DOK.fest München 2021 Natur pur: Die Doku "Der wilde Wald" von Lisa Eder

50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald. Hier leben Tiere, die fast ausgestorben sind, wachsen Pflanzen wild vor sich hin. Zum Jubiläum zeigt das DOK.fest München die wunderbare Dokumentation "Der wilde Wald" von Lisa Eder.

Von: Andreas Krieger

Stand: 22.04.2021 | Archiv

Szene aus der Dokumentation "Der wilde Wald" | Bild: mindjazz pictures

Vor 50 Jahren, bei seiner Ernennung zum Nationalpark, war der Bayerische Wald der erste Nationalpark hierzulande. Weniger als 0,1 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands umfasst er. Aber mehr als 20 Prozent der in Deutschland bekannten Arten leben hier. Zwei Wolfsrudel sind in dem Gebiet unterwegs. Der Luchs, außerhalb des Parks verfolgt und getötet, darf im Bayerischen Wald ungestört leben. Und der Habichtskauz, seit 1926 quasi ausgestorben, ist hier noch zu finden.   

Vier Jahre, davon mehr als 100 Drehtage, hat die Regisseurin Lisa Eder an ihrer Dokumentation "Der Wilde Wald" gearbeitet. Sie ist selbst Waidlerin, weiß, wie schwer es der Bevölkerung vor Ort gefallen ist, loszulassen, den Wald der Natur zurückzugeben. Mit aufwändigen Bildern führt sie in den Nationalpark: "Da ist ein Wald entstanden, das hätte keiner für möglich gehalten, ein Wald, der viel stabiler ist als benachbarte Wirtschaftswälder. Ein artenreicher, kraftvoller Wald, der viel mehr dem Klimawandel trotzen kann als ein unter konventionellen Kriterien bewirtschafteter Wald. Und das hätte niemand für möglich gehalten nach diesen verheerenden Stürmen in den 90er-Jahren, als alles ausgesehen hat wie tot. Man hat also an die Selbstheilungskräfte der Natur geglaubt. Und man kann sehen: Nach vergleichsweise kurzer Zeit ist ein stabiler, dynamischer Wald entstanden, der natürlich Vorbild sein kann für die Bewirtschaftung angrenzender Wälder."  

Heute zählt der Bayerische Wald zu den zehn wichtigsten Nationalparks weltweit. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus über 30 Ländern forschen hier. Und nicht nur der Wald hat sich gewandelt, sondern auch wie ihn die Menschen sehen. Als schützenswert gilt nicht mehr nur das, was uns schön vorkommt, sondern das was ist. Dokumentarfilmerin Lisa Eder formuliert es so: "Der höchste kulturelle Akt im 21. Jahrhundert besteht da drin, dass der Mensch sich zurücknimmt und wieder lernt, etwas anderes als seine Ordnung zuzulassen. Und die Natur zeigt uns ja, wie es gehen kann."

Die Dokumentation "Der wilde Wald" von Lisa Eder wird ab dem 05. Mai im Rahmen des DOK.fest München 2021 @home gezeigt. Alle Informationen zum komplett streambaren Programm gibt es hier.