Livestream Kammerspiele Dokudrama über das Oktoberfestattentat

Das Oktoberfestattentat von 1980 ist nicht Teil des kollektiven Gedächtnisses der Bundesrepublik. Seine verspätete Aufarbeitung viel eher Zeugnis von Verdrängung und verharmlosenden Narrativen. Der Theaterabend von Christiane Umpfenbach entwirft die Gegenerzählung.

Stand: 15.01.2021 | Archiv

Szenenfoto aus der Inszenierung von Christiane Umpfenbach an den Münchner Kammerspielen | Bild: Julian Baumann

26. September 1980. Auf dem Oktoberfest in München werden 13 Menschen getötet, weitere 221 Menschen werden verletzt (68 von ihnen schwer), als eine Bombe im Bereich des Haupteinganges in einem Mülleimer explodiert. Auch der Täter selbst, Gundolf Köhler, Mitglied der rechtsradikalen Wehrsportgruppe Hoffmann, stirbt bei dem Attentat. Es ist der schlimmste Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Und trotzdem hat er kaum Eingang in die kollektive Erinnerung dieses Landes gefunden.

Die Ermittlungen zum Oktoberfestattentat von 1980 wurden bereits 1981 eingestellt. Der Täter zum Einzeltäter erklärt. Eine Aufarbeitung seiner Verbindungen zu rechtsextremen Netzwerken passte nicht in eine Zeit, in der die Bundesrepublik sich weitest möglich von ihrer nationalsozialistischen Vergangenheit absetzen wollte

Christiane Umpfenbach ist mit ihrer dokumentarischen Theaterarbeit geübt darin, gesellschaftlichen Narrative unter die Lupe zu nehmen und mögliche Gegennarrative zu entwerfen. In ihrem Stück "Urteile" hatte sie sich mit den NSU Morden auseinandergesetzt. Es war eine der ersten Theaterarbeiten, die sich überhaupt mit diesem Thema aus der Opferperspektive befasste. Für ihr Projekt zum Oktoberfestattentat hat sie mit Betroffenen und Überlebenden gesprochen. Wie haben sie das Attentat erlebt? Was hat es mit ihnen gemacht? Blieben sie mit ihren Erfahrungen allein?

So geht es an diesem Abend einerseits um solche Erfahrungen, andererseits um grundlegende Mechanismen des Wegschauens und Verdrängens - gerade bei Rechtterrorismus und Antisemitismus in Deutschland. Selbst wenn am Schluss der Wiederaufnahme des Verfahrens vor sechs Jahren am 8. Juli 2020 die rechtsextremistische Motivation des Täters benannt wurde, selbst wenn sich inzwischen das Gedenken an das Oktoberfestattentat gewandelt hat: Die Geschichten der Betroffenen und Überlebenden gilt es immer wieder zu erzählen. Auch auf der Bühne! Als besondere Kultur des Erinnerns und Appell für die Wachsamkeit einer Gesellschaft. Denn die Geschichten die sich eine Gesellschaft erzählt bestimmen, was für eine Gesellschaft wir sind.

Mit Marie Dziomber, Rasmus Friedrich , Stefan Merki, Edith Saldanha, Lilly-Marie Vogler
Regie/Text: Christine Umpfenbach
Bühne: Evi Bauer
Kostüme: Pascale Martin
Sound/Video: Anton Kaun
Dramaturgie: Harald Wolff

Den Live-Stream am 16.1. und 21.1. jeweils um 20.00 Uhr finden Sie direkt auf der Startseite der Münchner Kammerspiele. Im Rahmen einer Kooperation mit Nachtkritik wird die Produktion am Samstag, den 16.1. auch auf nachtkritik.de gestreamt. 

Am Samstag, den 16.1. gibt es um 19.30 Uhr eine Einführung per Zoom.
Am Donnerstag, den 21.1. gibt es um 19.45 Uhr eine kurze Live-Begrüßung auf Zoom.