"Hader on Ice" So altersweise ist Josef Hader mit seinen 59 Jahren

"Hader on Ice" wie "Holliday on Ice": In Josef Haders Bühnenfigur begegnen sich Jugendwahn und Altersweisheit aufs Witzigste. Josef Hader ist nach 16 Jahren wieder solo auf der Bühne!

Von: Christoph Leibold

Stand: 11.06.2021

Porträt von Schauspieler und Kabarettist Josef Hader 2018 | Bild: picture-alliance/dpa

"Mein letztes Programm…" sagt er. Gut, das mag ein wenig übertrieben sein, ein bisschen kokett. Schließlich ist Josef Hader erst 59. Andererseits: Seine letzte Premiere liegt gut 16 Jahre zurück. Sollte er sich bis zur Nächsten abermals so lange Zeit lassen, wäre er 75. Und wer weiß, was dann ist? Denn "75 ist so ein Zeitpunkt, wo früher der Lehrer gesagt hat: langsam ans Abgeben denken."

"Tod hat keine Relevanz für mein persönliches Narrativ"

"Hader on Ice" ist also ein Programm übers Älterwerden. Vielleicht sogar schon Josef Haders Alterswerk. Im Film, dem er sich die letzten anderthalb Jahrzehnte gewidmet hat, war er unter anderem als Krebspatient zu sehen, der Sterbehilfe in Holland sucht; oder als Schriftsteller Stefan Zweig in den letzten Jahren vor dem Selbstmord. Nun geht es auch im neuen Kabarettsolo um den Tod. Allerdings nicht um den frei gewählten Abtritt von der Bühne des Lebens, eher ums Hinausschieben und Verdrängen. "Tod hat keine Relevanz für mein persönliches Narrativ…", tönt er.

Josef Hader gibt mit unverschämter Lässigkeit den bestens gelaunten Best Ager im smarten Anzug, das Slimfit-Hemd im zweiten Teil des Abends tief aufgeknüpft. Einen jener Typen, die die Sorte von Verzicht und bewusstem Lebensstil predigen, die sich nur leisten kann, wer vorher ordentlich abgesahnt hat im Leben. Ein klassischer Vertreter der Baby-Boomer-Generation. "Super erwischt: zum richtigen Zeitpunkt auf die Welt gekommen, der nächsten Generation alles wegfressen, und zum Schluss schmerzfrei sterben…".

Der einsame Wolf

Zwischendurch schwärmt Hader von den Segnungen des Slow Sex im Alter oder CO2-neutralem Rum aus der Karibik, erzählt die wunderbar abgefahrene Geschichte einer Begegnung mit einem einsamen Wolf, der sich als eine Abspaltung seines alternden Egos erweist, und verbreitet abstruse Verschwörungstheorien: "Alle 100 Jahre wird bei uns die Bevölkerung komplett ausgetauscht…"

Jugendwahn und Alterswahnsinn wohnen nah beieinander bei dieser Bühnenfigur, die so heißt wie der Kabarettist selbst: Josef Hader. Nicht nur das erinnert an sein legendäres Solo "Privat". Wie damals sitzt Hader auch nun auf einem Barhocker und gibt vor, aus dem Nähkästchen zu plaudern. Wieder vermischt er Real-Biografisches mit Fiktivem und Fantastischem zu einer aberwitzigen Nabelschau. "Ich sag mir: Josef, Du warst immer auf der richtigen Seite…".

Grandioser Einstieg in Haders Alterswerk

In früheren Jahren – als Josef Hader noch regelmäßig neue Programme schrieb – versuchte er, mit jedem einen komplett anderen Weg einzuschlagen. Nun dagegen: eine Art Sequel. Dieser Abend könnte auch schlicht "Privat – Teil 2" heißen. Dass er stattdessen den Titel "Hader on Ice" trägt, dürfte selbst-ironisch zu verstehen sein. Die Pate stehenden Holiday-on-Ice-Schlittschuhrevuen funktionieren ja so, dass ehemalige Eiskunstlauf-Stars zeigen, welche Kunststücke sie immer noch draufhaben. Josef Hader macht noch immer eine so glänzende Figur wie eh und je. Aber er hat Meilensteine der Kabarettgeschichte geschaffen, die sich nicht toppen lassen. Also versucht er das auch gar nicht erst, sondern knüpft daran an. Weil er weiß: Er muss weder sich noch seinem Publikum noch etwas beweisen. Das kann man altersweise nennen. Insofern markiert "Hader on Ice" wohl tatsächlich den grandiosen Einstieg ins Alterswerk.

Hader on Ice wird im Herbst auch nach Deutschland kommen.

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