Porträt des Dokumentarfilmers Hans Prockl Miniaturgeschichten aus dem Isental

Seit über 40 Jahren dokumentiert Hans Prockl mit seiner Film- und seiner Fotokamera das Leben der Menschen auf dem Land. Er findet sie im Isental, wo er wohnt. Mit den Geschichten zeigt Prockl auch den unglaublichen Wandel, der in der bayerischen Provinz inzwischen Einzug gehalten hat.

Von: Norbert Haberger

Stand: 05.11.2020

Anwohner vor dem Isenstüberl  | Bild: Hans Prockl / BR

Es ist nichts anderes als Geschichtsschreibung. Oral History. Und zwar von Leuten, die es sonst nie ins Geschichtsbuch schaffen. Sogenannte einfache Leute vom Land. Diesen Menschen verleiht Hans Prockl eine Stimme.

In Buchform und in den zahlreichen filmischen Arbeiten, die Dokumentarfilmer Hans Prockl über Jahrzehnte verfertigt hat, können wir erleben, wie technische, gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen sich in das Leben der Menschen eingeschrieben haben: "Die erzählen das ja gern", sagt Prockl, "die möchten ja was los werden. Und das ist auch wichtig, was die erzählen, das sind ganz kleine Geschichten, Miniaturen. Das sind Miniaturgeschichten."

Originale aus dem Isental

Der 1948 geborene Prockl findet seine Protagonisten quasi vor der Haustür, im Isental, wo er wohnt. Mit seinen Filmen dokumentiert Prockl einen fundamentalen Wandel, der selbst hier Einzug gehalten hat. Die Landschaft und das Denken der Menschen haben sich innerhalb weniger Jahrzehnte radikaler verändert, als in den vielen Jahrhunderten davor. Zuletzt kamen: die Autobahn, das Gewerbegebiet, der Schnellimbiss.

37 Jahre war Prockl Lehrer für Physik, Informatik und Dokumentarfilm an der Stiftung Pfennigparade in München. Kinder mit und ohne Handicap lernen hier gemeinsam. Ein Filmprojekt widmete Prockl all den technischen Geräten, die er im Laufe der Zeit kommen und gehen sah. Der Commodore C64 zum Beispiel – längst Zeitgeschichte.