Ehrung für das Lebenswerk Anke Feuchtenberger erhält den Max und Moritz-Preis

Der Max und Moritz-Preis ist die wichtigste Auszeichnung für deutsche Comic-Künstler*innen. Alljährlich wird auch ein besonderes Lebenswerk geehrt. Ein Interview mit Anke Feuchtenberger, der frisch gekürten Preisträgerin 2020.

Von: Niels Beintker

Stand: 26.06.2020

Porträtaufnahme der Comiczeichnerin Anke Feuchtenberger | Bild: Julia Steinigeweg

Anke Feuchtenberger kam spät mit der Comic-Welt in Berührung. Sie studierte in den 80er-Jahren an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee und fand über die Plakatkunst zum graphischen Erzählen. Im folgenden Jahrzehnt wurde sie eine wichtige Vertreterin der deutschen Comic-Avantgarde und zeichnete Bilder-Geschichten, die immer wieder leidenschaftlich Möglichkeiten und Grenzen des Genres ausgelotet haben. Anke Feuchtenbergers Werk ist vielschichtig und in den Comics längst nicht erschöpft – für das LWL-Museum in Münster gestaltete sie etwa einen Altar. Seit vielen Jahren unterrichtet sie zudem an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft in Hamburg. Dort hat sie viele wichtige Zeichnerinnen und Zeichner begleitet. Ein definitiv herausragendes Lebenswerk also, für das die 1963 geborene Feuchtenberger dieses Jahr den Max und Moritz-Preis 2020 verliehen bekommt.

Niels Beintker: Ihr Werk ist groß, ein zentraler Teil davon, aber längst nicht der einzige, sind Comics und Bücher. Manche wie den Band "Das Haus" können wir in Neuauflagen wiederentdecken. Es gibt aber zum Beispiel auch die gezeichnete Trilogie über die Hure H – Geschichten einer Frau, die unter anderem wissen möchte, wie man eigentlich begehrt. Sie haben in den 90er-Jahren mit dem Comiczeichnen begonnen, wobei Ihr Werk zur Avantgarde gehört. Es ist unkonventionell, anders, aufregend. Was hat Sie an dieser Form des Erzählens damals interessiert?

Anke Feuchtenberger: Ich habe selber noch gar nicht gewusst, dass ich erzählen möchte und kann. Mit meiner Ausbildung zur Grafikdesignerin – im Hintergrund Theater und Skulptur – habe ich eher eine freie künstlerische Perspektive gesehen.

Über die Plakate für Theater und politische Frauenprojekte bin ich dann sozusagen von Plakat zu Plakat immer mehr ins Erzählen gekommen. Erst von außen habe ich dann quasi gespiegelt bekommen, dass das einzelne Bild bei mir irgendwie immer suggeriert, dass es ein Davor und ein Danach gibt.

Dadurch bin ich auf die Idee gekommen, dass das ja irgendwie auch Erzählung ist – also, dass es immer einen Schritt in eine Richtung gibt, dass es keine feststehenden dekorativen Bilder sind, sondern dass es immer einen Fortlauf, eine Erzählung gibt. Über das langsame Mich-Herantasten, über Adaption von Literatur, die ich für Theaterstücke bearbeitet habe – als Comic im Programmheft oder eben auch als Plakat-Comic – bin ich dann eher so langsam ins eigene Erzählen gekommen. Was ich mich vorher nicht getraut hatte.

Und ich nehme an, die Freude ist geblieben am Erzählen auf diese Weise?

Ja, es ist ein großes Erstaunen – muss ich ehrlich zugeben –, dass da so viel zu erzählen ist. Ich war wirklich lange Zeit vorsichtig und dachte, ich kann das nicht, ich bin zu chaotisch und auch zu wenig in diesem klassischen Erzählen zu Hause – dass man folgerichtig linear erzählt. Lange habe ich nicht gewusst, dass es ja auch andere Formen gibt, die man durchaus erforschen kann. Manchmal ist das grafische Erzählen zum Beispiel eher wie ein Gedicht. Oder wie ein Essay. Der grafische Essay spielt im Moment für mich eine große Rolle. Weil ich das Gefühl habe, dass da ganz neue Erzählformen auch im Comic möglich sind.

