Energiefresser Kryptowährungen Müssen wir Bitcoins verbieten?

Dezentral, unfälschbar, antimonopolistisch. Die Versprechen von digitalen Währungen wie Bitcoin sind groß. Aber was ist mit dem Energieverbrauch?

Von: Martin Zeyn

Stand: 15.04.2021

"Bitcoin-Münzen", fotografiert beim Münzhandel.  | Bild: dpa-Bildfunk/Jens Kalaene

Bitcoins erklimmen ständig neue Höchststände. Nach zahlreichen Rückschlägen – Kurssprünge, verschwundene Guthaben – scheint jetzt der Aufstieg digitaler Währungen unaufhaltsam. Ihr Versprechen: totale Anonymität und totale Sicherheit. Seltsame Koalitionen sind dabei zu beobachten: Hippiephantasien einer Gesellschaft ohne Regierung gehen zusammen mit neoliberalen Wunschträumen einer Welt, in der nur noch der Markt herrscht und keine Regierungen mehr eingreifen kann.

Klimakiller Blockchain?

Bei all dem wird eines übersehen: der immense Energieverbrauch: 119 Terrawattstunden pro Jahr allein für die Herstellung und den Gebrauch von Bitcoins. Schon heute, da bei Zahlungsverkehr digitale Währungen nur eine geringe Rolle spielen, verbraucht das Digitalgeld sie so viel Strom wie die gesamte Schweiz. Der Grund dafür ist einfach: die Fälschungssicherheit wird garantiert, indem durch das Mining, also die Herstellung, jede Überweisung mittels einer komplizierten Rechenoperationen abgesichert und verschlüsselt wird. Genau das aber verbraucht diese gigantischen Menge Strom. Dieses Problem der Verschlüsselung durch immense permanente Rechenleistung ist dem Bitcoin immanent. Deshalb wird der Stromverbrauch sogar weiter zunehmen.

Konkurrent der Elektromobilität

Serverfarmen stehen deswegen da, wo der Strom billig ist. Und billig ist er oft an Orten, wo es keine Umweltauflagen gibt. Und was, wenn digitale Währungen wirklich einen signifikanten Anteil am Geldfluss bekommen? Muss sie dann nicht in Konkurrenz zur Elektromobilität treten? Im Moment stellt sich der Eindruck ein, dass die Befürworter in einer Sciencefiction-Welt leben, in der Energie eine unbegrenzte Ressource darstellt. Dem ist aber nicht so. Und der CO2-Ausstoß, den Stromerzeugung des digitalen Geldes verursacht, konterkariert unsere Anstrengungen, dem Klimawandel zu begegnen.

Bitcoin ist ein Rückschritt

Tatsächlich ist der Bitcoin kein Raumschiff Enterprise der Geldwirtschaft, total nett und total pc, sondern eine Dreckschleuder, ein Dinosaurier aus einer Zeit, als Wachstum um jeden Preis erzeugt wurde. Das Framing aber sieht ganz anders aus: Bitcoin steht für das Versprechen einer Welt, in der Banken und Regierungen keine Macht mehr haben, sondern nur der Einzelne. Es ist erschütternd, dass über die Spätfolgen nicht nachgedacht wird. Der Bitcoin ist nicht die Zukunft, sondern ein Rückschritt in eine Zeit, als Kapital brutal über Mensch und Natur geherrscht hat.