Digitaler Kunstgenuss Diese Online-Ausstellungen sind definitiv einen Besuch wert

Sonst fast immer offen – jetzt seit Wochen zu: Viele bayerische Museen haben ihre Ausstellungen ins Netz verlagert. Ein Blick auf drei lohnenswerte Beispiele und einen Vorreiter aus den USA.

Von: Xaver Scheffer

Stand: 08.02.2021 | Archiv

Virtueller Ausstellungsraum der Installation "Adam, wo bist Du?" von Ilana Lewitan  | Bild: Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst

Das Staatliche Museum Ägyptischer Kunst

"Adam, wo bist Du?" heißt die Installation der Künstlerin Ilana Lewitan im Staatlichen Museum für Ägyptische Kunst in München. Der Ausstellungsraum ist komplett in einer 360 Grad Ansicht abgebildet. Der Nutzer kann von mehreren Punkten aus Objekte betrachten, Infokästen aufrufen oder Sound-Installationen anhören. Es geht um Fragen von Identität und Zuordnung – und jüdische Biografien. Was wäre, wenn Jesus 1938 gelebt hätte? Ein fiktives Verhaftungsprotokoll aus der Zeit des Nationalsozialismus geht gleich zu Beginn dieser Frage nach, in Video-Interviews nehmen dazu auch Shoah-Überlebende wie Max Mannheimer Stellung. Die digitale Erkundung des Ausstellungsraumes funktioniert gut. Besucher und Besucherinnen können frei wählen, was näher betrachtet wird und wozu mehr Wissen vermittelt werden soll.

Das Germanische Nationalmuseum

Das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg bietet zwei interessante Vermittlungsformen der aktuellen Ausstellung "Zeichen der Zukunft. Wahrsagen in Ostasien und Europa": Die basic Variante ist eine Art Power-Point-Präsentation, erstellt unter Zuhilfenahme von Google Arts & Cultures. Geliefert werden eine eher knappe Zusammenfassung und interessante Details zum Thema.

Etwas tiefer geht die Digital Story "Zeichen der Zukunft". Eine echte "Story" im Sinne einer Geschichte ist es zwar nicht, aber Bildergalerien, 3D-Objekte und Videos werden elegant eingebunden. Der Nutzer erfährt unter anderem, was es in verschiedenen Kulturkreisen bedeutet, wenn Gans, Schnecke oder Pferd im Traum erscheinen oder wie ein chinesisches Tempelorakel funktioniert. Das Germanische Nationalmuseum will diese Darstellungsform von nun an regelmäßig zu seinen Ausstellungen anbieten. Tipp: Auf dem Handy anschauen, nicht auf dem PC – dann wird es übersichtlicher.

Die Sammlung Goetz

Die Ausstellung "Cyrill Lachauer. I Am Not Sea, I Am Not Land" ist auf der Website der Sammlung Goetz scheinbar einfach, aber überaus ansprechend und übersichtlich in einer "Online Präsentation" umgesetzt. Zu Beginn ein knapper Text zum Künstler, vor den Werken jeweils drei Sätze. Insgesamt vier Videos, eine Soundinstallation, sowie Fotos, Zeichnungen und Objekte über Land und Landschaften – alle unter- und nebeneinander so arrangiert, dass das Digitale eine echte Freude ist. Der Besucher kann hier einen queeren Parkarbeiter tanzen sehen oder dem Klang von Zügen und Textschnipseln lauschen – ein Genuss.

Der Vorreiter: Das Metropolitan Museum of Art

New York liegt zwar nicht in Bayern, aber auch das Projekt "The Met Unframed" muss an dieser Stelle unbedingt erwähnt werden, denn es setzt aktuell Maßstäbe. Geboten wird nicht nur ein digitaler Museumsraum, sondern ein Erlebnis. Der User kann sich von Punkt zu Punkt durch die Räume des Metropolitan Museum of Art bewegen. Dabei stößt er auf insgesamt 46 interaktive Kunstwerke. Jedes bietet zusätzliche Informationen – und eine Aufgabe. Das kann ein Quiz sein oder ein Suchspiel. Manchmal muss man aber auch Farbmengen in Bildern korrekt angeben, Formen nachfahren oder Codes entschlüsseln.

Wer eine dieser Aufgabe löst, darf auf seinem Handy das dazugehörige Werk in "die eigenen vier Wände" bringen, zum Beispiel den Rembrandt über den Esszimmertisch hängen oder die Statue der ägyptischen Königin Hatshepsut aufs heimische Sofa setzen – 15 Minuten lang, per Augmented Reality. Für diesen Effekt muss man allerdings ein paar Daten an den US-Telekommunikationsgiganten Verizon weitergeben. Denn der hat "The Met Unframed" mitfinanziert.

So wurde eine digitale Ausstellung geschaffen, in der es Herausforderungen gibt und in der man sich die Exponate spielerisch erschließen kann. Das Projekt zeigt: Wenn sich Museen die originären Möglichkeiten des Digitalen zu Nutze machen, entstehen Online-Ausstellungen, in denen man gerne länger als fünf Minuten verweilt.

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The Met Unframed | Official Trailer | Verizon | Bild: Verizon (via YouTube)

The Met Unframed | Official Trailer | Verizon