Frauen spielen eine zentrale Rolle in ihren Bilderwelten, egal ob in den Comics, in den Bilderbüchern oder auch bei den Bildern für einen besonderen Altar, der in Münster für das dortige Kunstmuseum entstanden ist. Vermutlich ist es bei der Kunst immer so: Die Stoffe, die Themen suchen sich die Künstlerin, den Künstler – nicht umgekehrt. Aber was bedeutet Ihnen diese vielfache Beschäftigung mit Geschichten von Frauen?

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass ich bestimmte Dinge nicht erzählen kann. Weil ich zu wenig darüber weiß. Und weil es eine Art von Künstlichkeit hätte, darüber zu erzählen – klassische Themen im Comic, zum Beispiel als Superman-Geschichten oder anderes. Und ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass das etwas ist, was ich weiß: das Frausein. Oder was ich wiedererkenne und was mir zu wenig gesellschaftlich und künstlerisch gespiegelt erschien. Sodass ich das Gefühl hatte, da ist noch sehr viel aufzuarbeiten, zu erzählen, zu entdecken und zu erforschen.

Dieses Thema führt auch zu dem Altar, den sie im Auftrag des LWL-Museums in Münster gestaltet haben, in der Auseinandersetzung mit einem Altar auf Satz des Schöppinger Meisters aus dem Spätmittelalter. Sie haben 31 Tafeln, jeweils sechseckig, gestaltet, mit Bildern aus Kohle und mit Bronze-Pigmenten. In der Mitte eine Weide, ein Baum, der sich immer wieder auch bei ihnen findet. Rundherum Geschichten über Frauen, von Frauen, ebenso, eng damit verbunden, Geschichten über Bienen, Geschichten von Einsamkeit, auch von Gewalt und Trauer. Im Grunde ein Welttheater. Was war für Sie bestimmend bei der Gestaltung des Altars mit dem Titel "Tracht und Bleiche"?

Der Ausgangspunkt war tatsächlich die christliche Ikonografie. Ich habe mich sehr eingehend seit vielen, vielen Jahren – eigentlich seit meiner Kindheit – mit der christlichen Ikonographie auseinandergesetzt. Weil ich nicht religiös erzogen worden bin - und immer wieder über die Geschichten gestaunt habe, die mir Renaissancegemälde oder mittelalterliche Gemälde erzählen. Und so kam dieser Auftrag – oder diese Anfrage – aus dem Museum in Münster wie ein Geschenk. Weil ich das Gefühl hatte: Endlich ist es mir auch sozusagen von offizieller Seite erlaubt, das einmal ganz genau anzugucken, zu sezieren und mich inhaltlich geschichtlich damit zu beschäftigen.

Und obwohl mein Bildwerk eine ganz andere Erzählung genommen hat, habe ich das Gefühl, dass es sich sehr anlehnt an das Gegenüber. Im Museum hängen die beiden Bildwerke tatsächlich gegenüber, der mittelalterliche Altar und mein Comic-Bildwerk. Ich habe versucht, für alles eine Art Spiegelung zu finden. Das Kreuz als hölzernes Objekt findet sich als Spiegelung in der Weide wieder. Und die Figuren finden auch wieder ihre Spiegelung. Allerdings mit einer anderen Geschichte, auch mit Gewalt. Im Grunde genommen ist das für mich wie eine Spiegelung im Wasser.

Ein schöner Vergleich, eine Spiegelung im Wasser. Viele Bilder wirken, finde ich, dunkel. Das liegt nicht nur an der Geschichte, die ein Bild erzählt. Es liegt auch an den Materialien, mit denen Sie arbeiten. Dazu gehört auch Kohle. Was ermöglicht Ihnen dieses Material zur Gestaltung?

