Online-Petition 40.000 Unterschriften für einen harten Lockdown

Eine am Sonntag gestartete Petition ist kurz davor, das nötige Quorum von 50.000 Unterstützenden zu erreichen. Warum sich die Initiatoren gerade von denen Zustimmung erhoffen, die unter den aktuellen Maßnahmen leiden.

Stand: 29.03.2021 | Archiv

Notbremse mit Mundschutzmaske | Bild: picture alliance / | -

Steigende Infektionszahlen und um sich greifende Mutantenviren, offene Büros und Fabriken aber geschlossene Kulturstätten, dazu halbgare Beschlüsse einer zerstrittenen Ministerpräsidenten-Konferenz, die dann wieder zurückgenommen werden – es gibt viele Gründe, das aktuelle Pandemie-Management für nur bedingt gelungen zu halten. Und wie aktuelle Umfragen zeigen, ist die Mehrheit der Bevölkerung zwar müde von der endlosen Pandemie, aber dennoch mehrheitlich für härtere Maßnahmen zu deren Eindämmung.

Diesem Wunsch versucht nun eine Petition Ausdruck zu verleihen, im Wortlaut: „Wir fordern einen strikten Lockdown gegen die dritte Welle. Jetzt.“ Im Petitionstext, gerichtet an niemand geringeren als Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie die Ministerpräsidenten und -präsidentinnen der Länder, ist die Rede von einem „umfassenden, kurzfristigen Lockdown von zwei Wochen“. Als Vorbilder werden dabei Staaten wie Irland, England und Portugal genannt, die mit ähnlichen Maßnahmen zuletzt erfolgreich ihre Zahlen senken konnten.

"Dafür hätte sich Frau Merkel in unseren Augen entschuldigen müssen"

Gestartet am Sonntag, nahm die Petition bereits am Montagnachmittag mit mehr als 40.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern Kurs auf das nötige Quorum von 50.000 Unterschriften: Dann leitet die Petitions-Plattform das Anliegen zur Stellungnahme an die Entscheidungsträger weiter. Initiiert wurde die Petition von dem Journalisten und Autoren Friedemann Karig und der Autorin und Schauspielerin Samira El Ouassil, die einen gemeinsamen Podcast betreiben. Im Gespräch sei den beiden aufgefallen, dass die letztgültigen Beschlüsse der Ministerpräsidenten-Konferenz mit der Absage der sogenannten „Osterruhe“ am Ende „genau nichts, nada, zero“ hervorgebracht hätten, so Karig gegenüber der Kulturbühne: „Dafür hätte sich Frau Merkel in unseren Augen entschuldigen müssen: dass man wieder erst auf die heiße Herdplatte fassen muss, sprich hohe Infektions- und damit zwangsläufig auch Todeszahlen riskiert, bevor man handelt.“

Lieber kurz und kosequent, als lang und inkonsequent?

Ihren Ärger haben die beiden dann in Form der Petition zu Papier gebracht, laut Karig auch eine wohltuende Maßnahme für die eigene „Psychohygiene“. Natürlich habe man Verständnis, dass nicht alle sich nach neuen Maßnahmen sehnten: „Vielleicht aber stimmen uns gerade diejenigen zu, die seit einem Jahr immer wieder besonders unter den Lockdowns leiden“, meint Karig. Schließlich würde ein sofortiger, konsequenter Lockdown am Ende kürzer ausfallen als ein nach Wochen beschlossener, inkonsequenter. Denn, dass der Lockdown käme, sei so oder so unumgänglich. Angesichts der exponentiell steigenden Infektionszahlen würde allerspätestens Ende April gehandelt, da dann wieder überfüllte Intensivstationen drohten.

Im Gegensatz zu anderen Initiativen wie #ZeroCovid oder #NoCovid, die beide detaillierte Pläne für eine effektivere Bekämpfung der Pandemie vorlegten, verzichtet die neue Petition auf einen allzu konkreten Maßnahmenkatalog: „In einer akuten Notsituation, in der jeder Tag, den man zögert, Menschenleben kostet, ging es uns mit der Petition um Schnelligkeit, nicht um Nachhaltigkeit“, sagt Karig.

Rechnen sie sich mit ihrer spontanen Petition höhere Chancen aus als ihre Vorgänger, die allesamt bisher wenig bis gar keine Berücksichtigung in der Regierungspolitik finden? Allzu viel Hoffnung habe man nicht, sagt Karig: „Aber wir glauben, dass es vielen Menschen so geht wie uns: Man kann doch diesen kindischen Trotz nicht einfach hinnehmen, mitten in einer dritten Welle mit einer gefährlicheren Mutante, die schon halb Europa lahmgelegt hat, unbedingt Öffnungen durchzudrücken.” Angesichts des bereits nach einem Tag schon riesigen Zuspruchs ist Karig dann aber doch optimistisch: “Wer weiß, vielleicht hören Laschet und Co ja auf eine Million Stimmen?“