Cartoon-Duo Hauck & Bauer Eigene Witze und schlechte Goethe-Gedichte

Der eine hat die Ideen, der andere die spitze Feder. Zusammmen machen sie Witze. Einige davon sind jetzt im Literaturhaus München zu sehen. Ein Gespräch mit dem Cartoon-Duo Elias Hauck und Dominik Bauer.

Von: Judith Heitkamp

Stand: 22.07.2021

Cartoons von Hauck & Bauer - jetzt im Literaturhaus München zu sehen | Bild: Hauck & Bauer - nur für Berichte über Ausstellung

Elias Hauck und Dominik Bauer stellen seit fast 20 Jahren gemeinsam gezeichnete Pointen her. Bekannt wurden sie mit der FAS-Kolumne "Am Rande der Gesellschaft", durch Spiegel Online und die Titanic-Rubrik "Hier lacht der Betrachter". Und sie stammen beide aus Alzenau in Unterfranken. Jetzt widmet das Münchner Literaturhaus Hauck & Bauer eine Ausstellung. Ein Gespräch mit den beiden Cartoonisten.

Judith Heitkamp: Offenbar werden Sie das in Interviews immer als erstes gefragt, hier auch – wie arbeiten Sie zu zweit zusammen?

Dominik Bauer: Zuerst denke ich mir in Frankfurt etwas aus, dann schicke ich es an Elias und dann wird in Berlin gezeichnet.

Elias Hauck: Aber wenn es in Berlin gezeichnet worden ist, ist es noch lange nicht vorbei.

DB: Wir haben beide ein Einspruchsrecht. Elias muss keine Idee zeichnen, wenn er sie nicht gut findet. Und wenn mir eine Zeichnung nicht gefällt, muss Elias nochmal ran.

Ein sensibler Punkt, oder? Wenn der andere müde mit dem Kopf schüttelt und sagt, och, naja.

DB: Dann ist der Witz tot. Wir müssen ihn schon beide gut finden, bevor er realisiert wird. Das ist die Arbeit.

Schwere Arbeit?

DB: Nein, eine schöne Arbeit. Sonst hätten wir es uns nicht ausgesucht und würden es nicht seit 18 Jahren machen.

EH: Dominik konnte das irgendwie trainieren, er kommt aus der Werbung und hat das da wohl gelernt, dass er sich einfach an den Schreibtisch setzen kann und auf Knopfdruck Witze zu einem bestimmten Thema macht.

DB: Verdichtung, da war die Werbung bestimmt eine gute Schule. 

Apropos Schule. Sie kennen sich seit Schulzeiten. Hat sich die Zusammenarbeit damals schon angebahnt?

EH: Ja, wir sollten irgendwie verkuppelt werden von unseren Schulfreunden, das war uns aber suspekt, dass da noch jemand sein sollte, der auch so einen Humor hat. Dann haben wir uns außerhalb von der Schule zum ersten Mal auf einer Max Goldt-Lesung gesehen. Und da dachte man gegenseitig, ach, so verkehrt kann der ja gar nicht sein. Da haben wir uns auch zum ersten Mal unterhalten.

DB: Wir haben am Anfang aber nicht Cartoons gemacht, sondern zusammen Texte geschrieben und kleine Hörspiele aufgenommen.

EH: Wir haben auch so ein kleines Heftchen gemacht, da waren doch schon erste Zeichnungen drin … und ein Gedicht gab's auch von Dominik über eine Gartenbank. Das Heft hatte den sehr guten Titel "Ernst Troeltsch spielt an der Hammond Orgel".

Ist in der Ausstellung nicht zu sehen, muss man leider sagen.

EH: Dafür war wohl kein Platz. Für so ein DIN A 5 Heftchen.

Haben Sie jemals versucht, die Rollen zu tauschen?

EH: Dominik hat einmal einen Affen gezeichnet, der eine Banane isst. Dazu ist mir aber kein Text eingefallen.

DB: Wurde nicht veröffentlicht. Ich kann ausschließlich Affen und Bananen. Das ist ein bisschen beschränkt, mein Repertoire.

EH: Zeichnerisch. Na, vielleicht fällt mir jetzt im Urlaub noch der passende Text ein.

Es gibt aber auch Solo-Projekte, zumindest eins bei uns im BR Fernsehen.

DB: Da sind wir beide bei Ringlstetter involviert, aber mit getrennten Aufgaben. Elias macht Zeichentrickfilme zusammen mit Caro Matzko, für die Gäste-Vorstellung, und ich schreibe für den Show-Teil.

