City Club Ein kultureller Hotspot mitten in Augsburg

Von: Tom Bauer

Stand: 12.03.2021 | Archiv

Seit mehr als sieben Jahren residiert der City Club, einer der renommiertesten Techno-Clubs Deutschlands, in der beschaulichen Augsburger Innenstadt. Wobei hier sogar noch viel mehr passiert: Ein Theater-Ensemble, ein Café, Werkstätten, Musikstudios und sogar eine kleine Bienenfarm haben hier ihr Zuhause gefunden. Für GEMEINSAM LAUTER öffnet das Kollektiv die Türen und erzählt von Frust und Leid, aber auch Chancen des Corona-Lockdowns.

GEMEINSAM LAUTER: City Club Augsburg | Bild: BR

Clubs on hold City Club, Augsburg

"Wenn es den Club hier nicht geben würde, dann wäre ich auch nicht mehr in Augsburg", fasst Rapper ERRdeKa trocken zusammen. Als wir ihn an diesem Montagvormittag im zweiten Obergeschoss des City Club besuchen, sitzt er mit der DJ und Produzentin Sedef Adasi gerade an der Arbeit ihres Debütalbums. Für beide ist klar: "Das hier ist ein kultureller Hotspot. Eine Institution, die nicht mehr wegzudenken ist!"

Trotzdem muss sich Betreiber Vincent über fehlende Wertschätzung beklagen: "Von den Kommunen wird oft nicht gesehen, wie viel Arbeit und Herzblut in so einem Projekt steckt. Es gibt wenig Städte, die wirklich stolz auf das sind, was die Clubs machen." Aber auch ohne nachhaltige Rückendeckung aus der Politik hat sich hier ein wahres Biotop entwickelt: Vor der Pandemie hatten 35 Mitarbeiter*innen sowie unzählige Musiker*innen, DJs, und Veranstalter*innen hier ihr Zuhause.

Rapper ERRdeKa und DJ/Produzentin Sedef Adasi haben ihr Studio im City Club in Augsburg | Bild: BR

ERRdeKa und Sedef Adasi

Seit Herbst 2020 ist der City Club komplett geschlossen. Die Soforthilfen kommen mittlerweile an und die Zeit wird pragmatisch genutzt, um durchzuatmen und Reparatur-Arbeiten durchzuführen. "Klar ist es eine Krise, weil wir uns nicht entfalten können. Aber auch ganz gut, weil man dadurch ein bisschen Luft holen kann und sich vielleicht neu aufstellen", fügt Vincent hinzu. "Fluch und Segen in einem."

Für Sedef Adasi ist es "auf jeden Fall eine sehr schwierige Zeit, eine mentale Herausforderung für alle. Aber wir versuchen alle das Beste draus zu machen!" Nach bald einem Jahr Lockdown hoffen alle, dass die Türen bald wieder geöffnet werden können. Denn die persönliche Begegnung und der kulturelle Austausch, der auch zur Gesundheit einer Gesellschaft beiträgt, fehlt schon sehr.

Young & Cold Records Perspektiven eines Indie-Labels

Michael Oswald und Daniel Hallhuber alias "Tiefenstadt" und "DJ Neon Force" von Young & Cold Records haben vor der Corona-Krise oft im City Club aufgelegt. Seit den allerersten Stunden sind sie Teil des Projekts: "Die Jungs vom City Club waren instant offen und haben uns die Möglichkeit als Plattform gegeben, hier unten im Cafe aufzulegen. Dann hat sich die Community von uns hier ins Publikum integriert."

DJ Neon Force und DJ Tiefenstadt von Young & Cold Records | Bild: BR

Michael Oswald und Daniel Hallhuber alias "Tiefenstadt" und "DJ Neon Force" von Young & Cold Records

Seit der Corona-Pandemie ist Kreativität gefragt, was die Veranstalterseite ihrer Aktivitäten angeht: "Kleinere Veranstaltungen, im Rahmen, was halt möglich war. Da haben wir viel Zeit reingesteckt." Was das Label angeht, kam es im März zum totalen Einbruch: "Wir waren fast auf Null, die Leute haben überhaupt nichts mehr gekauft." Mittlerweile habe sich die Situation aber zum Positiven gewendet: "Tatsächlich jetzt sieht es so aus, dass viele unterstützen wollen und sehr viel an Platten und Tapes einkaufen."

Trotzdem wünschen sich Micha und Daniel nichts dringlicher als ein baldiges Ende des Lockdowns. "Man merkt schon, dass man das alles sehr vermisst." Gerade spezielle Subkulturen – in ihrem speziellen Fall Wave und Gothic – leben davon, dass Leute persönlich miteinander agieren.

Keine Konzerte, keine Festivals, geschlossene Clubs: Die Corona-Pandemie hat die Veranstaltungsbranche besonders hart getroffen. Unzählige Beschäftigte in der Musik- und Kulturszene kämpfen seit Monaten um ihre Existenz.

Um auf die schwierige Situation während der Corona-Krise aufmerksam zu machen und der heimischen Kultur- und Musikszene eine Bühne zu bieten, schließen sich
PULS, BAYERN 3, Bayern 2 und die BR KulturBühne zur gemeinsamen Support-Initiative "GEMEINSAM LAUTER” zusammen.

Alle zwei Wochen präsentieren wir neue Künstler*innen, Live-Clubs, Betreiber*innen und Initiativen aus ganz Bayern in den BR Programmen. Lasst uns #GemeinsamLauter sein, damit es ohne die Kulturschaffenden nicht still wird!

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