Zur Dunkelheit der Bilder: Der mittelalterliche Altar, der als Vorbild diente, ist ja sehr farbig. Er ist sehr hell, mit leuchtenden Farben gemalt. Trotzdem geschehen grausamste Dinge. Da ist Salome, die auf der Rückseite des Altars gemalt ist und die in einen Teller schaut, auf dem der Kopf des Johannes liegt. Das ist auch für mich so eine Art Spiegelung. Das war eigentlich der Ausgangspunkt für mich, für diese Altargeschichte, dass ich sehr über diese Salome nachgedacht habe, wie sie gemalt ist und wie sie in den Teller schaut, als würde sie in den Spiegel schauen. Und auf dem Teller liegt aber dieser dunkle schwarze Kopf von Johannes. Das habe ich für mich als eine Anregung genommen.

Das Material Kohle – weil es eine Art frei fliegendes Pigment ist, was gesundheitlich auch ein bisschen anstrengend ist – ist für mich eine Möglichkeit, Licht darzustellen. Obwohl es eben komplett schwarz und dicht werden kann. Aber es hat eben auch die Möglichkeit, Licht aufzunehmen und Licht zu reflektieren. Ich habe einmal eine Zeichnung gemacht, die heißt "Lob des Kohlenstoffs". Und da, so habe ich das Gefühl, steckt alles drin, was ich zur Kohle zu sagen habe. Es ist eine Art Urmaterial. Ein organisches Urmaterial, das finde ich ganz großartig.

Eine spannende Dialektik. Sie arbeiten aber ebenso mit Farbe. Es gibt etwa einen Zyklus mit Bildern zum Werk von Brigitte Reimann. Ihren Roman "Franziska Linkerhand" haben Sie als Jugendliche entdeckt und verschlungen, einen Roman, in dem sich Sätze finden wie "keine Mauer ist so stark, dass sie nicht eines Tages einfiele". Und doch überwiegt auch in den farbigen Bildern des Dunkle. Vermutlich lassen die Texte von Brigitte Reimann auch nichts Anderes zu. Dann sehen wir zum Beispiel eine Frau in der Dunkelheit, vor einem Bahnhof, auf den Gleisen. Die Hand verschwindet im Himmel, die Augen ohne Pupillen, gelblich, fast wie ein Gespenst wirkend. Was wollten Sie mit den Bildern zu Brigitte Reimann gerne erzählen?

Ich habe kein Interesse an Illustrationen in dem Sinne, dass die Illustrationen den Text wiedergeben. Und diese Arbeit an dem Buch für Brigitte Reimann erschien mir auch wiederum wie ein Geschenk. Weil ich das Gefühl hatte, ich kann mich da noch einmal mit viel autobiografischen Material aus der DDR-Zeit beschäftigen. Und Brigitte Reimann ist für mich ein sehr wichtiger Punkt in der Biografie. Ich war 15, als ich das Buch gelesen habe, und die Pubertät spielt eine große Rolle im Leben.

Urprünglich wollte ich auf meine Leseerfahrung von damals zurückblicken – mit diesem biografischen Material, was ich über Brigitte Reimann gelesen habe, mit der DDR-Erfahrung und dem Blick von heute. Weil wir alle das Ende des Lebens von Brigitte Reimann aus der heutigen Perspektive sehen – das wusste ich damals noch nicht – hat das natürlich auch eine sehr dunkle, tiefe Konnotation. Ich habe versucht, mich dem vorsichtig anzunähern, nicht so sehr Texte zu illustrieren, sondern Bilder zu finden für bestimmte Empfindungen, die ich hatte, als ich sie gelesen habe. Oder auch beim Durchforschen der biografischen Aspekte des Lebens der Brigitte Reimann.

Man könnte sagen, das Zeichnen, das Malen ist immer auch eine Auseinandersetzung mit Emotionen.

Auf jeden Fall. Der gestische Aspekt beim Malen und Zeichnen ist auch sehr energetisch. Ich zeichne und male sehr groß. Es ist also keine Arbeit nur mit der Hand. Es ist auch eine körperliche Arbeit vor einer großen Wand, auf die ich die Bilder aufspanne. Insofern ist das ein wirkliches Eintreten in die Bilder. Das ist mir ziemlich wichtig, auch wenn die Bilder bei der Geschichte der Reimann zum Beispiel sehr klein abgedruckt werden sollten. Das war der ursprüngliche Plan. Insofern fand ich es ganz interessant, sehr groß zu arbeiten, um mir die Bilder dann fast wie Briefmarken vorzustellen. Als kleine Lichtblicke in eine Vergangenheit.

