Neu in der ARD Mediathek Das Dokudrama "Dutschke – Schüsse von Rechts"

Eine zunehmend gespaltene Gesellschaft, juristisch unterschätzter Rechtsterrorismus: Ein neues Dokudrama über das Attentat auf Studentenführer Rudi Dutschke im April 1968 zieht Parallelen zur Gegenwart.

Stand: 02.11.2020

Szene aus dem Dokudrama "Dutschke - Schüsse von Rechts": "Radikal und brutal. War das Dutschke Ihrer Ansicht nach?" Mit diesen Worten eröffnet der Richter (Kristian Wanzl Nekrasov) den Prozess gegen Dutschke-Attentäter Josef Bachmann (Rafael Gareisen). | Bild: Bild: NDR/Mathias Schöningh

Es geschieht am hellichten Tag, mitten auf der Straße: Josef Bachmann, ein 23 Jahre alter Gelegenheitsarbeiter aus dem Ruhrgebiet, ist in Westberlin unterwegs. Er sucht Rudi Dutschke, Wortführer und Symbolfigur der gesellschaftskritischen, linksgerichteten Studentenbewegung. Auf dem Kurfürstendamm, in der Nähe des Büros des Studentenverbands, wird Bachmann fündig. Dutschke steht allein an einer Straßenecke, lehnt an seinem Fahrrad. Sekunden später hat ihn Bachmann mit drei Schüssen aus einer präparierten Gaspistole niedergestreckt.

Die nachgestellte Szene steht relativ zu Beginn des Dokudramas "Dutschke – Schüsse von Rechts". Erzählt wird die Spielfilmsequenz teils in Zeitlupe, die Kamera fixiert den stierenden Blick Bachmanns, die Musik ist bedrohlich. Aus dem Off kommentieren Bachmann und Dutschke ihre Gedanken kurz vor dem Attentat, dann geht alles ganz schnell. Bachmann schießt, flüchtet, Dutschke versucht aufzustehen, bricht zusammen, überlebt schwerverletzt.

Ermittlungsfehler und Beziehungen zur NPD

Wie konnte es soweit kommen, was waren die Beweggründe von Josef Bachmann? Mehr als 50 Jahre nach dem Attentat im April 1968 analysieren die preisgekrönten Autoren Cordt Schnibben und Peter Dörfler die gesammelten Erkenntnisse erneut. Sie montieren für ihr knapp einstündiges Dokudrama Spielfilmsequenzen und dokumentarische Aufnahmen, lassen Wegbegleiter und Zeitzeugen wie Rainer Langhans, Gretchen Dutschke und Stefan Aust ihre Sicht der Dinge wiedergeben.

Neu ist dabei allerdings nicht die Widerlegung der Einzeltäter-These. Bachmanns Beziehungen zur NPD und zu anderen rechtsradikalen Gruppierungen wurden bereits 2009 vom ebenfalls zu Wort kommenden Journalisten Peter Wensierski aufgedeckt. Schnibben und Dörfler geht es vielmehr darum, aufzuzeigen, wie schon damals die Unterschätzung des Rechtsterrorismus die Arbeit von Polizei und Gerichten prägte. Die Autoren gehen unter anderem der Frage nach, warum die Ermittlungsbehörden in Niedersachsen zwar Bachmanns Waffenlieferanten verhörten, aber Bachmanns neonazistisches Umfeld im Gerichtsverfahren keine Rolle spielte.

Das Erste zeigt "Dutschke – Schüsse von rechts" in der Nacht von Montag auf Dienstag um 00:05 Uhr. In der ARD Mediathek ist der Film bis zum 01. Februar 2021 verfügbar.