Danger Dan disst die Rechte Ist das noch Provokation?

Darf man Kubitschek Gewalt androhen? Und Gauland einen Nationalsozialisten nennen? Danger Dan provoziert – und hat einen tollen Song vorgelegt. Ein Kommentar.

Von: Martin Zeyn

Stand: 26.03.2021 | Archiv

Daniel 'Danger Dan' Pongratz von der Antilopen Gang beim Gamescom City Festival 2018 i | Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Christoph Hardt/Geisler-Fotopress

Zwei Vorurteile auf einen Streich erlegt. Das erste: Deutsche haben keinen Humor. Das zweite: Linke sind die allergrößten Spaßbremsen. Der Rapper sitzt am Klavier und zerhackt zu einer gefälligen Melodie die Rhetorik der Neuen Rechten, ihre Behauptung, dass alles nicht so gemeint sei. 
Sein Song beginnt mit einer rhetorischen Figur: Also jetzt mal ganz spekulativ./ Angenommen, ich schriebe mal ein Lied./ In dessen Inhalt ich besänge, dass ich höchstpersönlich finde, Jürgen Elsässer sei Antisemit./ Und im zweiten Teil der ersten Strophe dann,/ Würde ich zu Kubitschek den Bogen spann'n./ Und damit meinte ich nicht nur die rhetorische Figur,/ Sondern das Sportgerät, das Pfeile schießen kann.“ 

Mehr Konjunktive gab es nie in einem Popsong 

Ist das eine Ankündigung einer Straftat? Nein, denn so viele Konjunktive habe ich noch nie in einem Song gehört. Worauf Danger Dan anspielt, ist die Taktik der Grenzüberschreitung, wie sie uns Kubitschek, Gauland oder Höcke vorführen: Sie präsentieren schrille Thesen ("Vogelschiss der Geschichte“, "Denkmal der Schande"), wohl wissend, dass sie damit an rechtes Gedankengut anschließen, um vor den Kameras dann weitschweifig zu leugnen, all das sei ein Missverständnis, geschürt durch eine "Lügenpresse". Systematische Provokation, um am rechten Rand Wählerstimmen zu fischen, systematisches Abstreiten, um nicht gemäßigte Anhänger abzuschrecken. Danger Dan nimmt diese Doppelstruktur im Refrain auf: "Juristisch wär die Grauzone erreicht. Doch vor Gericht machte ich es mir wieder leicht./ Zeig mich an und ich öffne einen Sekt./ Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt."   

Politische Bildung durch Songwriting 

Vermutlich wird dieser Song mehr Menschen erreichen als viele Abhandlungen über neurechtes Denken. Und das ist gut so, weil er aggressiv und verspielt ist, weil er zeigt, wie hier eine bestimmte neurechte Rhetorik operiert. Und anders als seine Opponenten hat er am Ende die Größe, auch ein wenig die Luft rauszulassen: "Und will euch meine Meinung hier erzähl'n/ Jürgen Elsässer ist Antisemit./ Kubitschek hat Glück, dass ich nicht Bogen schieß'."

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (Antilopen Gang) | Bild: Antilopen Gang (via YouTube)

Danger Dan - Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt (Antilopen Gang)