Auf ihr Werk blickend könnte man sagen, Sie pendeln immer wieder liebend gerne zwischen den Polen E und U. Sie zeichnen Comics. Die aber sprengen die Grenzen dieser Erzählform. Sie malen Bilder und orientieren sich dabei auch an populären Sujets. Ihre Bilderwelten werden gerne mal mit dem Expressionismus verglichen. Für Sie selbst dagegen sind die Alten Meister und auch die Künstler des Barock, der Renaissance ein wichtiger Bezugspunkt. Inwiefern ist die Kunst, ist das Zeichnen für Sie auch immer wieder ein Versuch, Grenzen zu überschreiten, zu überspringen?

Dieser Streit um E und U – und um Kunst und Comic oder Zeichnen und Angewandtes – das ist für mich kein Thema. Ich glaube, dass es eine ganz tolle Erfahrung war, dass ich Comics erst sehr spät entdeckt habe. Ich habe erst mit 27 die ersten Comics gelesen und hatte sozusagen keine Vorurteile dagegen. Ich war überrascht, dass es da Formen des Erzählens gibt, die über die Bilder kommen. Und ich habe diese große Kluft zwischen Barockmalerei und Comics für mich nicht als unüberwindbar empfunden. Sondern einfach als eine Form, bestimmte erzählerische Aspekte in eine Bildform zu bringen, die sehr viel mehr Tiefe hat und sehr viel mehr erzählt als Texte. Bilder können auf eine andere Art erzählen als Texte.

Ausschnitt aus dem Cover der Graphic Novel "Das Haus"

Es geht darum, Grenzen auszutesten. Aber die Grenzen existieren nicht für mich. Da wird mir von außen immer wieder gespiegelt, dass das Grenzüberschreitungen seien. Es gab natürlich auch Reaktionen auf diese Idee, eine Art Comic-Altar zu machen. Das fanden viele vermessen und auch nicht abstrakt genug, nicht modern genug, solche altertümlichen Bildtafeln zu wählen. Aber ich muss ehrlich sagen, mir geht es immer darum, für bestimmte Themen das passende Objekt oder die passende Form zu finden. Und deswegen entstehen jedes Mal sehr extreme Formen. Also "Das Haus" hat diese extreme Form, weil es ja in der F.A.Z. als Kolumne abgebildet war in der ganzen Länge der Zeitung. Und dann war mir klar, dass das ein Hochhaus ist oder dass es der Turm zu Babel sein muss. Oder bei der Spiegelung des mittelalterlichen Altars waren es halt die Bienen, die mich erst einmal dazu getrieben haben, diese sechseckige Form zu nehmen. Weil ich dachte, das ist eine ganz wunderbare Konstruktion.

Sie haben an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee Gebrauchsgrafik und auch Bildhauerei studiert. 1989 haben Sie sich mit drei Kollegen zur Künstlergruppe "PGH Glühende Zukunft" zusammengeschlossen, darunter mit dem Plakatkünstler und Illustrator Henning Wagenbreth, ebenso mit den Zeichnern und Karikaturisten Holger Fickelscherer und Detlef Beck, letzter unter dem Namen Beck längst einer der weithin bekannten Karikaturisten unserer Zeit. Sie haben damals die Mauer mit Bildern bemalt und ebenso witzige Ausstellungs- und Plakataktion gemacht. Die Geschichte dieser Künstlergruppe, dieser "PGH Glühende Zukunft" ist im dreißigsten Jahr der deutschen Einheit noch immer im gesamten Land zu entdecken. Sie führt ja eigentlich auch in eine Welt, von der der Schriftsteller Lutz Seiler in seinem Roman "Stern 111" erzählt. Wie wichtig war für Sie diese Künstlergruppe für Ihr Nachdenken über die Kunst?

