Wiedereröffnung am 14. Mai Tschaikowskis "Eugen Onegin"

In Russland hat das Stück die gleiche Bedeutung wie bei uns der "Faust": "Eugen Onegin". Das Gärtnerplatztheater öffnet mit seiner Inszenierung des russischen Klassikers endlich wieder die Pforten.

Von: Martin Zeyn

Stand: 12.05.2021

Mann (Mathias Hausmann) und Frau (Camille Schnoor) auf dunkler Bühne | Bild: Christian POGO Zach

Ein Klassiker der Operngeschichte und ein Literaturklassiker: "Eugen Onegin" oder korrekt Evgenij Onegin. Den Roman in Versen kennt jedes Schulkind in Russland und (fast) jeder Russe kann zumindest ein paar Zeilen Puschkin auswendig vortragen. Aber anders als bei Goethe spielte Puschkins Drama in der Gegenwart, sein Held kämpfte nicht mit dem Teufel, sondern mit der Langeweile und dem Byronismus, einer im 19. Jahrhundert verbreiteten, meist harmlosen Form einer literarischen Vergiftung. Ein Mann von Welt, der sich die Nägel pflegte, sich modisch kleidete, Französisch parlierte - und doch nicht recht zur russischen Gesellschaft passen wollte.

"Applaus rauscht auf. Da kommt Onegin,
Stelzt über Beine durch die Reihn
Und stellt sein Opernglas verwegen
Auf fremder Damen Logen ein."

Puschkin: Eugen Onegin

Die Geschichte selbst bietet viel Opernstoff: ein Duell, sinnlos wie nur je eines sein konnte, und eine große Liebe ohne Erfüllung. Puschkin war ein feiner Ironiker, Tschaikowski hingegen nutzte den Stoff für großes, lyrisches Opernkino.