Meinung Kinder und Corona? Passen einfach nicht zusammen

Weil Herr Piazolo und andere ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, müssen Schüler, Eltern und Lehrer in der Faschingswoche nachsitzen. Jetzt bleibt nur das Hoffen auf den Haussegen von den Sternsingern. Ein Erfahrungsbericht einer Mutter

Von: Andrea Mühlberger

Stand: 07.01.2021 | Archiv

Das Kindermissionswerk "Die Sternsinger" hilft beim kontaktlosen Sternsingen. | Bild: © Ben Pieper / Kindermissionswerk

Die Sternsinger waren nicht da. Nicht, dass wir sie erwartet hätten. Es war ja überall zu lesen, dass es in diesem Corona-Winter bestenfalls online klappen würde, mit dem Haussegen, den wir doch so dringend nötig hätten. Schließlich sind wir im verschärften Lockdown wieder ganz auf uns zurückgeworfen als Familie: Vater, Mutter, Kind – naja, zwei Kinder. Home-Schooling-Kinder. Und zwei Home-Office-Eltern. Ein Familienmodell, das in Zeiten von Corona unzeitgemäß ist, wie wir feststellen mussten: Denn seltsamer Weise kollidieren die Beschlüsse der Staatskanzlei ständig mit unserer Realität. Aber daran sind natürlich die Familien schuld – überforderte Eltern, demotivierte Kinder. Und dann noch die träge Lehrerschaft! Drei Monate Ferien pro Jahr, aber immer nur meckern!

Unterricht am Telefon – geht das?

Der Kultusminister dagegen bemüht sich schon seit Monaten, eine bockige Lernplattform fit zu machen für den längst eingetretenen Ernstfall. Aber es ist zum Verzweifeln: Der sture Esel Mebis will sich einfach nicht hochtrainieren lassen. Zum Glück gibt’s noch das gute alte Telefon. Hauptsache, der Distanzunterricht kommt ins Laufen und funktioniert die nächsten drei Wochen. Egal wie – ausbaden müssen das eh wieder Schulen und Familien.
Dabei haben es sogar die Sternsinger geschafft, zumindest ihre Botschaft online zu verbreiten. Warum bekommen das die Schulen in Bayern eigentlich nicht auf die Reihe? Hier ist erstmal Schluss mit lustig: die Faschingsferien – gestrichen. Kein Fasching, keine Faschingsferien, so einfach ist das für Herrn Söder. Stattdessen durchpauken bis Ostern. Weil Herr Piazolo und andere ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, müssen Schüler, Eltern und Lehrer in der Faschingswoche nachsitzen. Wie praktisch: Viele Eltern haben sich ja eh Urlaub genommen. Und statt Erholung heißt es jetzt halt, lernen, lernen, lernen, damit der Lehrplan am Ende doch noch geschafft wird.

Familienprojekt Unterricht

Apropos Haussegen: Die Eilmeldung vom Ferienausfall war überhaupt die schlimmste Botschaft am Dreikönigstag. Als sie aufploppte und eine Minecraft-Session meines Sohnes abrupt beendete, knallte der 10-jährige dermaßen sauer die Tür zu, dass Opas Porträt von der Wand stürzte. Ein Wink aus der Ewigkeit? Als wollte uns der Weise aus dem Wolkenland zurufen: "Selbst schuld, wenn ihr Kinder in die Welt setzt! Und euch auch noch einbildet, beide arbeiten zu müssen, euch im Beruf zu verwirklichen." Keine Spur von Mitleid. Null Empathie. Hat er doch Recht gehabt, der Alte? Warum haben wir nicht auf ihn gehört und auf seine Warnungen vor der Familienpolitik im Freistaat? Kinder und Corona passen einfach nicht zusammen. Und wie schön hätten die langen Weihnachtsferien für Kultusminister Piazolo sein können, gäbe es nicht diesen lästigen Bildungsauftrag. Warum können das in der Krise die Eltern eigentlich nicht komplett übernehmen? Machen sie doch auch sonst schon, schließlich ist das bayerische Schulsystem nur als Familienprojekt zu schaffen – aber das wussten wir schon vor der Krise.

Auf dieser Schule ruht kein Segen

CMB – Christus Mansionem Benedicat: "Christus segne diese Wohnstätte". 2021 ist dieser Segen also ausgeblieben. Ausgerechnet. Die Sternsinger sind nicht gekommen. Vielleicht haben sie den Stern der Hoffnung in diesem Jahr einfach nicht gefunden? Ein tragisches Omen, schließlich sind Caspar, Melchior und Balthasar ja auch die Schutzpatrone von Reisenden, Pilgern, Kaufleuten und Gastwirten – auch für sie geht die Durststrecke im Lockdown weiter.

Im Radio habe ich gehört, dass man sich in den Kirchen geweihte Kreide abholen kann: Dreikönigs-Kits, um sich den Segen selbst über die Haustür zu schreiben. Vielleicht sollte ich mich schnell auf den Weg machen, solange der Vorrat reicht… Wenn ich mir das familiäre Chaos hier so anschaue: die gähnende Langeweile, die nervöse Ruhe vor dem Sturm, vor dem angekündigten Stress zum familiären Home-School-und Home-Office-Start.

Gibt es eine schönere Hausmusik als den atonalen Gesang von vier gleichzeitig laufenden Video-Konferenzen? Den lieblich-hoffnungsfrohen Chor der Sternsinger vielleicht, vor der eigenen Haustür. Doch die sind diesmal nicht gekommen. Oder schauen sie doch noch vorbei? Die Aktion wurde bis Mariä Lichtmess verlängert, heißt es. Vielleicht kommen sie doch noch. Vielleicht geschieht noch ein Wunder – und Mebis stürzt nicht mehr ab.