Für mich war die Künstlergruppe sehr, sehr wichtig. Besonders Henning Wagenbreth, der das auch mit großer Energie und Fürsorglichkeit initiiert hat. Es war eine solidarische Gruppe, in der ich mich als einzelne Künstlerin aufgehoben und geschützt gefühlt habe und mich angeregt und inspiriert gefühlt habe, mich einfach zu trauen. Ich habe vorher ja tatsächlich auch politisch gearbeitet, in Bezug auf die Entwicklung eines Kinderladens und andere Frauenprojekte. Aber dazu ermutigt worden, das auch in der Kunst auszudrücken oder mich damit zu beschäftigen, bin ich durch das Arbeiten in der Gruppe. Wir haben ja nicht wirklich in den Ateliers zusammengearbeitet. Jeder hat für sich zu Hause gearbeitet. Aber das Treffen und das Ausstellen in Galerien und die Gespräche haben mich sehr ermutigt.

Und vielleicht auch der Witz und Ironie, die mit vielen Aktionen verbunden gewesen sind. Ich meine, wenn wir an das berühmte Plakat von Henning Wagenbreth denken – "Radfahrer haben nichts zu verlieren als ihre Ketten" – diese wunderbare Anspielung auf die Marx-Parole. Ich glaube, das Witzige, Ironische, Spontane war doch auch unheimlich wichtig für diese Gruppe, oder?

Genau. Die Zeiten waren schwer genug. Darauf mit einem bissigen schwarzen Humor zu reagieren, war sehr befreiend.

Sie unterrichten auch Zeichnen als Professorin in Hamburg. Für zahlreiche jüngere Zeichnerinnen und Zeichner waren sie Lehrerin, darunter Barbara Yelin, Birgit Weyhe oder auch Sascha Hommer. Im Augenblick müssen sie virtuell unterrichten. Aber was lernen Sie selbst von den jungen Menschen, die Sie ausbilden?

Ich lerne unglaublich viel. Die Auseinandersetzung schon am Anfang meiner Lehrtätigkeit – auch da hatte ich große Zweifel, ob ich in der Lage bin, ich bin ja keine ausgebildete Pädagogin. Die intensive Beschäftigung mit den Ideen und Geschichten von jungen Künstlerinnen und Künstlern hat mich sehr ins Nachdenken gebracht, hat immer wieder neue Wege angeregt und ist auch ein großer Schatz an intellektuellem Austausch. Ich lerne immer noch, ich habe das Gefühl mehr denn je sogar. Und ich kann das auch immer nur wieder weitergeben an die Studierenden, dass das Lernen ja nicht mit dem Studium zu Ende ist. Sondern im Gegenteil, dass das irgendwie dann erst richtig losgeht.

Derweil entsteht eine neue Bildergeschichte, "Der Spalt", eine Geschichte, die uns unter anderem in Untergrund-Welten entführen wird. Und wir können ihr Bilderbuch "Das Haus" in einer Neuausgabe lesen und mit diversen Schlüsseln diverse Bildergeschichten öffnen. Zum Ende gefragt: Wie könnten wir diese Geschichte, diese Geschichten aus einem Haus lesen? Was wünschen Sie sich?

Ich freue mich natürlich, wenn die Geschichten gelesen werden. Ich habe großes Interesse daran, die Geschichten nicht zu erklären. Ich glaube, beim Betrachten meiner Bilder und Geschichten müsste man sich auf eine Art traumartige Wanderung einlassen, auf der man nur schaut und versucht, Assoziationen und Aspekte aufzunehmen und wirken zu lassen – und vielleicht noch ein zweites Mal anzuschauen. Vielleicht ist das ein Wunsch, dass man es nicht zu schnell weglegt. Ich glaube, es braucht Zeit und Wirkung.

Anke Feuchtenbergers Comics erscheinen im Reprodukt-Verlag, zuletzt – in einer Neuausgabe – der Band "Das Haus". Den Max und Moritz-Preis 2020 für das Lebenswerk erhält Anke Feuchtenberger am 10. Juli auf dem digitalen Comic-Salon. Die Veranstaltung findet statt anstelle des diesjährigen Erlanger Comic-Salons, der aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden musste.