Grand Egyptian Museum Ein neuer Palast für Tutanchamun

Eine Dokumentation zeigt, wie das größte archäologische Museum der Welt entstand: das Grand Egyptian Museum. Wir können zuschauen, wie schwierig der Transport war und sind dabei, wenn das Ausstellungskonzept entwickelt wird.

Von: Bettina Hausler

Stand: 15.04.2021

Kopf des Tutanchamun im Grand Egyptian Museum. | Bild: BR

Direkt neben den Pyramiden von Gizeh entsteht ein Museum der Superlative – das Grand Egyptian Museum. Es ist eines der bedeutendsten Museumsprojekte des 21. Jahrhunderts und mit einer Fläche von über 50 Hektar das größte archäologische Museum der Welt. Eigentlich sollte das Museum schon 2013 fertig gestellt sein und 550 Millionen Euro kosten. Aber immer wieder verzögerten sich die Bauarbeiten, mittlerweile liegen die Kosten bei über 1 Milliarden Euro.

Zuschauen, wie ein neues Museum entsteht

Die Dokumentation begleitet die Arbeiten auf der Baustelle in Ägypten und schaut den Ausstellungsmachern in Stuttgart über die Schulter. Bei dem Transport wichtiger Exponate ist das Filmteam exklusiv dabei und bekommt Einblicke in die Restaurierung dieser einzigartigen Objekte. Ein nervenzerreißendes Warten auf die Eröffnung des Museums beginnt – erst fehlen die finanziellen Mittel, dann verzögern sich die Bauarbeiten und schließlich lässt Corona die Welt erstarren. Herzstück des Neubaus ist der Grabschatz des Tutanchamun, der 1922 von Howard Carter im Tal der König entdeckt wurde. In einer eigenen Galerie werden zum ersten Mal all 5500 Grabbeigaben des Königs ausgestellt, vom königlichen Spielzeug bis hin zur weltberühmten Totenmaske.

Für die Szenografie und das Ausstellungskonzept ist das Stuttgarter Büro Brückner verantwortlich. In einem Auswahlverfahren, das über zwei Jahre ging, setzte sich das Atelier mit seiner Bewerbung unter hunderten international renommierten Gestaltungsbüros durch. Shirin Frangoul-Brückner steht nun mit ihrem internationalem Team von 25 Mitarbeitern vor der Herausforderung, alle Gegenstände dem Besucher zu präsentieren und gleichzeitig über diese Objekte, die ägyptische Geschichte zu erzählen. Das ambitionierte Konzept ermöglicht dem Museumsbesucher drei Entdeckungstouren, einmal begleitet man dem Pharao von seiner Kindheit bis zu seinem Tod, eine andere Möglichkeit besteht, sich Tutanchamun anzunähern, indem man mit der Entdeckung des Grabes beginnt und dann bei den einzelnen Grabbeigaben endet. Für ganz Eilige gibt es die Expresstour.

Schwäbische Frauen-Power und arabische Chefs

Aber das Konzept ist nicht die einzige Herausforderung. Die räumliche Distanz macht es erforderlich, dass die Stuttgarter in regelmäßigen Abständen auf die Baustellereisen, die Fortschritte auf der Baustelle überprüfen und den Auftraggebern das Konzept vorstellen. Ungewöhnlich daran: der verantwortliche Projektleiter ist kein Museumsdirektor, sondern ein General – und Generäle erwarten, dass ihre Wünsche umgesetzt werden. Aber auch diese Situation meistert das Stuttgarter Büro – die Zusammenarbeit läuft sogar so gut, dass die ägyptischen Auftraggeber die Innenarchitekten in Deutschland besuchen. Alle Leitungspositionen des Atelier Brückner in diesem Projekt sind mit Frauen besetzt. Auf ägyptischer Seite haben die Männer das Sagen. Trotzdem funktioniert die Zusammenarbeit. Für beide Seiten eine neue Erfahrung.

Der Grundstein für das Museum wurde bereits 2002 gelegt, 2012 zog in einem Staatsakt der erste Bewohner in das Museum ein. Die Kolossalstatue von Ramses II. wurde in einem feierlichen Zug auf die Baustelle gebracht, die Figur, die nun das Atrium beherrscht, musste umbaut werden, sie hätte sonst nicht mehr in das Museum gepasst!

Finanzielle Unterstüzung aus Japan

Das Museum besteht aber nicht nur aus der Galerie des Tutanchamun, es gibt auch noch Ausstellungsräume, die die Geschichte des Alten Ägypten zeigen, ein Kindermuseum und - nicht zu vergessen - modernste Restaurierungswerkstätten und Labors. Diese werden zum Teil von japanischen Mittelgebern finanziert. Alleine hätte Ägypten das Projekt nicht stemmen können. Nun erstrahlt das Museum, zumindest von außen schon in hellem Licht – es wartet auf seine Eröffnung im Herbst 2021, da ist sich Ägypten sicher. Dieses Museum ist für ein Land wie Ägypten, das vom Tourismus lebt, von Corona gebeutelt wird und auf seine glanzvolle Vergangenheit setzt – Hoffnungsträger für eine bessere Zukunft.