Serie "Cruel Summer" Der ideale Urlaubskrimi in Serienform

Ein Blick in menschliche Abgründe und eine genüsslich Thrillerstory mit vielen unerwarteten Wendungen: Die Prime Video Serie "Cruel Summer" ist zwar komplex erzählt, liefert aber beste Unterhaltung über zwei Mädchen und ihre verhängnisvollen Entscheidungen.

Von: Vanessa Schneider

Stand: 05.08.2021 | Archiv

Jeanette mit ihren beiden Freunden Mallory und Vince in der Mall in einer Szene aus der Freeform-Serie "Cruel Summer" bei Amazon Prime Video. | Bild: Freeform/Bill Matlock

Wäre "Cruel Summer" ein Buch, es wäre die perfekte Strandlektüre: so spannend, das man es am Liebsten in einem Rutsch lesen will – und dabei sogar einen Sonnenbrand riskiert.

Die Serienhandlung beginnt im Juni 1993, in einem kleinen texanischen Ort. Die schüchterne, zahnspangen-tragende Jeanette bewundert von den niederen Rängen der Coolness-Skala aus ihre Mitschülerin Kate, die an der Spitze steht. Sie ist fasziniert von der hübschen Kate, ihren stylischen Outfits, dem sportlichen Freund und ihrer perfekten, einflussreichen Familie. 

An ihrem 15. Geburtstag trifft Jeanette (Chiara Aurelia) zufällig in der Mall auf Kate (Olivia Holt).

Dann verschwindet Kate plötzlich und alles ändert sich. Jeanette (Chiara Aurelia) füllt die Lücke, die Kate hinterlassen hat: Sie datet deren Freund, übernimmt ihren Look und ihre Clique. Das Glück ist von kurzer Dauer. Als Kate nach zehn Monate wieder auftaucht, beschuldigt sie Jeanette in ihr Verschwinden verwickelt gewesen zu sein...

"Cruel Summer" erzählt die Geschichte von Kate (Olivia Holt) und Jeanette über drei Jahre synchron. Daraus ergibt sich eine fragementierte Erzählweise, die durchaus herausfordernd ist für die Zuschauenden. Sie müssen das Puzzle selbst zusammensetzen und Leerstellen füllen – immer auf der Suche nach Hinweisen, die erklären, welche der Beteiligten lügen und vor allem, warum.

Eine genüssliche Suche nach der Wahrheit

Wenige Monate nach Kates Verschwinden nimmt Jeanette deren Platz ein.

Die geschickte Dramaturgie wird durch die Inszenierung gestützt: Jedes der drei gezeigten Jahre – 1993, 94 und 95 - hat eine eigene Farbgebung. Am Anfang, als alles noch in Ordnung ist, leuchten die Farben sehr bunt, zwei Jahre später ist die Stimmung gedrückt, ein düsterer Blauton überwiegt in den Bildern. Die Gesellschaft und Medien verurteilen Jeanette allzu schnell und folgen blind Kates Vorwürfen. Wer Opfer und wer Täterin ist, scheint eindeutig. Die Serie spielt mit den gesellschaftlichen Erwartungen an junge Mädchen und konfrontiert die Zuschauenden mit ihren eigenen Annahmen über sie. Das wird besonders gut deutlich durch Jeanettes Entwicklung vom verunsicherten Teenie zum populärsten Mädchen der Schule und schließlich zur Ausgestoßenen.

Jede der zehn Folgen endet mit einem Cliffhanger oder einer weiteren Enthüllung, die die Story in eine neue Richtung lenkt. Und jede weitere Folge gräbt ein bisschen tiefer in den seelischen Abgründen der beiden Mädchen, in den Geheimnissen und Verwerfungen ihrer Freunde und Familien.

Überrascht und fesselt

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Cruel Summer | Offizieller Trailer | Prime Video DE | Bild: Amazon Prime Video Deutschland (via YouTube)

Cruel Summer | Offizieller Trailer | Prime Video DE

Hinter der Serie steckt die Schauspielerin und Produzentin Jessica Biel. Sie beweist auch bei "Cruel Summer" wieder ihr sicheres Gespür für einen guten Thriller. Zuvor hatte sie bereits die Bestseller-Verfilmung von Petra Hammesfahrs gleichnamigen Roman "The Sinner" produziert und darin die Hauptrolle übernommen: Eine Frau, die wie aus dem Nichts einen ihr unbekannten Mann tötet. Die rätselhafte Tat wirft Fragen nach Schuld, Verantwortung und Motiv auf. Sie sind, wie auch in "Cruel Summer" nicht so leicht zu beantworten, wie es auf den ersten Blick scheint.
Das ist eine bekannte Formel für gute Thriller Stories – "Cruel Summer" ist eine der wenigen Serien, die trotzdem zu überraschen und fesseln wissen.

Die Serie "Cruel Summer" ist ab dem 06.08. bei Prime Video abrufbar.