Neue Krimireihe aus Passau Leichen in der Drei-Flüsse-Stadt

Es passieren mysteriöse Dinge in Passau – zumindest in der neuen Donnerstags-Krimireihe "Ein Krimi aus Passau". Auf klassische Ermittler-Teams wird verzichtet. Im Mittelpunkt steht eine Mutter, die sich samt Tochter in ein Zeugenschutzprogramm begeben muss und die große Frage, wem sie eigentlich trauen können in ihrer neuen Heimat Passau, der scheinbar makellos schönen und sicheren Barock-Stadt.

Von: Marie Müller

Stand: 25.09.2020

Marie Leuenberger in einer Szene aus "Freund oder Feind. Ein Krimi aus Passau" | Bild: BR

Man merkt gleich, dass sie sich hier nicht richtig wohl fühlen, fehl am Platz sind: Frederike Bader (gespielt von Marie Leuenberger) und ihre Teenie-Tochter Mia (Nadja Sabersky). Schnell wird auch klar, wie sie ungewollt in dieses "idyllische Nest" kamen und weg mussten aus ihrer bunten Heimat Berlin: Frederike Bader heißt überhaupt nicht Frederike. Sie ist Ex-Polizistin und hat gegen einen Berliner Clan-Boss ausgesagt. Dank eines Zeugenschutzprogrammes kann sie mit ihrer Tochter ein neues Leben beginnen.

Niemand in Passau weiß, dass Frederike in ihrem früheren Leben zuletzt Gruppenleiterin einer ermittelnden Spezialeinheit des BKA war, Tochter Mia eine Karriere als Drogendealerin und einen Knastaufenthalt hinter sich hat. Und so beschaulich der Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz in langen, tollen Drohnenaufnahmen anmutet, so wenig romantisch ist der Alltag der beiden: Mia arbeitet als Verkäuferin in einer Bäckerei, ihre Mutter als Qualitätskontrolleurin in einer Schmiede. Ein Leben im Versteck und in ständigem Misstrauen, permanent in Angst, doch entdeckt zu werden.

Freund oder Feind?

Und es wäre ein schlechter Krimi, wenn nicht genau das passieren würde: Der urige österreichische Privatdetektiv Ferdinand Zankl (Michael Ostrowski) kommt ihnen auf die Schliche – aber was hat er vor und wer hat ihn beauftragt?

Hauptdarstellerin Marie Leuenberger verrät schon mal so viel: "Beide belauern und verdächtigen sich gegenseitig; und ein schrecklicher Verdacht scheint sich zu bewahrheiten. Diese schicksalhafte Begegnung voller Misstrauen und gegenseitigem Ausspionieren prägt die beiden Folgen der neuen Reihe. Dazu kommt noch eine rebellische Tochter, die sich mit der Situation, anonym bleiben zu müssen, nicht arrangieren möchte."

Und Michael Ostrowski, der den Privatdetektiv spielt, ergänzt: "Es ist kein typischer Krimi, das ist schon einmal gut. Die Figuren sind vielschichtig, man weiß nicht immer genau, wer der Gute und wer der Böse ist. Man traut sich, diese Ambivalenz zuzulassen. Gott sei Dank, sonst wär’s nämlich vorhersehbar und langweilig."

Berliner Schnauze in Passau

"Freund oder Feind" lautet der treffende Titel des ersten Teils. Als Zuschauer*in windet man sich mit den beiden Frauen: Wer ist hinter ihnen her und mit welchem Ziel? Sind sie in Passau noch in Sicherheit und wenn nicht: Wie weit sind sie bereit zu gehen?

Während man noch rätselt, was der Privatschnüffler mit seinen Infos anfangen wird, gibt in Berlin der inhaftierte Gangster-Boss einen klaren Auftrag: die Liquidierung von Mutter und Tochter.

Die beiden Filme sind als Thriller erzählt, doch man bekommt fast das Gefühl, dass es nicht vorrangig um die Aufklärung einer Mordserie geht, sondern um die Leben der beiden weiblichen Hauptfiguren: Wer sie waren und wer sie jetzt - fernab der Heimat - mit ihren neuen Leben noch sein können, samt ihren Ängsten und Sehnsüchten. Eine Zerrissenheit im idyllischen Mantel. Zwar scheinen die beiden nicht immer sympathisch mit ihrer ruppigen Berliner-Schnauze, aber Ostrowski als Privatdetektiv Zankl bringt eine gewisse Leichtigkeit rein und sorgt mit seinem Wiener Schmäh für gut platzierte Ironie.

Die Tücken der Außendrehs

Die Schönheit der Stadt ist dabei kein Widerspruch zum Inhalt der düsteren 90-Minüter, sondern, wie Regisseur Maurice Hübner erzählt, ein spannendes Geschenk:

"Die vielen Schauplätze und der straffe Zeitplan waren beim Dreh auch eine große Herausforderung. Für eine recht aufwendige Sequenz im Wald (ein Einblick in die römische Vergangenheit Passaus) war alles aufgebaut und vorbereitet - inklusive historischer Kostüme, Kamera-Setup und Nebelmaschinen. Doch kurz bevor die erste Klappe fiel, begann es ordentlich zu schneien. Alles war plötzlich bedeckt mit einer dicken, weißen Puderschicht. Statt den Dreh abzubrechen, entschieden wir uns, den Schnee mitzuerzählen. Kälte und Nässe waren dabei eine Zerreißprobe für die Darsteller in den Rüstungen und auch für die Technik, die es zu schützen galt. Doch kaum waren ein paar Stunden vergangen, begann der Schnee auch schon wieder zu schmelzen. Jetzt mussten wir versuchen, den Schnee, so lange es ging, im Bild zu halten und jedes Fleckchen mit Schaufeln wieder weiß zu bedecken, damit es im Film keine Sprünge gab. Eine echte Herausforderung für das Team. Als Dank haben wir am Ende tolle, atmosphärische Bilder erhalten. Der Schnee war also ein Geschenk. Das Unvorhergesehene ist bei den Dreharbeiten Fluch und Segen zugleich. Für mich war es eine große Bereicherung, die unterschiedlichen Seiten von Passau zu entdecken."

Wie es mit den drei Protagonisten nach den ersten beiden "Krimis aus Passau" weitergeht, steht in den Sternen. Aber so viel ist sicher: Es schlummern bestimmt noch mehr Geheimnisse in der Drei-Flüsse-Stadt.

TV-Termine

  • Freund und Feind. Ein Krimi aus Passau, ARD, 01.10.2020, 20:15 Uhr / webfirst ARD Mediathek ab 28.09.2020
  • Die Donau ist tief. Ein Krimi aus Passau, ARD, 08.10.2020, 20:15 Uhr / webfirst ARD Mediathek ab 05.10.2020