Nähern wir uns mal dem, was ausgestellt wird im Münchner Literaturhaus. "Das erste Wort ist immer das schwerste", heißt eine von sieben Stationen dort, im Ausstellungsraum mit viel Neon-Orange und vielen großformatigen Zeichnungen, die wie Fahnen durch einen leichten sommerlichen Luftzug schaukeln. Der Cartoon "Das erste Wort ist immer das schwerste" zeigt eine Schreibmaschine mit einem eingespannten Blatt, auf dem steht … wie war das noch mal genau?

EH: Zmdrll!

DB: Dwdrll, ja?

EH: Das hat sich Dominik ausgedacht.

Ist das erste Wort immer das schwerste?

DB: Ja. Deswegen lasse ich das erste Wort erstmal weg und fang mit dem zweiten Satz an. Das geht ganz gut.

Der erste Strich auch?

EH: Eigentlich eine gute Methode von Dominik. Das müsste ich mal probieren, ob man das zeichnerisch übertragen kann. Also, aber ich kann ja schlecht mit dem letzten Strich anfangen .. vielleicht rückwärts zeichnen … vielleicht probier ich das mal aus … im Urlaub ….

Man sieht Figuren mit langen Nasen und langen Kinnpartien, das sind die Markenzeichen der Cartoons, dazu eine skizzierte, strichhafte Umgebung. Sieht alles ganz leicht und schnell gemacht aus, ist es wahrscheinlich gar nicht … Thematisch geht es an mehreren Stationen um die Welt des Schreibens und der Schriftsteller und Schriftstellerinnen. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass Dominik Bauer in Frankfurt lebt und da die Frankfurter Buchmesse vor Augen hat. Sind Schreibende besonders geeignete Figuren für Cartoons?

DB: Der literarische Schwerpunkt hängt natürlich auch damit zusammen, dass die Ausstellung im Literaturhaus in München gezeigt wird, daher die Auswahl. Aber ja, Autoren, Schriftsteller, vor allem erfolglose Schriftsteller oder sich selbst überschätzende Schriftsteller sind natürlich wunderbare Akteure.

Bei einer weiteren Station beschäftigen Sie sich mit Goethe. Dazu gibt's auch ein neues Hauck & Bauer-Buch. Wieso Goethe?

DB: Das wurde vom Verlag Jung&Jung an uns herangetragen, dieses Projekt "Goethes schlechteste Gedichte". Da hat man wohl gedacht, dass wir dazu wenigstens ein paar gute Cartoons machen könnten.

EH: Aber eigentlich wollten wir doch schon immer mal was mit Goethe zusammen machen.

DB: Ja, grüne Soße essen

EH: Sardellen-Salat essen.

DB: Leider zu spät geboren.

Können wir mal eins hören? Ein schlechtes Gedicht von Goethe?

EH: Okay, ich hab das Buch in der Hand. Soll ich vorlesen?

Bitte.

"Eins wie's Andere
Die Welt ist wie ein Sardellen-Salat;/
Er schmeckt uns früh, er schmeckt uns spat:/ Zitronenscheibchen rings umher,/ Dann Fischlein, Würstlein, und was noch mehr/ In Essig und Öl zusammenrinnt, / Kapern, so künftige Blumen sind -/ Man schluckt sie zusammen wie ein Gesind."

Sehr schön. Daneben steht dann Ihr Cartoon. Könnten Sie uns den auch noch vortragen?

DB: Goethe lehnt sich beim Essen etwas blasiert zurück und fängt an, ein Gedicht zu improvisieren. "Die Welt ist ein Sardellen-Salat … " -

EH: … die Frau ist irgendwie genervt von ihm und sagt: "Ich hab gefragt, wie es dir schmeckt!"

Goethes schlechteste Gedichte sind eigens in München zu sehen in dieser ansonsten vom Karikaturen-Museum Frankfurt übernommenen Werkschau. Wie ist das mit dem Vorlesen von Cartoons? Auch in München werden Sie eine Lesung machen, im September, zum Abschluss der Ausstellung, gemeinsam mit der Schauspielerin Anna Thalbach - Kürzesttexte vor Publikum.

DB: Wir konnten es uns am Anfang auch nicht richtig vorstellen, dass es funktioniert -  einfach einen Cartoon nach dem anderen vorzulesen. Dann hat der damalige Titanic-Chefredakteur Leo Fischer darauf bestanden, dass wir als Gäste zu einer Lesung kommen und wir haben einen 15-Minuten-Block vorgelesen. Und das kam so bombastisch an, dass wir dachten, das müssen wir weitermachen. Seitdem lesen wir unsere Cartoons vor.

Vermeiden wir grundsätzlich das Wort Karikaturen, wenn es um Ihre Werke geht?

EH: Ja. Das Wort ist einfach zu lang. Wir sagen eigentlich immer Witze.

Ein Beitrag der kulturWelt, die Sie hier nachhören können.