Helge Schneider erklärt Jazz Folge 10: Die Improvisation

Jetzt kommt die Krönung: die Improvisation. Sie ist eines der Hauptmerkmale des Jazz und sie ist allgegenwärtig. Helge zeigt es auf: In jedem von uns steckt ein Improvisator.

Von: Ulrich Habersetzer/Roland Spiegel

Stand: 01.05.2020 | Archiv

Das ist das Herzstück. Die Hauptsache. Darum geht's. Jazz ohne Improvisation - schwer vorstellbar. Leben ohne Improvisation - ebenso. Das beginnt schon beim Frühstück und endet quasi nirgends.

Esse ich nun nichts oder wenigstens Wurst oder halt Käsebrot. Spiele ich die verminderte Quinte oder wenigstens die kleine Terz. Erzähle ich dem Chef eine improvisierte Lüge. Beginne ich mein Solo ganz leise oder schon im mezzo piano. All das gilt es zu entscheiden und wieder zeigt Helge: Nichts ist näher am Leben als der Jazz.

Sein Fünfsatz: die Lüge, das Nichtzustandekommen, der Exkurs, das Beiläufige und die Krönung, alles zusammengemischt, kräftig gerührt und eventuell auch geschüttelt und tata: Fertig ist die Improvisation.

Nichts leichter als das und doch unendlich schwer. Selbst Meisterimprovisatoren verbringen Tage um Tage mit den ewiggleichen Tönen und dann, wie ein Blitz, der geniale Einfall. Da heißt es dann Hirn ausschalten, sonst: alles futsch. So ist es immer. Nicht zu viel denken. Ist die Lüge für den Chef nicht überzeugend genug, bekommt man Ärger. Ist die Wurst zu fettig ohne Brot, Bauchweh. Spielt man die verminderte Quinte, wo sie nun wirklich nichts zu suchen hat, tja, dann ist man mal wieder darauf reingefallen, auf die Tücken der Improvisation.

Bei Helge kommt es eben immer anders. Im Jazz und im Leben auch.