Von der Kunstfreiheit gedeckt Danger Dan über sein neues Klavier-Album

Nein, Danger Dan rechtfertigt auf seinem zweiten Solo-Album "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" keineswegs Gewalt. Matthias Scherer hat mit ihm über sein unorthodoxes, weil Klavier- und nicht Rap-Album gesprochen.

Von: Matthias Scherer

Stand: 28.04.2021 | Archiv

Danger Dan: Rapper Danger Dan (Daniel Pongratz) von der Band "Antilopen Gang" während eines Konzertes auf der "Blue Stage" im Rahmen des "Nova Rock 2019 | Bild: picture alliance / HERBERT P. OCZERET / APA / picturedesk.com | HERBERT P. OCZERET

Viele Menschen haben in der Pandemie-Zeit neue Hobbies für sich entdeckt, beziehungsweise alte Hobbies wiederentdeckt. Letzteres tat auch Danger Dan, der im Lockdown wieder anfing, Klavier zu spielen. Das hatte er als Kind und später auch im Live-Programm seiner Band Antilopen Gang immer mal wieder getan, aber erst jetzt begann er, am Klavier auch Songs zu schreiben. Bestimmte Metaphern und Phrasen, die er sonst gern in Rap-Texten benutzt, ließ Danger Dan diesmal weg. Und auch musikalisch waren die Herausforderungen diesmal anderer Natur. 

Ein Klavier- statt ein Rap-Album

"Es ist ein Riesenunterschied, ob man ein Rap-Album macht oder ein Klavier-Album – weil man bei einem Klavier-Album Klavier spielen muss", sagt Danger Dan und lacht. "Dafür musste ich ganz viel üben, weil ich gar nicht so ein wahnsinnig guter Pianist bin. Ich kann zwar Klavier spielen, aber ich mache immer dieselben Sachen. Und wenn ich das über elf Lieder strecken will, dann muss ich schon kreativ sein und zusehen, dass nicht jedes Lied gleich klingt." Die Songs auf seinem zweiten Soloalbum "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" werden zwar alle von seinem – nach eigenen Angaben eher basalen – Klavierspiel getragen, ihre Stimmungen und Inhalte sind aber in der Tat sehr vielfältig. "Trotzdem" ist zum Beispiel ein klassisches Liebeslied.

Daniel 'Danger Dan' Pongratz von der Antilopen Gang beim Gamescom City Festival 2018 i | Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress zum Artikel Danger Dan disst die Rechte Ist das noch Provokation?

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Direkt davor auf dem Album ist der Song platziert, der im Vorfeld am meisten für Aufruhr gesorgt hat. Der Titeltrack, mit diesen kontrovers diskutierten Zeilen: "Und wenn du friedlich gegen die Gewalt nicht ankommen kannst/Ist das letzte Mittel, dass uns allen bleibt, Militanz". Damit bezieht sich Danger Dan auf rechtsextremistische Gewalttaten, die von der Polizei nicht verhindert wurden. Im Gespräch erwähnt er unter anderem die Anschläge auf Geflüchtetenunterkünfte und linke Aktivisten in Freital in Sachsen im Jahr 2015. Diese Textzeile wurde vor allem in Kombination mit dem Musikvideo kritisiert. Dort hält Danger Dan auf einer Bühne ein Kalaschnikow-Gewehr in die Luft. Mit einem Freund, der bei der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" aktiv ist, hatte Danger Dan eine längere Diskussion darüber.

Auftritt mit Kalaschnikow?

Dem Freund hätte er erklären müssen, dass er da auf der Theaterbühne stehe und ein Stück spiele. Er habe Feedback bekommen von Leuten, die sagten, dass sie Gänsehaut bekommen und sehr emotional reagiert hätten – weil sie so wütend seien. "Und das Theaterstück, das ich da aufführe, gibt dieser Wut viel Raum. Damit wollte ich nicht sagen, dass ich eine Kalaschnikow – oder Gewalt – total super finde. Am Ende haben mein Freund und ich uns vertragen, und sind jetzt einer Meinung."  Der Inhalt von "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" hat polarisiert. Die Musik und die griffige Melodie jedoch haben dafür gesorgt, dass Danger Dan nun ein anderes, tendenziell älteres und Rap-fremderes Publikum erreicht als zuvor. Um diesen Effekt zu verstärken, rief er bei Facebook seine Fans aktiv dazu auf, den Song in ihren Familien-Chatgruppen zu teilen.

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Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (Antilopen Gang) | Bild: Antilopen Gang (via YouTube)

Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (Antilopen Gang)

"Eigentlich haben ja alle diesen einen Verwandten, für den man sich so ein bisschen schämt. Und da dachte ich, es wäre cool, diesen Song in die Familien-Chats reinzuhauen, um zu sehen, wie dieser eine Verwandte dann reagiert. Das, was ich mitbekommen habe, war, dass es die gesamte Familie immer super fand. Diesen einen Verwandten haben wir also scheinbar nicht erreicht."

Danger Dan, ein neuer Degenhardt?

In vielen Artikeln und Rezensionen über die neuen Songs von Danger Dan werden Vergleiche mit Liedermachern wie Franz Josef Degenhardt und Hannes Wader gezogen. Deren Musik kennt Danger Dan tatsächlich aus seiner Kindheit, aber aktiv hören tut er sie nicht, sagt er. Und tatsächlich steht das Album "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" mit seiner Mischung aus Gesellschaftskritik, Klamauk und Emotionalität auch eher in der Tradition von Punk-Bands wie Die Toten Hosen. Die haben zu Beginn ihrer Karriere in besetzten Häusern gespielt, heute füllen sie Fußballstadien. Danger Dan befindet sich gerade irgendwo zwischen diesen zwei Extremen – mit Tendenz zum Stadion. 

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Danger Dan - Lauf davon (Antilopen Gang) | Bild: Antilopen Gang (via YouTube)

Danger Dan - Lauf davon (Antilopen Gang)