Jugend von gestern Die BRAVO wird 65!

Seit Generationen klärt die BRAVO junge Menschen über Mode, Pop und Sex auf - in den vergangenen zehn Jahren hat sie allerdings ein ganz klein wenig Staub angesetzt.

Stand: 31.03.2021 | Archiv

Erste Ausgabe der BRAVO, auf dem Cover: Marylin Monroe | Bild: picture alliance / dpa | Bauer Media Group

Seit 1956, dem Jahr, in dem Freddy Quinn in den Charts mit "Heimweh" auf der Nummer 1 landete, gibt es die Bravo. Am 26. August 1956 lachte Marylin Monroe vom Cover der ersten Ausgabe. Anfangs hatte die Zeitschrift den Untertitel „Magazin für Film und Fernsehen“ und war noch weit entfernt von Doktor Sommer-Fragen à  la: "Ist mein Penis zu klein?" Wenige Monate später wurde dann mit dem Untertitel "Zeitschrift mit dem jungen Herzen" langsam klar, in welche Richtung es gehen sollte.

"Ich habe eben eine Marktlücke entdeckt"

Der Journalist Peter Boenisch und der Verleger Helmut Kindler hatten die richtige Idee zur richtigen Zeit. Ihr gemeinsames "Baby", die Jugendzeitschrift mit dem leicht anrüchigen Touch, Redaktionssitz in München, hatte derartig Erfolg, dass Kindler später aus den Gewinnen sein renommiertes Literaturlexikon finanzieren konnte: "Ich habe eben eine Marktlücke entdeckt. Es gab keine Zeitschrift für die Teenager. Und die hat ja auch einiges bewirkt: die ganze Verklemmung der Sexualität hat sich verändert und Eltern Verantwortung abgenommen", sagt Kindler gegenüber dem BR.

Dabei hat man allerdings ziemlich klein angefangen: Die Redaktion bestand in den Anfangsjahren aus dem Chefredakteur, einer Sekretärin und drei Mitarbeitern: Einer für Serien, einer für Filme, einer für Musik. Lag die Auflage zu Beginn noch bei 50.000, erreichte die BRAVO dann schon nach einem Jahr eine Anzahl von 440.000 Exemplaren.

"Zentralorgan" der jungen Generation

In den Anfangszeiten der BRAVO war von einem "Doktor Sommer" noch keine Rede. Statt dessen beriet in Liebesdingen ein Doktor Christoph Vollmer, hinter dem sich niemand anderes verbarg als die spätere Besteller-Autorin Marie-Louise Fischer. Erst 1969 übernahm dann der Psychotherapeut und Religionslehrer Dr. Martin Goldstein unter dem berühmten Pseudonym. In den 70er und 80er Jahren lag die Auflage dann konstant über einer Million und hätte sich längst zum "Zentralorgran" der jungen Generation entwickelt.

Erste Ausgabe der Zeitschrift BRAVO von 1956 | Bild: picture alliance / akg-images zum Audio 65 Jahre BRAVO Petting, Pop und Pickelcreme

Wie geht Petting? Oder Was ist der neueste Modetanz? - Diese Fragen klären Jugendliche seit 65 Jahren mit der BRAVO. Generation für Generation findet in der legendären Zeitschrift all das, was sie sich von den eigenen Eltern nicht sagen lassen will. Eine Reise durch die Jahrzehnte! [mehr]

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und dem Aufkommen sozialer Medien, in denen Jugendliche sich nun schnell und direkt selbst informieren und austauschen konnten, hatte es die gute, alte Bravo dann ab den Zehnerjahren zunehmend schwer. Die Auflage sank stetig, zuletzt betrug sie nur noch 90.000, sie erschien zudem nur noch monatlich. Der zuständige Bauer Verlag lagerte die Produktion der Bravo Ende 2020 aus: Seit der Februarausgabe dieses Jahres ist ein Kölner Redaktionsbüro für die Print-Bravo zuständig. In München will man sich künftig ganz auf dem Ausbau des digitalen Angebots konzentrieren, um mit dem Medienverhalten junger Menschen mithalten zu können.

Lust auf Wellness- und Sextipps aus den Sechzigern? Hier können Sie mit einer frühen BRAVO-Leserin durch die ersten Jahrzehnte der Zeitschrift reisen.