Bayern und der G7-Gipfel Wie in einem Monty-Python-Sketch

Servus in – Deutschland? Im Netz wird diskutiert, warum die G7-Regierungschefs bei ihrer Ankunft in Deutschland von bayerischen Trachtler*innen empfangen werden. Peinlich – oder "endlich indigene Völker beim G7-Gipfel"? Ein Kommentar.

Von: Max Büch

Stand: 27.06.2022 | Archiv

25.06.2022, Bayern, München: Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron (l) und seine Frau Brigitte gehen nach der Ankunft am Flughafen München mit Markus Söder (r, CSU), Ministerpräsident von Bayern, an bayerischen Gebirgsschützen und Trachtlern vorbei. Deutschland ist Gastgeber des G7-Gipfels wirtschaftsstarker Demokratien. Am ersten Gipfeltag wird die weltwirtschaftliche Lage, der Klimaschutz und die Außen- und Sicherheitspolitik mit den Sanktionen gegen Russland beraten.  | Bild: dpa-Bildfunk/Daniel Karmann

Angesichts der schamlosen Selbstinszenierung der CSU unter Markus Söder zum Empfang der G7-Staatschefs am Münchner Flughafen wird im Netz über die Repräsentanz und Außendarstellung von Deutschland durch bayerische Trachtler*innen diskutiert, gestritten und natürlich vor allem auch gelacht. "Bavaria" und "Trachten" trenden auf Twitter und die taz titelt "Endlich indigene Völker beim G7-Gipfel".

Nichts anderes war zu erwarten

Darf der Söder das? Natürlich. Muss das sein? Darüber lässt sich streiten. Aber dass es so kommen würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche – um in der bayerischen Klischeemottenkiste zu wühlen. Markus Söder nutzt jeden denkbaren Moment, um sich in den Vordergrund zu spielen, und die Bilder waren folglich so erwartbar wie letztlich auch der Streit, die Witze, die Häme darüber. Fast ein bissel fad.

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Ciarán 'The Hot One' Dold USA unconditionally surrenders to Bavaria (2022, colourised) https://t.co/E0qq7h6umI

USA unconditionally surrenders to Bavaria (2022, colourised) https://t.co/E0qq7h6umI | Bild: CiaranDold (via Twitter)

Voll peinlich

Ja, es ist peinlich, dass Joe Biden von Markus Söder dazu nötigt wird, sich auf dem Flugplatz ins Gästebuch einzutragen. Peinlich: seine CSU-blaue Krawatte. Peinlich, dass sich Trachtenvereine für solche aufdringlichen Rand-Inszenierungen hergeben. Monty Python lässt grüßen:

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Bayerisches Restaurant (Monty Python) | Bild: Jean-Luc Gasser (via YouTube)

Bayerisches Restaurant (Monty Python)

Peinlich sind aber nicht per se die Menschen in Tracht. Auch wenn die""indigenen Völker beim G7-Gipfel" von taz satirisch gemeint sind, trifft der Titel doch einen sehr wahren Kern jenes Bildes, das der Rest von Deutschland noch immer von Bayern hat – und ist sicherlich deshalb auch so lustig. Denn auf Twitter verhält es sich nicht anders als in den Biergärten auf dem Land im Sommer, wenn Urlauber*innen aus dem Rest des Landes die Menschen in Tracht unbeholfen anschielend denken: Die sehen ja wirklich so aus! Und die reden auch so komisch! Die Ignoranz gegenüber diesen kulturellen Eigenheiten, die im besten Fall wie ein Kuriositätenkabinett neugierig bestaunt, bisweilen aber durchaus auch mit einem Völkerschau-Habitus abschätzig verlacht wird – die ist peinlich.

Leider tragen solche Inszenierungen in zweierlei Richtungen zu diesem schiefen Bayernbild bei: Die CSU kann sich wieder als politische Heimat der bayerischen Traditionspflege stilisieren. Und der Rest von Deutschland setzt alle bayerischen Trachtler*innen dem CSU-Konservativismus gleich. Gegen die politische Instrumentalisierung der Tracht durch die CSU lässt sich nur bedingt etwas machen – man muss ihr aber nicht den Gefallen tun, diese Sichtweise auch noch zu übernehmen.