Haus der Kunst Kunst zum Anfassen - Franz Erhard Walther

Diese Kunst will keinen Abstand schaffen. Sie will Kontakt aufnehmen, die Besucher*innen umhüllen. Franz Erhard Walter ist einer der großen deutschen Künstler - Vorträge und ein virtueller Rundgang erlauben jetzt eine virtuelle Annäherung.

Von: Stefan Mekiska/Martin Zeyn

Stand: 20.11.2020

Ausstellung "Shifting Perspectives" im Münchner Haus der Kunst | Bild: Haus der Kunst

Franz Erhard Walther arbeitet seit sechs Jahrzehnten mit Stoff - Stoffbahnen sind sein Markenzeichen, ebenso die Performances, in denen sich Menschen in seine Kunst einwickeln. Deswegen lagern jetzt viele einfarbige Textilien fein gefaltet in Stapeln bunt auf dem Boden der großen Halle im Haus der Kunst München. "Wandformationen" aus Stoff greifen dreidimensional in den Raumein. Sie schaffen eine Mischung aus Malerei, Skulptur und Architektur.

Kunst kann man bei Franz Erhard Walther nicht nur sehen, sondern muss sie erfahren. Leider konnte schon vor Corona nicht jede und jeder einfach auf einer "Schreitbahn" des Künstlers auf- und abschreiten. Oder sich ein Textil nehmen und es sich irgendwie um den Körper wickeln. Der Künstler achtet auf den ordnungsgemäßen Zustand seiner Werke. "Es geht dann, wenn Anleitung da ist," sagt er. Das funktioniert dann so: "Unten dieses große Feld: Es waren insgesamt um zwölf junge Leute da, die sich abwechseln, die während der gesamten Ausstellung da sind und die das Ganze betreuen, die Handlungen zeigen. Und das Publikum ist eingeladen, da mit zu agieren."
Und anschließend werden die Textilwerke wieder schön in den Stapel zurück gefaltet. Aber - und hier sind wir im Zentrum von Franz Erhard Walthers Kunstdenken – auch die ruhenden, nicht-aktivierten Arbeiten sind Kunst. In der ruhenden, in der "Lagerform" sind seine Textilobjekte auch schon im Dialog mit den Besucherinnen und Besuchern: "In der Lagerform kann ich sagen, ich muss die Handlung imaginieren oder ich projiziere meine Formvorstellung darauf, durchaus im traditionellen Sinne. Im Handeln wird das zu was ganz Anderem. Da werden die Stücke zu einer Art Werkzeug."

Symposion, Film und Audio-Einführung

Eigentlich kommt die Kunst von Franz Erhard Walther fast ohne Erklärung aus: Sie ist direkt erfahrbar. Aber manchmal hilft es ja, wenn das Einfache gut erklärt wird. Am 28.11. findet ein Sympsosion im Haus der Kunst statt, an dem der Künstler selbst teilnimmt.

Vorab unbedingt sich - falls Sie es bisher nicht ins Haus der Kunst geschafft haben - eine Einführung online mit einer Audio Tour erhalten und/oder sich den Film zum Werk anschauen.