"Parallels - Shellac Reworks" Synthesizer trifft "Die Moldau"

Klassikschnipsel von historischen Aufnahmen kombiniert mit großflächigen Beats: Das hat Christian Löffler auf seinem neuen Album "Parallels" geschaffen.

Von: Franz Schwarz

Stand: 17.02.2021

Shellac Rewokes | Bild: picture alliance/ Bildagentur-onlineTetra-Images

"Wir haben hier diese Schellack-Aufnahmen, und du bist unser Wunschkandidat" - mit diesen Worten, so erzählt es Christian Löffler, habe ihn das älteste Klassiklabel der Welt kontaktiert, die Deutsche Grammophon. Das wünschte sich von Löffler ein Album, auf dem er alte Aufnahmen mit seinem elektronischen Musikstil verbinden sollte. "Ich habe dann das Material bekommen, eine riesige Menge war das. Neun oder zehn Komponisten, 40 Stücke insgesamt, alles in digitaler Form, weil es zu dem Zeitpunkt auch nicht möglich war, ins Archiv zu gehen."

Wagner, Bach und Smetana

Im Londoner Archiv der Deutschen Grammophon schlummern viele solcher Schätze. Aufnahmen klassischer Musik, die teils über 100 Jahre alt sind und auf Schellack gepresst wurden, dem Vorläufer von Vinyl. Im März 2020 bekam Christian Löffler die 40 digitalisierten und restaurierten Stücke zugeschickt.. Unter anderem entschied er sich für Musik aus Parsifal von Richard Wagner, für eine Gavotte von Johann Sebastian Bach und für "Die Moldau" von Bedřich Smetana.

YouTube-Vorschau - es werden keine Daten von YouTube geladen.

Christian Löffler - Fate (Official Music Video) | Bild: ChristianLofflerVEVO (via YouTube)

Christian Löffler - Fate (Official Music Video)

"Ich saß dann vor diesen Dateien und habe mich gefragt: Was wollen die jetzt eigentlich?" erzählt Löffler, "Wollen die jetzt so Christian-Löffler-Sound, wie vorher? Oder wollen die jetzt was Neues?" Für ihn als Musiker oder Künstler. Da er gerade ein neues Album abgeschlossen hatte, entschied er sich dann für eine ganz neue Richtung.

Christian Löfller: Paralells

Er fasst einen Plan: Zurücklehnen und intuitiv entscheiden. Und herausfinden, was zu seinem Stil passt und was nicht. Er wirft seinen Computer und seine Synthesizer an, lädt die Schellack-Musik in seine Software und beginnt in seinem Heimstudio zu improvisieren. "Und da ging es dann darum, auch nicht nur Stellen zu finden, die mir gut gefallen und gut zu meiner Musik passen, sondern auch die, bei denen einfach nicht so viel passiert - wo es also auch Sinn macht, noch etwas hinzuzufügen, eine Akkordfolge noch zu erweitern oder eine Stimmung zu drehen. ‚Die Moldau‘ erscheint im Original eher positiv. Meine Interpretation geht eher ins nachdenkliche."

Und so findet er einen Weg, die rauschenden, kratzigen Klassikaufnahmen mit seinem Sound zu verbinden. Ganz typisch für ihn ist seine elektronische Klangwelt – große Flächen, verträumt, beatlastig und durchaus clubtauglich. Darin bettet er sanft die Schellackaufnahmen ein. Manchmal nur kurze Samples, oft auch längere Passagen des Originals, die plötzlich freistehen und dann wieder in seine Interpretation übergehen.

Erkennbare Klassikschnipsel "Parallels"

Wichtig, sei ihm auch gewesen, dass er die Originale nicht zu sehr verbiege, sagt Löffler. Er habe erreichen wollen, dass man sie erkenne, aber in einem neuen Kontext.

Christian Löffler hat sich für sein Album "Parallels" nicht verbogen, im Gegenteil. Er bleibt seinem Sound treu und hat elegante Wege gefunden, Klassik mit elektronischer Musik zu vermischen, ohne dass es zu gewollt oder zu banal klingt. Der ein oder andere Klassik-Nerd rümpft vielleicht die Nase, Neugierige entdecken eine interessante Kombination zweier Genres. Grenzen zwischen Klassik und elektronischer Musik zieht Christian Löffler sowieso keine, er sieht eher viele Parallelen: "Man greift ja auch in der Elektronik mit seiner Vielfalt an Klängen auf eine Art Orchester zurück. Das ist mir bei den Schellack-Aufnahmen bewusst geworden."

Hier können Sie den Beitrag über Christians Löfflers "Parallels" nachhören.