikantenszene, die das in Bayern hingebungsvoll gepflegte Mir-San-Mir-Selbstbild mit subversiv-ironischem Witz als dumpfe Ignoranz entlarvte.

Ein Who-is-Who der bayerischen Kleinkunst-Landschaft

Von Beginn an verstand sich das Montags- auch als Sprung-Brettl. Stets haben dort Künstler*innen ein Publikum gefunden, die noch keine großen Namen hatten. Rückblickend liest sich die Liste derer, die in Hörbach zu Gast waren, wie ein Who-is-Who der bayerischen Kleinkunst-Landschaft. Deshalb an dieser Stelle kein Auszug aus der Gästeliste der letzten 45 Jahre. Man denke sich einfach jeden halbwegs bekannten Namen der Szene und gehe davon aus, dass er auf dieser Liste vertreten ist. Eine Liste übrigens, die permanent um weitere, neue Namen wächst.

Toni Drexler hat die Künstler*innen aufs Land geholt

Toni Drexler spricht gern von "gelebter Wirtshauskultur": Das Publikum kommt, weil man sich beim Montagsbrettl mit Freunden trifft, vor und nach der Vorstellung beieinander hockt und über das Erlebte beim Bier austauscht. Weil das Drumherum stimmt, lässt sich das Stammpublikum auch bereitwillig auf unbekannte Künstler*innen ein. Gerade der Kleinkunst-Nachwuchs muss ja noch immer sprichwörtlich "über die Dörfer" kommen. Ohne Institutionen wie das Montagsbrettl sähe es da düster aus.

Gesteckt volle, gut gelaunte Wirtshaussäle, das mache für ihn das Brettl aus, bekennt Markus Drexler, einer der jüngeren Hörbacher, die vor einiger Zeit bei der Organisation mit eingestiegen sind und mit der Einladung von angesagten bayerischen Bands oder Entdeckungen aus der Poerty-Slam-Szene dafür sorgen, dass das in Ehren ergraute Stammpublikum nicht unter sich bleibt.

Video-Clips für die derzeitige Zwangspause

Die berstend vollen Säle jedoch sind im Moment undenkbar. Seit März und noch bis mindestens Ende des Jahres macht das Hörbacher Montagsbrettl daher Zwangspause. "Brandgefährlich" findet Markus Drexler das. Er fürchtet, dass die Leute sich immer weiter ins Private zurückziehen und das Feiern und Fortgehen verlernen, sollte der derzeitige Zustand noch länger anhalten.

Es wäre nicht nur ein Verlust an Geselligkeit. Das Montagsbrettl steht ja nicht nur für Unterhaltung, sondern mindestens ebenso sehr für den Austausch, für die Begegnung von Menschen und Meinungen. In der viel beschworenen Wirtshauskultur drückt sich demnach (um es mal hochtrabend aber keineswegs übertrieben zu formulieren) ein Stück demokratischen Miteinanders aus. Umso wichtiger, dass das Montagsbrettl auch in der Gegenwart präsent bleibt – wenn schon nicht live vor Publikum, dann virtuell mit Videos; mit Clips von jeweils rund 15 Minuten, die die Montagsbrettl-Mannschaft bei allen Künstler*innen in Auftrag gegeben hat, die im Frühlings- und Herbstprogramm in Hörbach gastieren wollten. Als Kompensation für die ausgefallende Auftrittsgage gab’s Honorare für die Filme. Für Brettl-Fans dagegen ist das Angebot kostenlos.

Montagsbrettl dahoam mit Jess Jochimsen

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Montagsbrettl dahoam - Folge 1 / Jess Jochimsen | Bild: Hörbacher Montagsbrettl (via YouTube)

Montagsbrettl dahoam - Folge 1 / Jess Jochimsen

In loser Folge, aber immer an Montagen, werden die Videos über den Herbst verteilt publiziert. Auch hier auf der BR KulturBühne. Mit dabei sind unter anderem Jess Jochimsen, Claudia Pichler, Michi Sailer oder Hosea Ratschiller. Und am mittleren Oktoberwochenende, wenn das Jubiläums-Festival zum 45-jährigen Brettl-Bestehen hätte stattfinden sollen, gibt’s dementsprechend ein virtuelles Festival mit mehreren Beiträgen kurz hintereinander. Übrigens haben alle angefragten Kabarettist*innen das Angebot, ein honoriertes Video beizusteuern, dankend angenommen. Das Montagsbrettl versorgt damit nicht nur seine Anhänger*innen mit Unterhaltungsstoff. Es leistet auch einen Beitrag zur Unterstützung der darbenden Szene.

Folge 2 mit Claudia Pichler

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Montagsbrettl dahoam - Folge 2 / Claudia Pichler | Bild: Hörbacher Montagsbrettl (via YouTube)

Montagsbrettl dahoam - Folge 2 / Claudia Pichler

Folge 3 mit Michael Sailer

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Montagsbrettl dahoam - Folge 3 / Michael Sailer | Bild: Hörbacher Montagsbrettl (via YouTube)

Montagsbrettl dahoam - Folge 3 / Michael Sailer