Gernot-Roll-Tage in München Gedenken an den großen Kameramann und Regisseur

Von: Gregor Wossilus

Stand: 29.03.2022

Gernot Roll zählt zu den bedeutendsten Kameramännern des deutschen Films. | Bild: BR/MICHAEL PRAUN

"Es gibt für mich keinen Beruf der Welt, wo man so viel erlebt. Das heißt: Die vielen Orte, die man kennenlernt, die vielen Menschen, die man kennenlernt, die vielen Situationen, die man kennenlernt, da gibt es nichts Vergleichbares. Und das ist es, was mich an der Stange hält und was mir so Spaß macht", sagte Gernot Roll einst über seine Arbeit beim Film.

Er war ein Visionär mit Adlerauge, ein Geschichtenerzähler. 81 Jahre wurde er alt, hinterlassen hat er Filmmomente für die Ewigkeit. Er drehte mit den großen Regisseuren seiner Zeit, mit Axel Corti, Franz Peter Wirth, Peter Sehr, Heinrich Breloer oder Daniel Harrich. Er saß hinter der Kamera bei deutschen Meilensteinen wie "Heimat – Eine deutsche Chronik" von Edgar Reitz, Helmut Dietls Erfolg "Rossini", Sönke Wortmanns "Kleine Haie" und natürlich Caroline Links Oscar-Gewinner "Nirgendwo in Afrika" . Roll erschuf Kino der eindrucksvollen, unvergesslichen Bilder. Regisseurin Caroline Link hat auch eine kleine Ausstellung kuratiert, die ab 30. März begleitend zu den Gedenktagen in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zu sehen ist.

Fünf Tage Programm zu Gernot Roll

Gernot Roll 2015 bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater, München

Los gehen die "Gernot Roll Tage" am Mittwoch, 30. März, um 18 Uhr mit einem Film- und Vortragsabend. Regisseur Edgar Reitz wird ein Kapitel über Gernot Roll aus seiner noch unveröffentlichten Autobiografie lesen. Im Anschluss daran zeigt die Akademie die neunte Episode aus dem ersten Teil der "Heimat"-Trilogie von 1984 – die Geschichte des 16-jährigen Hermännchen und seiner Liebe zu Klärchen, einer elf Jahre älteren Sekretärin.

Regisseur Edgar Reitz erzählte über die Zusammenarbeit mit Roll 1981: "Das Ergebnis ist ja eine Einheit, die durch Teamarbeit entsteht, aber letztlich dadurch, dass ein innerer Geist alle verbindet. Und das ist für immer etwas sehr Entscheidendes gewesen in der Zusammenarbeit mit Gernot Roll, weil er ein massives Erzählinteresse hat, er erzählt mit der Kamera."

Ein vielseitiger Handwerker des Kinos

Bereits als 14-Jähriger begann Roll eine Ausbildung zum Kamera-Assistenten bei den Defa-Studios in Babelsberg. In den frühen Sechzigern kam er zur Bavaria Film in Geiselgasteig, dort begann seine Karriere als Kameramann.

Roll führte auch Regie und schreckte dabei selbst vor Spezial-Effekt-intensiven Stoffen nicht zurück. Zum Beispiel wurde sein "Der Räuber Hotzenplotz" 2006 ein Erfolg an den Kinokassen. Dabei war Roll zu Anfang gar nicht filmverrückt, wie er selbst einst erzählte:

Filmszene aus "Nirgendwo in Afrika" (2001), für den Caroline Link den Auslands-Oscar gewann. Kamera: Gernot Roll.

"Mein [ältester] Bruder war Orgelbauer. Der zweite, der mittlere, wurde Wissenschaftler, der war Biologe. Für den Kleinen müssen wir auch was finden [hieß es], und da tat sich ein Türchen auf. Der musste zum Film, durfte beim Zirkus mitmachen, so hat das meine Mutter für mich entschieden. Ich wollte nicht, ich war kein Cineast als Kind."

Und dennoch avancierte Roll zu einem der gefragtesten Kameramännern Deutschlands. Regisseurin Caroline Link hat eine kleine Idee davon, was Roll so erfolgreich machte: "Das Schöne bei Gernot ist, dass er sich auch im fortgeschrittenen Alter diese Neugier bewahrt hat. Mit dem Gernot zum ersten Mal in Kenia nach Motiven zu suchen oder Menschen zu begegnen, die einen irgendwie weiterbringen, irgendeine Erkenntnis, wie es zu sein hat oder so, das ist ja ein Geschenk."

Gernot Roll zum Gedenken, Mittwoch, 30. März, bis Sonntag, 3. April, täglich 11 bis 17 Uhr, Bayerische Akademie der Schönen Künste, Max-Joseph-Platz 3, www.badsk.de